12:01 21 Januar 2020
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    „Duell“, „Auseinandersetzung“, „Schlagabtausch“ – so bezeichnen ausländische Medien das Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit seinem US-Amtskollegen Barack Obama am Rande der 70. UN-Vollversammlung in New York.

    Die größten Kontroversen zwischen den beiden Staatschefs traten vor allem in Bezug auf die Syrien-Krise auf.

    Deutsche Welle schrieb von einem „Poker um Assad“: „Bleibt Baschar al-Assad oder muss er gehen? Auch bei ihrem abendlichen Treffen am Rande der UN-Vollversammlung, dem ersten seit fast zwei Jahren, können sich Barack Obama und Wladimir Putin erwartungsgemäß nicht auf eine künftige Rolle des syrischen Diktators einigen.“

    Der "Washington Post" zufolge haben Obama und Putin zu verstehen gegeben, dass sie auf entgegengesetzten Positionen zum Thema Krisenbekämpfung in Syrien und anderen Nahost-Ländern stehen, und obwohl die beiden die Bereitschaft zu einer gemeinsamen Lösung dieses Probleme zeigten, haben sie sich gegenseitig das Chaos im Nahen Osten vorgeworfen.

    Die "Los Angeles Times" nannte das Treffen in New York einen „Schlagabtausch“ und stellte fest, dass Putin und Obama sich dabei auf nichts einigen konnten.

    Nach Einschätzung Mark MacKinnons von der kanadischen Zeitung „The Globe and Mail“ sind die „ideologischen Kontroversen“ zwischen den Präsidenten Russlands und der USA ein Signal dafür, dass „ein Zeitalter der Multipolarität“ gekommen ist. Putin habe seinem amerikanischen Pendant zu verstehen gegeben, dass Washington nicht mehr der ganzen Welt seine Spielregeln aufzwingen könne, und Obama habe das indirekt eingeräumt.

    Auf die Meinungsverschiedenheiten Putins und Obamas verwies auch die CNN-Kolumnistin Frida Ghitis. Ihr zufolge haben die beiden an jenem schicksalhaften Tag in der UN-Vollversammlung die Hauptrollen gespielt und sich gegenseitig angegriffen – zwar hauptsächlich verdeckt, aber zuweilen auch direkt, indem sie über diese oder jene Schritte der Gegenseite sprachen.

    Zudem hob Ghitis einen „wesentlichen Vorteil“ Russlands hervor, denn im Unterschied zu Washington habe Moskau einen Plan in Bezug auf Syrien.

    Die "New York Times" schrieb von einem „verbalen Duell“. Putin und Obama haben in ihren Reden vor der UN-Vollversammlung absolut unterschiedliche Standpunkte demonstriert. Die beiden führen „ein gefährliches Spiel“, einen diplomatischen Poker, wobei jeder versuche, den anderen auf seine Seite zu ziehen. „Weder die beiden Reden noch der Empfang, noch das Treffen danach haben angedeutet, dass die Kluft zwischen den beiden Spitzenpolitikern in der prinzipiellen Frage um die Zukunft Baschar al-Assads  kleiner geworden wäre“, so die Zeitung.

    Die "New York Post" schrieb, dass in der UN-Vollversammlung klar geworden sei, wer von den beiden ein Mann der Tat und wer ein Mann des Wortes sei: „Endlich zeigte ein entschlossener Weltpolitiker die richtigen Führungseigenschaften, wenn es um den Nahen Osten, darunter um die Syrien-Krise, geht. Leider ist das der russische Präsident Wladimir Putin und nicht Barack Obama.“

    Das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zeigte mehr Optimismus. Im Artikel „Obama und Putin beim Uno-Gipfel: Sie reden — und die Welt schöpft Hoffnung“ geht es um mögliche gemeinsame Schritte Russlands und der USA im Kontext der Syrien-Krise. So hoffen viele Diplomaten in New York, dass Washington und Moskau jetzt konkrete Schritte vereinbaren könnten, ohne zunächst über die künftige Rolle Baschar al-Assads zu sprechen.

    Der Herausgeber des „Handelsblatts“, Gabor Steingart, findet, dass sich die Präsidenten auf das weitere Schicksal Assads nicht einigen konnten: „Obama nannte ihn einen Tyrannen, Putin lobte ihn als Garanten für die Einheit des Staates Syrien. Das Paradoxe der politischen Situation: Wahrscheinlich haben beide recht.“

    Der Korrespondent Amara Makhoul-Yatim von „France 24“ schrieb, dass das Treffen beider Präsidenten in New York und Putins Rede in der UNO von seiner Rückkehr auf die internationale Bühne sprechen. Der Westen habe Putin wegen des Ukraine-Konflikts „isoliert“, weil er Assad unterstütze. Mit der Zeit aber sei er zu einer Schlüsselfigur im Zusammenhang mit dem Syrien-Konflikt avanciert, so der Reporter.

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    Tags:
    CNN, Uno, Barack Obama, Wladimir Putin, Baschar al-Assad, New York, Syrien