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    Postbomben explodieren in China

    18 Explosionen von Postbomben an einem Tag in Südchina

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    Politik
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    In Südchina sind in den letzten 24 Stunden 18 Bomben hochgegangen, die per Post verschickt wurden. Bei den Explosionen kamen zehn Menschen ums Leben, weitere rund 50 Personen wurden verletzt, wie Gazeta.ru am Donnerstag mitteilt.

    Die Behörden weigern sich jedoch, die Vorfälle als Terroranschläge zu bezeichnen. Vermutlich wollen sie damit die Nationalfeier nicht überschatten: Heute begehen die Chinesen den Gründungstag der Volksrepublik.

    Am Donnerstag ging im Bezirk Liuzhou, Autonomes Gebiet Guangxi der Zhuang-Nationalität, eine Bombe hoch. Dies war bereits die 18. Explosion dort in den letzten 24 Stunden.  Die Sprengladung wurde  um 8.00 Uhr (1.00 Uhr MESZ) in einem sechsstöckigen Haus gezündet. Die Druckwelle war so groß, dass ein Teil des Hauses auf die Straße stürzte, in den umliegenden Häusern zersplitterten die Fensterscheiben. Vorerst liegen keine Meldungen über Opfer oder Verletzte vor.

    Inzwischen wurde bekannt, dass bei den vorhergehenden Explosionen in Liuzhou sieben Menschen ums Leben kamen, 51 erlitten Verletzungen. Am Vortag gab es dort insgesamt 17 Explosionen, von denen sich 15 zwischen 15 und 17 Uhr ereigneten. Bei den Anschlägen wurden das örtliche Krankenhaus, städtische Märkte, ein Handelszentrum, ein Busbahnhof und mehrere Regierungsgebäude beschädigt, darunter ein Gefängnis und ein Beamten-Wohnheim. 

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      Postbomben explodieren in China
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    Die Bomben wurden in verschiedene Teile der Stadt per Post als Päckchen mit dem Vermerk „Eilpost“ verschickt. Nach der Explosionsserie hat die lokale Post die Auslieferung von Briefen und Paketen bis Samstag eingestellt. Außerdem warnte die Polizei die Einwohner zur Vorsicht beim Öffnen von Paketen oder Päckchen, die „über nicht geprüfte Kanäle verschickt wurden“.

    Die Sicherheitsbehörden nahmen bereits den vermutlichen Drahtzieher der Explosionen fest: Es handelt sich um einen 33-jährigen Mann namens Wey aus dem Dorf Dapu. Weder chinesische Medien noch Sicherheitsbehörden teilen etwas über die Person des Mannes mit, seine Motive sind bisher ungeklärt.

    Auch die Erklärung des chinesischen Ministers für öffentliche Sicherheit wirft kaum Licht auf die Zusammenhänge: Das Ministerium besteht darauf, dass der Fall als Strafsache behandelt wird und wirft Wey keinen Terrorismus vor.

    Seit Mittwoch strotzen die chinesischen sozialen Netze vor Fotos und Videos der Explosionen. Auf einem der Videos ist zu sehen, wie die Druckwelle einen Mann durch das Glasfenster eines Geschäfts herausstößt. Auf den zahlreichen Bildern sind qualmende Ruinen, umgestürzte Autos und zerstörte Straßen zu sehen.

    Allerdings sorgten die Anschläge in Liuzhou nicht allzu sehr für Schlagzeilen: Am Donnerstag begeht China den 66. Gründungstag der Volksrepublik, der alle Titelzeilen auf sich lenkt. Die tragischen Ereignisse im Süden des Landes werden dagegen vernachlässigt. Vermutlich hat dies damit zu tun, dass die Behörden den Bürgern die Feier nicht verderben wollen.

    Explosionen und Terroranschläge sind für China kaum selten, allerdings treffen sie für gewöhnlich nicht die reichen südlichen Provinzen, sondern den weniger florierenden Norden des Landes, etwa das autonome Gebiet Xinjiang der Uiguren. In der Regel werden die Anschläge von Separatisten verübt, die auf einer Abspaltung von China bestehen.

    Der BBC-Reporter John Sudworth, der durch seine Reportagen über die technische Katastrophe in Tianjin bekannt ist, glaubt, dass die Explosionen von Liuzhou keinen politischen Hintergrund haben: Ähnliche (wenn auch weniger massive) Anschläge habe es in China bereits gegeben.

    Oft waren es Bürger, die sich von den chinesischen Behörden persönlich beleidigt fühlten und diese Gefühle auf diesem abartigen Weg zum Ausdruck brachten.

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    John Sudworth, Liuzhou, Guangxi, China