04:43 11 Dezember 2017
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    Bundesinnenminister Thomas de Maizière

    Umstrittene Abschiebungspläne: De Maizière sollte eine Weile in Afghanistan leben

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    Die Abgeordnete des afghanischen Parlaments, Saifurah Niyazi, hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière eingeladen, eine Weile in Afghanistan zu leben. Damit hat sie auf die jüngst von dem Politiker angekündigten Pläne für mehr Abschiebungen von Afghanen aus Deutschland reagiert. Es gebe durchaus sichere Gegenden in Afghanistan, sagte er.

    „Schade, dass der Innenminister Deutschlands nicht in Afghanistan lebt. Dann würde er einsehen, dass es schwer ist, eine sichere Region bei uns zu finden“, sagte Niyazi in einem Interview mit Sputnik Dari.

    Die Abgeordnete trete strikt gegen die Abschiebung von Afghanen aus Deutschland ein. „Sie fliehen vor dem Krieg, der Arbeitslosigkeit und der Armut. Mit dem Ziel, sich und ihren Familien das Leben zu erhalten, treffen sie in sichereren Ländern ein. Doch dann werden sie ohne ein ordentliches Verfahren ausgewiesen“, äußerte Niyazi.

    Angesichts wachsender Flüchtlingszahlen hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière Medienberichten zufolge zuvor angekündigt, mit der Regierung in Kabul die Zahl der Asylbewerber aus Afghanistan in Deutschland deutlich reduzieren zu wollen.

    „Afghanistan steht im laufenden Monat und auch im Verlauf des ganzen Jahres auf Platz zwei der Liste der Herkunftsländer. Das ist inakzeptabel“, sagte de Maizière am Mittwoch in Berlin.

    Es kämen auch zunehmend Angehörige der afghanischen Mittelschicht. „Wir sind uns einig mit der afghanischen Regierung: Das wollen wir nicht.“ Die Jugend und die Mittelschicht sollten im Heimatland bleiben, um es aufzubauen.

    Der deutsche Innenminister hatte zudem darauf hingewiesen, dass Afghanistan viel Entwicklungshilfe bekommen habe. „Da kann man auch erwarten, dass die Menschen dort bleiben.“ Die Sicherheitslage in Afghanistan sei selbstverständlich nicht optimal, doch es gebe durchaus sichere Gegenden.

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    Tags:
    Migranten, Migrationspolitik, Sputnik, Thomas de Maizière, Afghanistan, Deutschland