06:48 11 Dezember 2017
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    Bombenangriff auf Krankenhaus in Afghanistan

    US-Angriff auf Kundus-Klinik: Kein Versehen?

    © AP Photo/ Médecins Sans Frontières
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    Die Klinik der „Ärzte ohne Grenzen“ in der afghanischen Stadt Kundus war von US-Streitkräften möglicherweise bewusst ausgewählt und angegriffen worden, weil diese dort pakistanische Taliban-Kämpfer vermuteten, wie „Spiegel-Online“ berichtet.

    Die amerikanischen Spezialeinheiten wussten bei dem Angriff am 3. Oktober, bei dem 22 Menschen getötet wurden, sehr genau, dass sie ein Krankenhaus beschießen, so „Spiegel“ unter Berufung auf einen Bericht der Nachrichtenagentur „Associated Press“. Dem Bericht zufolge vermuteten sie, dass sich in der Klinik bis zu 15 Taliban-Terroristen verstecken. US-Kräfte sollen schon Tage vor dem Angriff Informationen über das Ziel gesammelt haben.

    Unklar bleibe dabei, ob die US-Kommandantur, die den Befehl zum Angriff letztlich gegeben hatte, auch wusste, dass in dem Gebäude eine MSF-Klinik untergebracht ist, so „Spiegel“ unter Berufung auf AP. Vermutlich waren sie ausschließlich über Terroristen in dem Haus informiert worden.

    Nach dem Angriff sagte ein US-Kommandant, das Bombardement am 3. Oktober sei auf Bitten afghanischer Militärs erfolgte, die unter Beschuss von Taliban-Kämpfern gestanden hätten. Dabei seien „mehrere Zivilisten aus Versehen getroffen“ worden. Dem amerikanischen Einsatzleiter der internationalen Truppen in Afghanistan, John Campbell, zufolge sei dabei ein Fehler in der Befehlskette aufgetreten.

    US-Präsident Barack Obama hatte sich bereits bei der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ für den Angriff auf deren Klinik entschuldigt. Er hatte zudem eine „vollständige und transparente“ Untersuchung der Bombardierung des Krankenhauses gefordert.

    „Ärzte ohne Grenzen“ warfen den USA bereits vergangene Woche vor, das Krankenhaus absichtlich bombardiert zu haben. "Es war ein vorsätzlicher Schlag", und kein "Kollateralschaden", wird der Generaldirektor der Organisation, Christopher Stokes, vom „Spiegel“ zitiert. Nachdem Kontakt mit afghanischen und  US-Streitkräften aufgenommen worden war, hätte das Feuer noch mehr als eine halbe Stunde gedauert. Vor diesem Hintergrund wirft die Organisation den USA Kriegsverbrechen vor.

    Inzwischen erhoben „Ärzte ohne Grenzen“ weitere Vorwürfe gegen US-Militärs, so „Spiegel“ unter Berufung auf "The Guardian". Der Zeitung zufolge „hat sich ein Panzer der US-Armee seinen Weg in die Ruine des Krankenhauses gebahnt“. MSF-Vertreter befürchten, dass die USA dabei Beweise für eine Untersuchung wegen Kriegsverbrechen zerstört haben konnten: "Ihr unangekündigtes und gewaltsames Eindringen hat unser Eigentum beschädigt, mögliche Beweise zerstört sowie Stress und Angst ausgelöst."

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    Tags:
    Luftangriff, Bombardierung, Tod, Ärzte ohne Grenzen, Taliban, Barack Obama, Kundus, Afghanistan, USA
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