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16:54 22 September 2019
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    Wahlen in Katalonien: „Madrid verschärft selbst den Bedarf an Abspaltung“

    © REUTERS / Albert Gea
    Politik
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    Die Separatisten um den katalanischen Regierungschef Artur Mas haben die vorgezogenen Wahlen am Sonntag zu einem „Plebiszit“ über die Unabhängigkeit erklärt. Laut Umfragen können sie mit einer knappen absoluten Mehrheit im Regionalparlament rechnen. Der Unabhängigkeitsdrang sei wirtschaftlich, psychologisch und sozial bedingt, so der Experte.

    Prof. Dr. Tilbert Stegmann vom Fachbereich Romanistik und Katalanistik an der Goethe-Universität Frankfurt am Main findet, dass der Wunsch der Katalanen nach Unabhängigkeit nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychologisch und sozial bedingt sei. „Die finanziellen Gründe sind eine ganz entscheidende Basis“, sagt Prof. Dr. Stegmann. Man bedenke nur, dass die Madrider Regierung rund 16 Milliarden Euro an Steuern, die Katalonien jedes Jahr leiste, in andere Teile Spaniens verteile. Das sei praktisch eine koloniale Ausbeutung des Bruttosozialproduktes, um damit andere Teile Spaniens zu subventionieren.

    Allerdings seien es die Ereignisse der letzten drei bzw. vier Jahre, die für die Katalanen ein weiteres Zusammenleben mit Spanien sozial und psychologisch unmöglich gemacht hätten. „Im Grunde genommen sind Katalonien und die katalanische Sprache für Spanien ein Störfaktor. Denn für die zentralistisch gesinnten Spanier bedeutet alles, was mit Katalonien zu tun hat, eine Gefahr, eine Bedrohung für die Einheit Spaniens. Und das spüren natürlich die Katalanen täglich: diese Ablehnung“, stellt der Ehrenpräsident der Deutsch-Katalanischen Gesellschaft fest.

    „Madrid hat einen groben Fehler gemacht, dass es dieses Referendum mit einem einfachen Hinweis, das sei gesetzlich nicht vorgesehen, abgelehnt hat. Dadurch hat die Madrider Regierung noch einmal deutlich gemacht, wie sehr sie die katalanischen Wünsche missachtet, und wie sehr sie blockt und die Türen zusperrt, anstatt in den Dialog einzutreten. So etwas ruft den Unmut und das Unwohlsein der Mehrheit der katalanischen Bevölkerung hervor. Im Grunde genommen verschärft Madrid selbst diesen dringenden Bedarf an Abspaltung von Spanien.“

    Nach Ansicht von Prof. Stegmann würden die EU und Deutschland im Fall einer Abspaltung Kataloniens pragmatisch vorgehen. Momentan müsse die Bundeskanzlerin jedoch eine neutrale Stellung einnehmen.

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    Tags:
    EU, Tilbert Stegmann, Deutschland, Katalonien, Spanien