09:13 19 Juni 2019
SNA Radio
    Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel

    „Verständnis von Russland“ - Petersburger Dialog vor Neustart

    © Sputnik / Alexei Nikolsky
    Politik
    Zum Kurzlink
    8556

    Als ein „außerordentlich wichtiges Instrument der Begegnung von Deutschen und Russen“ bewertet Botschafter a.D. Ernst-Jörg von Studnitz den Petersburger Dialog, der am Donnerstag nach einer längeren Pause seine Arbeit in Potsdam wieder aufnimmt.

    Das Motto des Dialogs 2015 — „Modernisierung als Chance für ein gemeinsames europäisches Haus“ — solle ihm zufolge zum Umdenken anregen. „Wir leben in einer Welt, die von schweren Umbrüchen gekennzeichnet ist. Man muss über neue Wege nachdenken“, sagte er in einem Interview für Sputniknews. „Modernisierung heißt, dass man das, was man in der Vergangenheit gemacht hat, überprüft und feststellt, ob das tragfähig ist oder nicht und überlegt, welche Schritte in der Zukunft gegangen werden können, um eine gemeinsame Basis in Europa zu finden, das heißt gemeinsames europäisches Haus“.

    Nach seinen Worten hatte man angesichts der politischen Spannungen 2014 ein Ende des Petersburger Dialoges befürchtet. „Voriges Jahr war es zweifellos eine Störung, die durch die politischen Ereignisse verursacht war. Man ist sich aber einig, dass der Petersburger Dialog ein gutes Gremium ist, das unbedingt erhalten werden muss“, sagt von Studnitz

    In den fruchtbaren Errungenschaften der Vergangenheit sei dabei die Fortsetzung angesagt. „Über Jahre hinweg hat es sehr fruchtbare Zusammenarbeit im Bereich der Kultur, Bildung und Wissenschaft gegeben. Man denke dabei an das Jugendparlament, das am Rande des Petersburger Dialogs alljährlich stattfindet. Solche Dinge sind gar nicht beschädigt durch den politischen Streit“, so der Ehrenvorsitzende des Deutsch-Russisches Forums e.V.

    Deutsch-russisches Forum „Petersburger Dialog“
    © AFP 2019 / Robert Michael

    Der Diplomat nahm in diesem Zusammenhang zu dem viel diskutierten Begriff „Putin-„ bzw. „Russland-Versteher“ Stellung. Von Studnitz zufolge müsse man zwischen „Verständnis für jemanden“ und „Verständnis von etwas“ unterscheiden: „Ein Verständnis von dem, was in Russland passiert, muss man auf jeden Fall haben. Man muss kennen, von welchen Überlegungen sich ein Land, mit dem man zu tun hat, leiten lässt“.

    „Wir sind in der Ukraine-Krise deutliche Schritte vorangekommen“, meint er weiter. Die gegenwärtige Syrien-Krise sei ein Teil des viel weiter reichenden Nahost-Konfliktes. „Auch da sind die Bewertungen der westlichen Partner und Russlands unterschiedlich. Das bedeutet, dass wir uns darüber unterhalten müssen, ob und wie wir da einen gemeinsamen Nenner finden. Die Tatsache, dass Russen wie Amerikaner einsehen, dass man in dieser schwierigen Situation jedenfalls erste Abstimmungen miteinander vornehmen muss, ist ein wichtiger erster Schritt“, schätzt der Botschafter ein. „Wenn wir uns nicht auf eine einheitliche Linie verständigen können, wird dieser schreckliche Kampf immer noch weitergehen“, sagt er.

    In Bezug auf die EU-Russland-Beziehungen wünsche er sich sehr, dass es zu einer Vereinbarung zwischen der Europäischen Union und dem Eurasischen Bereich komme. „Ich kann nicht verstehen, warum es nicht möglich sein soll, dass die EU auch im Hinblick auf die Eurasische Wirtschaftsunion eine fruchtbare Zusammenarbeit entwickeln kann“, so Dr. Ernst-Jörg von Studnitz.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Russisch-deutscher „Petersburger Dialog“ auf Februar 2015 verschoben
    Gorbatschow für Wiederherstellung russisch-deutscher Beziehungen
    Petersburger Dialog: mit frischem Wind und neuem Vorsitz geht es weiter
    Tags:
    Deutsch-russisches Forum „Petersburger Dialog, Ernst-Jörg von Studnitz, Potsdam, Russland, Deutschland