19:29 16 Dezember 2017
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    „Kollateralschäden“ im US-Drohnenkrieg: Ermordung Unschuldiger per Knopfdruck

    © Flickr/ KAZ Vorpal
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    Erschreckende Details der US-Drohneneinsätze sind dank der von einem Whistleblower veröffentlichten Geheimdokumenten ans Licht gekommen. Sie legen offen, wie Ziele ausgewählt werden, wie die Befehlskette funktioniert, und warum so viele Unschuldige getötet werden. Das berichtet „Spiegel-Online“ unter Berufung auf das Portal „The Intercept“.

    Die neuen Geheimdokumente zeigen, wie sehr sich der Drohnenkrieg 14 Jahre nach dem 11. September verselbständigt hat. Selbst „unwichtige Akteure“ landen auf der „Todesliste“ von US-Drohnen, wird "The Intercept" vom "Spiegel" zitiert.

    „Diese ungeheuerliche Watchlist-Explosion — Menschen zu überwachen, sie auf Listen zu sortieren und zu stapeln, ihnen Nummern zuzuweisen, ihnen 'Baseball-Karten' zuzuweisen, auf einem weltweiten Schlachtfeld ohne Ankündigung Todesurteile gegen sie auszusprechen — es war von Anfang an falsch“, zitiert „The Intercept“ den Whistleblower. Die Situation hat sich inzwischen jedoch weiter verschlechtert. Jetzt seien die USA „süchtig nach dieser Maschine“.

    In den Unterlagen, die der Whistleblower „The Intercept“ übergeben hatte, geht es um Drohnenanschläge von 2011 bis 2013 in Afghanistan, sowie in Somalia und im Jemen, wo die USA offiziell nicht gekämpft hatten. Sie entstammen einer Geheimstudie der Intelligence, Surveillance and Reconnaissance Task Force (ISR), einer speziell eingesetzten Drohnen-Einsatzgruppe des Pentagons.

    Mehrere Diagramme demonstrieren die Befehlskette der Drohnen-Einsätze. Sie verläuft von den Geheimdienstzellen am Boden bis nach ganz oben, ins Oval Office. Letzte Instanz ist der US-Präsident persönlich.

    Dabei wurden Karteikarten mit Kurzporträts von menschlichen Drohnenzielen erstellt, so Spiegel unter Berufung auf „The Intercept“. Die Informationen darauf seien jedoch nicht immer korrekt, da sie sich auf „ein vielschichtiges System fehlbarer menschlicher Interpretation“ stützen. Infolge dessen würden US-Drohnen immer wieder auch viele Zivilisten töten. So seien 2012 in Afghanistan im Rahmen des Langzeiteinsatzes „Operation Haymaker“ 155 Menschen umgebracht worden. Davon seien nur 19 Terroristen gewesen.

    „Jeder, den es in der Nähe erwischt, gilt automatisch als mitschuldig“, wird der Whistleblower von "The Intercept" zitiert. „Es ist ein enormes Risiko.“

    Doch auch bei tatsächlichen Terroristen bleiben Zweifel an der Art und Weise, wie sie per US-Drohneneinsatz umgebracht wurden, schließt „Spiegel-Online“.

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    Tags:
    Drohne, Afghanistan, USA
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