15:52 16 Oktober 2018
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    Henry Kissinger

    Kissinger: Washington büßt bisherige Rolle im Nahen Osten ein

    © AP Photo / Richard Drew
    Politik
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    Die USA haben nach Ansicht des ehemaligen US-Außenamtschefs Henry Kissinger die Rolle eingebüßt, die sie im Laufe der zurückliegenden vier Jahrzehnte gespielt haben.

    Wie er in der Zeitung „The Wall Street Journal“ schreibt, war die russische Militäroperation in Syrien ein weiteres Symptom der Schwächung der USA-Rolle im Nahen Osten, die die Vereinigten Staaten nach dem arabisch-israelischen Krieg 1973 übernommen hatten.

    Die bisherige geopolitische Konstellation sei zusammengebrochen, stellt Kissinger fest. Vier Länder der Region hätten faktisch ihre Staatlichkeit eingebüßt. In Libyen, Syrien, Jemen und dem Irak streben Akteure die Macht an, die außerhalb der Staatsstrukturen stehen. Einen beträchtlichen Teil des Territoriums des Iraks und Syriens kontrollieren religiöse Radikale, die sich zum „Islamischen Staat“ erklärt und die jetzige Weltordnung herausgefordert haben.

    Die widersprüchlichen Tendenzen, die vom US-Rückzug aus der Region erschwert wurden, haben laut Kissinger Russland erstmals in der Geschichte die Möglichkeit geboten, Militäroperationen direkt im Herzen des Nahen Ostens auszuführen. Russlands vorrangige Befürchtung bestehe darin, dass ein Zusammenbruch des Regimes Assads Syrien in das gleiche Chaos stoßen könnte, in dem sich Libyen befindet. In dem Fall würde der „Islamische Staat“ in Damaskus an die Macht kommen und das Land in eine Brutstätte von Terrorismus verwandeln.

    Momentan stehen die USA in diesem oder jenem Maße gegen alle regionalen Akteure, konstatiert Kissinger. Mit Ägypten habe gebe Widersprüche bezüglich der Menschenrechte, mit Saudi-Arabien wegen Jemen und mit allen möglichen Seiten des Syrien-Konflikts wegen der Unterschiede in den Zielen.

    Die Vereinigten Staaten behaupten, dass sie einen Rücktritt Assads wollen. Zugleich bemühe sich Washington nicht um die Schaffung effektiver politischer und militärischer Hebel dazu. Eine alternative politische Struktur, die die Macht übernehmen könnte, sollte Assad abtreten, biete Washington ebenfalls nicht an, betont der ehemalige Außenamtschef.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Terrorismus, Baschar al-Assad, Henry Kissinger, Irak, Jemen, Syrien, Libyen, Naher Osten, USA