16:04 21 September 2020
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    Angesichts des beginnenden Einsatzes der russischen Kampffliegerkräfte in Syrien versuchen die amerikanischen Militärs, erneut einen direkten Kontakt zu den Kollegen in Moskau aufzunehmen, um einen massiven Zusammenstoß der zwei Supermächte in der Luft zu vermeiden, teilt die Onlineressource „Politico“ mit.

    Das „Rote Telefon“ (oder die „Hotline“ Washington-Moskau) ist der direkte Verbindungskanal zwischen den beiden Landesführungen, den es seit der Kuba-Krise von 1963 gibt. Zuerst wurde der Telegraph genutzt, später tauschten die amerikanischen und sowjetischen (russischen) ranghohen Vertreter Meldungen, Grafiken und Dokumente per Fax aus; heute werden die Meldungen auf geschützte Mailboxen oder innerhalb eines Online-Messengers verschickt.

    Laut „Politico“ war die Hotline zum Zeitpunkt ihrer Schaffung tatsächlich „heiß“: Moskau und Washington standen am Rande eines Atomkrieges. Mit der Zeit büßte sie jedoch an Bedeutung ein. So wurde das „Rote Telefon“ laut einem Vertreter des US-Verteidigungsamtes zwar regelmäßig getestet, jedoch selbst mitten in der Ukraine- und der Syrien-Krise nur wenig benutzt.

    „Da besteht keine Notwendigkeit: Es gibt viele andere Orte, wo man mit Russen sprechen kann“, sagte ein Pentagon-Vertreter, dessen Name nicht genannt wird. Eine andere Quelle aus dem US-Verteidigungsamt behauptet, dass man jetzt gezwungen ist, die direkte Verbindung buchstäblich neu einzurichten.

    Der letzte Fall einer koordinierten Militäroperation der beiden Länder war das „Treffen an der Elbe“ (als sich die Truppen der 1. Ukrainischen Front der sowjetischen Armee und die 1. US-Armee 1945 an der Elbe trafen – d. Red.), wobei die USA und die Sowjetunion damals einen gemeinsamen Feind – den Nazismus – hatten.

    „Das war das letzte Mal, als unser Verkehr auf der taktischen Ebene effizient war. (…) Wir spüren, wie der Vertrauensgrad beiderseits sinkt, und unsere Aufgabe besteht darin, das zu ändern“, glaubt der frühere Befehlshaber des Strategischen Kommandos der US-Luftstreitkräfte, General Gene Habiger. Er wird die USA in der sogenannten Elbe-Gruppe (ein Rat, an dem ranghohe Vertreter der sowjetischen und amerikanischen Militärs und Aufklärer teilnehmen) vertreten, die dieses Jahr auf den Bahamas tagen soll.

    Laut Habiger ist es derzeit schwieriger geworden, strategische Kontakte anzubahnen, darunter die Verbindung über das „Rote Telefon“ und den direkten Verkehr zwischen den Militärführungen beider Länder.

    Von der amerikanischen Seite sind für die Kontakte Elissa Slotkin, die Beraterin des Verteidigungsministers in Fragen der internationalen Sicherheit, und Vizeadmiral Frank Pandolfe, der Direktor der strategischen Planung im Vereinigten Komitee der Stabschefs, zuständig. Vor kurzem haben die beiden an einer Videokonferenz mit den Kollegen aus Moskau teilgenommen. Im Pentagon habe man die Diskussion, so das Blatt, als „aufrichtig“ und „professionell“ bezeichnet, obwohl dabei keine Vereinbarungen über die Koordinierung der Handlungen in Syrien erreicht wurden.

    Laut den genannten Quellen von „Politico“ erwägt das Pentagon drei Szenarien für die Entwicklung der Kooperation von amerikanischen und russischen Militärs in Syrien. Die erste Option wäre, das Territorium in drei Sektoren aufzuteilen, auf die sich der Militäreinsatz beschränken soll. Die zweite Variante ist die sogenannte prozedurbedingte Kommunikation: Die Militärs erklären sich bereit, sich regelmäßig Informationen über die Richtung der Kampfoperationen zu liefern. Das dritte Szenario sieht Russlands Beitritt zu der westlichen Antiterrorkoalition vor, an der 60 Länder teilnehmen.

    Dabei soll Moskau seinen Verbindungsoffizier in das Air and Space Operations Center auf dem amerikanisch-katarischen Luftstützpunkt in Al Udeid schicken, wo die tägliche Aufgabenliste für die Flieger der Koalition abgestimmt wird.

    Moskau schlägt Washington seinerseits vor, sich an das Informationszentrum in Bagdad anzuschließen, und hat die amerikanischen Seite bereits aufgefordert, einen Verbindungsoffizier dorthin zu schicken. Allerdings werde sich das Pentagon kaum damit einverstanden erklären, denn die USA wollen nicht mit iranischen und syrischen Offizieren zusammenarbeiten und arbeiten an eigenen Vorschlägen zur Einteilung der Einflussbereiche für die beiden Länder in Bagdad, heißt es in dem Artikel.

    „Wir müssen ein Koordinierungszentrum (mit den russischen Militärs) gründen. Selbst wenn Washington und Moskau unterschiedliche Aufgaben haben, besteht ein gemeinsames Interesse am Sieg über den Islamischen Staat“, führt „Politico“ die Worte des früheren Nato-Befehlshabers General George Joulwan an.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Kooperation, NATO, Sowjetunion, Pentagon, George Joulwan, Frank Pandolfe, Elissa Slotkin, Gene Habiger, USA, Syrien, Russland