14:12 11 Dezember 2017
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    Sitaution in Syrien

    Die Akteure im Syrien-Konflikt

    © AP Photo/ Mohammad Hannon
    Politik
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    Situation in Syrien (2016) (852)
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    Der Bürgerkrieg in Syrien dauert seit 2011 an. In diesen Konflikt werden immer mehr Seiten verwickelt. Lesen Sie in unserem Artikel, ob es die so genannte „gemäßigte Opposition“ in der Tat gibt, was Al-Qaida und IS anstreben und warum die Libanesen gegeneinander in einem eigentlich fremden Krieg kämpfen.

    Anhänger von Baschar al-Assad – unter Belagerung

    Der Syrien-Konflikt wird oft nach einer gewöhnlichen Nahost-Formel präsentiert:„Sunniten gegen Schiiten“, doch in der Tat sieht die Konstellation des Krieges viel komplizierter aus. Die meisten Einwohner Syriens sind Sunniten, für die die Rolle der muslimischen Gemeinde beim Treffen der wichtigsten Entscheidungen im Lande von prinzipieller Bedeutung ist. Nicht zufällig steht in der syrischen Verfassung von 2012 geschrieben, dass der Staatschef ein Sunnit sei muss.

    Präsident Baschar al-Assad gehörte von Anfang an zu den Vertretern einer anderen islamischen Bewegung – den Alawiten, die den Schiiten nahe stehen. Doch später wechselte er zu den Sunniten. Deswegen gibt es keinen deutlichen religiösen Unterschied zwischen den Anhängern und Gegnern Assads. Die syrische Regierungsarmee besteht vor allem aus Sunniten. Doch auch Alawiten unterstützen Assad – das sind die alawitischen (also de facto schiitischen) Aufständischen und schiitische Milizeinheiten aus benachbarten Ländern. Dazu gehört unter anderem die gut ausgebildete radikale irakische Gruppierung Asa‘ib Ahl al-Haqq.

    Zudem erklärte 2013 die libanesische Hisbollah, die in vielen Ländern als Terrororganisation eingestuft wurde, ihre Teilnahme am Syrien-Konflikt. Die Libanesen sind am Schutz der schiitischen Minderheit in Syrien interessiert.

    „Gemäßigte“ Opposition: Deserteure und andere Nichteinverstandene

    Der wichtigste Kampfflügel der Opposition ist die Freie Syrische Armee (FSS), die jetzt nominell von Salim Idris, einem Brigadegeneral der syrischen Regierungsarmee, geführt wird.

    Die Freie Syrische Armee entstand ein Jahr nach Konfliktbeginn. Ihre Grundlage bilden vereinzelte Kampfgruppierungen, die in verschiedenen Teilen Syriens gegen Assad kämpfen. Diese Brigaden bestanden vorwiegend aus desertierten Soldaten und Offizieren, die einen radikalen Kurs gegenüber der amtierenden Staatsführung einnahmen. Als Hauptziel wird die Beseitigung des Assad-Regimes erklärt.

    Später fusionierte die Freie Syrische Armee mit der so genannten Bewegung der freien Offiziere, die ebenfalls vor allem aus Deserteuren bestand. Doch das Vorhandensein einer einheitlichen Struktur und einer einheitlichen Führung der Freien Syrischen Armee wird bis heute in Frage gestellt. Viele Militärexperten bezeichnen diese Struktur als künstlich, wobei hervorgehoben wird, dass einzelne Gruppierungen sich ihren Feldkommandeuren unterordnen.

    Auf der Seite der Freien Syrischen Armee kämpfen ebenfalls Vertreter Jordaniens, die sich dem Konflikt nach einem militärischen Vorfall mit den syrischen Regierungstruppen an ihren Grenzen angeschlossen hatten, sowie Bürger vieler anderen Staaten – die Mehrheit davon sind Sunniten aus Libyen. In Syrien kämpfen außerdem viele Freiwillige aus dem Libanon und aus Israel, wo die Hisbollah als langjähriger Feind gilt.

    Dschebhat al-Nusra: Nicht Gegner, sondern Rivale von IS

    Die Akteure hinter dem Syrien-Konflikt
    © AP Photo/ Alexander Kots/Komsomolskaya Pravda via AP
    Die Terrorgruppe Dschebhat al-Nusra ist de facto eine Filiale von Al-Qaida in Syrien und im Libanon und ist eine große Stärke im Syrien-Konflikt. Islamisten kontrollieren fast den gesamten Norden des Landes und kämpfen erfolgreich sowohl gegen die Regierungstruppen als auch gegen die IS-Einheiten. Zwischen Dschebhat al-Nusra und dem IS gibt es keine prinzipiellen ideologischen Widersprüche. Das sind de facto zwei konkurrierende Gruppierungen aus einem Lager, was den ständigen Wechsel der Menschen von der einen Gruppierung zur anderen erklärt.

    Zu den Zielen von Dschebhat al-Nusra gehören die Schaffung eines syrischen Emirats sowie die Befreiung dieses Territoriums von Alawiten (im weiteren Sinne Schiiten) und Christen. 

    Das Kurden-Problem: Warum verfolgt die Türkei aufmerksam den Konflikt?

    Die syrischen Kurden, die neun bis 11,5 Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, sind eine selbstständige Konfliktseite. Die Kurden wohnen in den nördlichen und nordöstlichen Gebieten des Landes und streben seit langem eine größere autonome Region Kurdistan im Rahmen Syriens an. Seit Beginn des Bürgerkrieges, als sich Damaskus auf der Beibehaltung der Kontrolle über die wichtigsten Gebiete konzentrierte, stieg die Selbständigkeit der Kurden rasant, was de facto zur Schaffung einer autonomen Region mit großen Vollmachten führte.

    Diese Tatsache beunruhigt die Türkei, weil ihre an Syrien grenzenden Gebiete mit vielen Kurden besiedelt sind.

    IS gegen die ganze Welt

    Die Terrorgruppe Islamischer Staat entstand ursprünglich im Irak als Teil von Al-Qaida, geriet jedoch später außer deren Kontrolle. Der IS kontrolliert die Ölgebiete im Osten Syriens und im Westen Iraks. Zur Hauptstadt des selbsternannten Kalifats wurde die syrische Stadt Rakka erklärt.

    Der IS zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Terroristen nicht dem internationalen System anpassen wollen, was weitere Risiken für die Stabilisierung der Situation in der Region bedeuten kann. Ihr Hauptziel ist die Einrichtung eines „gesäuberten“ sunnitischen Staates, der auf den harten Prinzipien der Scharia basiert. Dabei nutzen die Terroristen jegliche Methoden, um ihr Ziel zu erreichen.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Opposition, Terrorismus, Dschabhat al-Nusra, Freie Syrische Armee, Hisbollah, Al-Qaida, Baschar al-Assad, Libyen, Syrien
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