22:46 28 Juni 2017
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    Afghanistans Ex-Präsidenten Hamid Karsai

    US-Präsenz macht Terrorismus stärker Afghanistans Ex-Präsident

    © AFP 2017/ Wakil Kohsar
    Politik
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    Laut dem afghanischen Ex-Präsidenten Hamid Karsai hat die Anwesenheit ausländischer Truppen in Afghanistan die Situation im Land nur verschärft.

    Zuvor hatte der US-Präsident Barack Obama mitgeteilt, dass die aktuelle Truppenstärke von 9.800 US-Soldaten in Afghanistan auch im nächsten Jahr beibehalten und die Präsenz ab 2017 auf 5.500 Mann reduziert werde.

    „Das afghanische Volk hatte sich vor 14 Jahren mit einer gemäßigten Präsenz ausländischer Truppen einverstanden erklärt, in der Hoffnung, dass der Terrorismus beseitigt und Frieden in der Region gewahrt wird. Doch die Anwesenheit der ausländischen Truppen unter dem Namen der Terrorismusbekämpfung hat nicht zu seiner Beseitigung geführt – in diesem Zeitraum ist der Terrorismus noch stärker geworden“, zitiert die Agentur Khaama Press den Ex-Präsidenten.

    Die Unterzeichnung des Abkommens zwischen Kabul und Washington habe ebenfalls zu keinem Rückgang der Instabilität gebracht, sondern vielmehr nur die Grenzen des Krieges ausgeweitet, was jedoch nicht den Erwartungen der Afghanen entspreche, betonte er.

    Die Situation in Afghanistan hat sich in den letzten Monaten erheblich verschlechtert. Die radikale Bewegung der Taliban, die zuvor einen bedeutenden Teil der ländlichen Gebiete erobert hatte, hat eine Großoffensive auf Großstädte gestartet. 

    Am 29. September eroberten Taliban-Kämpfer die nordafghanische Stadt Kundus. Der Einmarsch in die Provinzstadt war der erste große Sieg der Taliban seit 14 Jahren. Die afghanische Armee konnte die Stadt zwar zurückerobern, aber bei der Offensive traf ein US-Luftschlag allerdings das Krankenhaus der internationalen Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. 22 Zivilisten kamen dabei ums Leben – zwölf Ärzte und zehn Patienten.

    Wie es in der US-Präsidialverwaltung hieß, wurde der Beschluss über die Verlängerung des Militäreinsatzes in Afghanistan nach einer mehrmonatigen Beobachtung der Lage im Lande sowie nach Konsultationen mit Sicherheitsspezialisten und afghanischen Partnern getroffen.

    Afghanistans Präsident Aschraf Ghani Ahmadsai und Premierminister Abdullah Abdullah trafen sich am Dienstag mit US-Präsident Barack Obama.

    Laut dem neuen Beschluss des US-Präsidenten sollen ab 2017 noch 5.500 US-Soldaten in Afghanistan dienen. Stationiert werden die Truppen in Bagram, Dschalalabad und Kandahar. Die drei Stützpunkte sind von strategischer Bedeutung für die Durchführung der Antiterroroperationen. Hier sind unter anderem auch Drohnen stationiert, die von US-Militärs und dem CIA eingesetzt werden.

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    Tags:
    Anti-Terror-Kampf, Terrorismus, Taliban, Aschraf Ghani Ahmadsai, Hamid Karzai, Barack Obama, Afghanistan, USA
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