19:46 24 Juni 2019
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    Tu-22M3-Bomber

    Russische Bomber gegen IS: Wäre ein Einsatz möglich?

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    Angesichts der Berichte über ein aktiveres Engagement Moskaus im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ analysiert ein Militärexperte, ob russische Kampfjets als Bestandteil einer Koalition zum Einsatz kommen könnten.

    In einem Beitrag für die Wochenzeitung „WPK“ beschäftigt sich der russische Militärexperte Michail Chodarenok mit dem hypothetischen Fall, dass der Kreml doch die politische Entscheidung fällt, gegen den „Islamischen Staat“ (IS) unmittelbar im Rahmen einer internationalen Koalition mit zu kämpfen. Wäre es dann möglich, ohne Heereseinsatz auszukommen und sich auf Luftangriffe zu beschränken?

    Um von Russland aus zu operieren, stünden der Tu-160- und der Tu-22M3-Bomber zur Verfügung. Die Tu-160 wurde ursprünglich als Trägersystem für atombestückte Langstrecken-Flügelraketen konzipiert. Ihre Flügelraketen des Typs Ch-55SM sind gegen stationäre Ziele effizient, deren Koordinaten vor dem Start eingegeben werden. Die Maschine kann auch Hyperschall-Raketen Ch-15S mit einer geringeren Reichweite tragen.

    Doch selbstverständlich geht es nicht darum, gegen den IS mit Atomwaffen zu kämpfen. Laut Chodarenok hat Russland im Moment zwei oder drei umgerüstete Tu-160-Bomber mit konventionellen Waffen. Es handelt sich dabei um schwere Freifallbomben. Der Experte schreibt: „Man muss aber berücksichtigen, dass es in den vom IS kontrollierten Gebieten keine deutliche Frontlinie gibt. Die IS-Kämpfer bewegen sich chaotisch hin und her. Ohne präzise Aufklärungsangaben ist es schwer, sie zu orten. Deshalb wären die Tu-160-Angriffe blind. Es besteht kein Zweifel, dass die meisten zerbombten Ziele dann mit dem IS nichts zu tun haben werden.“

    Was den Tu-22M3-Bomber betrifft, ist er für Angriffe auf landgestützte Ziele nicht besonders geeignet. Denn ursprünglich wurde er konzipiert, um mit Ch-22-Raketen gegnerische Flugzeugträger und deren Begleitschiffe zu bekämpfen. Zwar könnten stationäre bodengestützte Ziele auch ins Visier rücken, doch die Standardwaffen dafür sind nuklear. Möglich wären schließlich gezielte Angriffe mit konventionellen Freifallbomben, diese Option gilt aber bei der Tu-22M3 als zweitrangig. 

    Mit schweren Bomben hat die Tu-22M3 außerdem eine geringere Reichweite. Selbst wenn eine solche Maschine vom nordkaukasischen Flugplatz Mosdok startet, erreicht sie höchstens Gebiete im Nordirak. Dabei sind keine Bomber von diesem Typ derzeit an der südlichen Grenze Russlands stationiert. Eine entsprechende Verlegung samt Munition und Treibstoff wäre sehr aufwendig: „Fazit: Es wird uns nicht gelingen, massive Angriffe mit Tu-160 und Tu-22M3 zu organisieren“.

    „Im Idealfall wäre es am besten, Su-34-Jagdbomber auf einen Luftwaffenstützpunkt im südlichen Teil der Türkei zu verlegen. Das ist aber eine Science-Fiction-Vision“, so Chodarenok. Und selbst in diesem Fall würde es Probleme mit Treibstoff- und Munition-Zulieferung geben.

    „Es gäbe noch eine Option, die ebenfalls ziemlich phantastisch wirkt. Es ginge darum, Einheiten mit Su-24- und MiG-29-Kampfjets in den östlichen Teil des Iran zu verlegen (…) Der Iran verfügt ja auch über solche Maschinen. Das heißt, Schwierigkeiten mit Reparatur und Wartung sowie mit Munition und Treibstoff könnten vermieden werden. Es bleibt aber übrig, sich mit der Regierung in Teheran zu verständigen“, so der Experte weiter.  

    Die einfachste Option für Luftangriffe gegen den IS besteht aus seiner Sicht theoretisch darin, Flugzeugträger im östlichen Teil des Mittelmeeres einzusetzen. Russland hat jedoch nur ein Kriegsschiff dieser Klasse, dem es dazu noch an der notwendigen Kampfgruppe mangelt.

    Zum Schluss schreibt Chodarenok: „Wenn wir solche militärtechnische Probleme analysieren, dürfen politische Fragen nicht vergessen werden. Jeder sollte für sich selbst eine eindeutige Antwort formulieren, inwieweit zweckmäßig es wäre, sich in einen Krieg mit seinem unklaren Ausgang und nebulösen Nachkriegsaussichten involvieren zu lassen (…) Sich in einen militärischen Konflikt einzumischen, ist bekanntlich sehr leicht. Ohne Verluste daraus auszusteigen, ist dagegen eine große politische und militärische Kunst.“

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Luftangriff, Atomwaffen, Ch-22, Ch-15S, Ch-55SM, Tu-22M3, Tu-160, Michail Chodarenok, Syrien, Russland