Widgets Magazine
09:38 21 Oktober 2019
SNA Radio
    Anhänger des Rechten Sektors

    US-Magazin: Ultrarechte zerreißen die Ukraine noch vor dem ersten Schnee

    © AFP 2019 / Sergei Supinsky
    Politik
    Zum Kurzlink
    241684
    Abonnieren

    Bewaffnete radikale Kräfte könnten die Ukraine noch vor Winterbeginn spalten, schreibt der US-amerikanische Journalist Lev Golinkin in einem Beitrag für die Zeitschrift „Foreign Policy“.

    Der Autor verweist unter anderem darauf, dass die meisten Revolutionen in Osteuropa im Winter ausbrachen. „Wenn es kalt wird, wird offensichtlich, dass die Regierung ihre Versprechungen nicht eingehalten hat. Laut Wettervorhersagen werden die Temperaturen in der Ukraine in den kommenden Tagen sinken – der erste Frost kommt. Präsident Petro Poroschenko müsste sich Sorgen machen, wenn er auf das Thermometer guckt“, so Golinkin.

    Nach seinen Worten schäumen die Ukrainer bereits vor Wut, weil ihr Lebensstandard stetig schrumpft, während die Regierung nicht imstande ist, das Land von der Korruption und den Oligarchen zu befreien – von jenen Problemen, die damals zu den Maidan-Protesten führten.

    „Die Ukraine hat sich noch nicht von der Revolution erholt, der 19 Kriegsmonate folgten, und bleibt alles andere als stabil. Ihre Bürger haben mehr Waffen als Vertrauen zur Regierung“, so der Autor weiter. Sollten einfache Menschen kein Geld aufbringen, um ihre Familien zu ernähren, werden sie das den Behörden in Kiew vorwerfen und auf die Straße statt zu den Wahlurnen gehen.

    Golinkin zufolge werden davon die ukrainischen Ultraradikalen profitieren. Bis zuletzt hatten alle ukrainischen Nationalisten einen gemeinsamen Feind, und zwar Russland und das Volksheer im Osten des Landes. Jetzt aber richten sie ihre Blicke nach Kiew.

    Derzeit ist die Situation in der Ukraine in einer Sackgasse: Präsident Poroschenko kann die Ultranationalisten nicht auflösen, und die sind nicht in der Lage, eine Offensive in Richtung Kiew zu beginnen. „Dafür bräuchten sie viele Menschen, die auf die Straße gehen würden“, so der Autor weiter. „Sie brauchen einen neuen Maidan.“ Jetzt wollen die Radikalen von der Unzufriedenheit der Volksmassen mit der Politik der Regierung profitieren.

    „Selbst wenn sich die Situation nach einem optimistischen Szenario entwickelt, wird ein Aufstand der Ultrarechten die Ukraine massiv destabilisieren. Poroschenko wird nicht die vom IWF verlangten Reformen umsetzen können, weil ein bewaffneter Aufstand im Herzen Kiews drohen wird. Im schlimmsten Fall aber würde das eine Verkettung von Ereignissen auslösen, die das Land in einen zerstörten und unfähigen Staat mit einer Bevölkerung von 45 Millionen Menschen mitten in Europa verwandeln könnten“, prognostiziert Golinkin.

    Der Rechte Sektor ist ein Bündnis von ukrainischen radikal-nationalistischen Organisationen. Im Januar und Februar 2014 nahmen seine Kämpfer an Auseinandersetzungen mit der Polizei und an der Erstürmung von Verwaltungsgebäuden und seit April an der Niederschlagung von Protesten in der Ostukraine teil.

    Im November 2014 wurde diese rechtsradikale Vereinigung vom Obersten Gerichtshof Russlands als extremistische Organisation eingestuft und im eigenen Land verboten. Im Januar 2015 wurde der Rechte Sektor in das Register der in Russland verbotenen Organisationen aufgenommen. Zuvor war in Russland ein Strafverfahren gegen den Führer des Rechten Sektors, Dmitri Jarosch, wegen Aufrufen zu terroristischen Aktivitäten eingeleitet worden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    USA weisen jeden Verdacht zurück: Kein Training für ukrainischen Rechten Sektor
    West-Ukraine: Rechtsextreme wollen bewaffneten Widerstand einstellen
    Ukrainischer Beamter: 80 Prozent des Rechten Sektors bilden vorbestrafte Kriminelle
    Rechter Sektor sammelt Unterschriften für erneuten Machtwechsel in Ukraine
    Tags:
    Nationalsozialismus (Nazismus), Maidan, Rechter Sektor, Foreign Policy, Dmitri Jarosch, Petro Poroschenko, Lev Golinkin, Ukraine