01:08 17 Dezember 2017
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    Matthias Platzeck: „Sprachliche Abrüstung“ zwischen Russland und Westen muss her

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    Politik
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    Für „mehr Sachkenntnis, Unvoreingenommenheit und Vielfalt in der Berichterstattung über die deutsch-russischen Beziehungen und über die Krisen, in denen wir leben“, hat der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Mathias Platzeck, während der Moskauer Tagung der „Potsdamer Begegnungen“ plädiert.

    „Ich würde mir eine fundiertere Berichterstattung über Russland in Deutschland und umgekehrt wünschen. Vielleicht war unser Verhältnis nicht so gut, wie wir gehofft und uns eingebildet hatten. Vielleicht haben wir das Fundament nicht gut genug gelegt und vielleicht waren wir nicht gründlich und nicht ehrlich genug miteinander. Von westlicher Seite war mehrheitlich eher eine solche  Haltung zu spüren:,Früher oder später werden die Russen schon so werden wie wir. Wir müssten ihnen ein bisschen Zeit geben und abwarten.‘ Jetzt sind wir aufgewacht und haben festgestellt, dass das so nicht gekommen ist und nicht kommen wird.“

    Zwar sei in den letzten Wochen ein Weg zur Verbesserung eingeschlagen worden, doch er könne es manchmal nicht mehr hören, auf welchem niedrigen Niveau Deutschland und Europa sowie der Westen insgesamt behandelt würden. „Das haben wir nicht verdient, und das nützt niemandem sowohl in Russland als auch nicht in der EU“, betonte er.

    Matthias Platzeck ist sich sicher, dass die Gestaltung einer guten Zukunft, die  mit Wohlstand und wirtschaftlicher Entwicklung für Russland verbunden ist, ohne die Europäische Union schwierig zu erreichen sein würde. Zugleich plädierte er für „mehr Respekt im Westen vor dem Gehen anderer Wege“.

    „Was macht man nun? Wir im Westen müssen ehrlich und klar mehr  Respekt vor dem Gehen anderer Wege entwickeln und anerkennen, dass es andere gesellschaftliche Entwicklung und andere Zukunftsentwürfe gibt, die aus anderen Traditionen, anderen Kulturen und anderen Mentalitäten resultieren, weil  erst daraus ein Miteinander auf Augenhöhe werden kann. Das ist im Umgang mit Russland wichtig.“

    Der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Russischen Forums meint, dass sich heute vieles in Syrien und im Nahen Osten insgesamt entscheide: Zum Beispiel auch das Ukraine-Problem und das Verhältnis zwischen der EU und Russland. „Manchen im Westen fällt es noch schwer anzuerkennen, dass Russland dabei mitredet, was die Zukunftsgestaltung in diesem Raum angeht. Zwar haben wir viele Deckungsgleichheiten an Interessen mit den USA.  Jedoch haben wir auch Unterschiede und Teilmengen, wo unsere Interessen eher gemeinsam mit denen von Russland sind. Dieses  zu formulieren und als Europäische Union deutlich zu sagen, würde viele EU-Bürger ein Stück europäischer machen.“

    Während der Konferenz in Moskau hat Matthias Platzeck auch die Frage der Visaerleichterung angesprochen. „Eigentlich wäre jetzt die Zeit, die Ausgabe von Visa nicht zu erschweren, sondern zumindest für junge Leute und Studenten  extrem zu erleichtern. Denn das würde die Leute zusammenführen, deeskalierend wirken, und ein Schritt nach vorne sein.“

    Platzeck, ein in Russland geschätzter SPD-Politiker, der  feste und kompromisslose Positionen vertritt, sich dabei aber auch immer wieder bemüht,  die andere Seite zu verstehen,  musste nach eigenen Worten zur Kenntnis nehmen, dass die russischen Entscheidungsträger nicht mehr zu den alten Konditionen der G8-Treffen kommen würden:  „Selbst wenn wir diese  neu kreieren würden und für eine andere Konstruktion eintreten, auch selbst wenn wir den NATO-Russland-Rat wieder beleben würden, sagen sie:,Dieser  hat  uns nichts gebracht, deshalb werden wir in diesen Rat nicht zurückkehren.‘  Das heißt, wir  müssen  neue Ansätze suchen.“  

    Ein Bericht von Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    EU, Mathias Platzeck, Deutschland, Russland