22:42 04 August 2020
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    Als „historischen Unsinn“ bewertet der Nahost-Experte Erich Gysling die jüngste Äußerung von Israels Premier Benjamin Netanjahu, der frühere palästinensische Großmufti von Jerusalem sei am Holocaust mitschuldig gewesen.

    Der Chefredakteur des Jahrbuches „Weltrundschau“ erinnert daran, dass die Vernichtung der Juden im Deutschen Reich 1939 begonnen hatte, während das Treffen zwischen Hitler und dem Mufti 1941 stattfand. Der Mufti habe zwar Sympathien für Hitler gehabt. Die Behauptung aber, er habe Hitler zum Holocaust angestiftet, sei ahistorisch.

    „Ich vermute, diese Äußerung wird in Israel nach einiger Zeit wieder in den Hintergrund treten. Denn das, was die Israelis und auch die Palästinenser besorgt macht, ist natürlich die Gewalt rund um den Tempelberg in Jerusalem und auch in anderen Regionen von Israel und von den besetzten Gebieten. Das ist das Wesentliche“, so Erich Gysling.

    Nach einem Gespräch mit Benjamin Netanjahu zeigte sich US-Außenminister John Kerry „vorsichtig“ optimistisch und „verhalten“ ermutigt. Es möge Kerry tatsächlich gelingen, die Konfliktseiten an den Verhandlungstisch zu bringen, doch es würde nach wie vor keine Resultate geben, meint der Nahost-Experte. Die Aussicht auf einen Siedlungstopp sei nach wie vor gleich Null.

    Die Situation rund um den Tempelberg sei nur ein Teil des Problems: „In Tat und Wahrheit ist es so, dass die [palästinensischen] Jugendlichen wahnsinnig frustriert sind. Diese Frustration hängt wiederum mit der wirtschaftlichen Situation, mit den unglaublich vielen Kontrollen in den Palästinensergebieten und mit dem Siedlungsbau zusammen. Wir haben da eigentlich ein Konglomerat von Dingen, die sich schlussendlich zu dem zusammenbrauen, was wir jetzt an Gewalt haben.“

    In seiner Prognose für die Zukunft ist Erich Gysling skeptisch: „Ich sehe leider keine Perspektive, dass sich das in nächster Zeit – und auch nicht langzeitperspektivisch – zum Guten wenden könnte.“ Die Israelis würden mit der Besiedlung der Palästinensergebiete fortfahren.

     

    Zuvor hatte der Regierungssprecher Steffen Seibert zu Netanjahus Äußerung Stellung genommen: "Ich kann für die Bundesregierung sagen, dass wir Deutsche insgesamt die Entstehungsgeschichte des mörderischen Rassenwahns der Nationalsozialisten, der in den Zivilisationsbruch der Shoah führte, sehr genau kennen. (…) Ich sehe keinen Grund, dass wir unser Geschichtsbild in irgendeiner Weise ändern. Wir wissen um die ureigene deutsche Verantwortung an diesen Menschheitsverbrechen."

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    Tags:
    Erich Gysling, Adolf Hitler, John Kerry, Benjamin Netanjahu, Palästina, Israel