20:00 10 Dezember 2019
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    Al-Qaida-Kämpfer in Syria

    Appell gegen Russland: „Schwanengesang der Al-Qaida“

    © AFP 2019 / Rami Al-Sayed
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    Nachdem die Al-Qaida weitere Dschihadisten zu einem Schulterschluss gegen Russland aufgefordert hat, beschäftigen sich russische Experten mit möglichen Konsequenzen und insbesondere mit der Frage, ob der „Islamische Staat“ eine solche Koordination braucht.

    Die russische Orientalistin Karine Geworgjan sagte im Radiosender Kommersant FM: „Der 2013 angefangene Konflikt zwischen Al-Qaida-Gruppen und dem ‚Islamischen Staat‘ war ziemlich tief. Es ist nun eine interessante Frage, wie sie über ihre Ressourcen zusammen verfügen wollen. Der größte Teil davon gehört derzeit dem IS. Angesichts der laufenden Kampfhandlungen wird es ihnen ziemlich schwer fallen, ihre Aktivitäten zu koordinieren. Zuerst mal brauchen sie irgendwo zusammenzutreffen. Dabei gibt es auch Blut zwischen ihnen. Im Laufe der bisherigen Zusammenstöße wurden rund 2.000 Al-Qaida-Mitglieder durch IS-Kämpfer getötet. Das ist also ein komplizierter Vorgang.“

    „Man muss berücksichtigen, dass der ‚Islamische Staat‘ syrische Öl- und Gasleitungen zum Teil kontrolliert. Gruppen wie die Al-Qaida, die in der Nähe operieren, könnten sich in diesem Fall vereinigen, um Assads Regierungstruppen daran zu hindern, diese Leitungen wieder unter Kontrolle zu stellen. Diese Kontrolle ist eines der wichtigsten Momente“, so Geworgjan weiter.

    Der russische Politik-Experte Wladimir Bruter vom Institute for Humanities and Political Studies kommentierte für Kommersant FM: „Eine Koordination zwischen radikalislamische Gruppen wäre durchaus möglich. Wir beobachten ja,  wie diese radikalen Gruppen ihre Einflussbereiche in Libyen und erst recht in Somalia quasi untereinander teilen. Jede Gruppe agiert zwar selbständig, es gibt aber unter ihnen eine gewisse Koordination und Verständigung und fast keine ersthaften Konflikte mehr.“

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    „Das wichtigste Kriterium besteht darin, wie der gemeinsame russisch-syrisch-iranische Militäreinsatz in Syrien weiter verlaufen wird. Verläuft er erfolgreich, so wird kein Zusammenschluss radikaler Islamisten effizient genug sein. Falls der Einsatz dagegen ins Stocken gerät, wird eine bessere Koordination der Gegner eine (wenn auch beschränkte, lokale) Wirkung haben. Gestaltet sich der Militäreinsatz schwierig, so werden sowohl Russland als auch der Iran genötigt sein, sich tiefer zu involvieren und mehr Ressourcen zu verbrauchen. Dann wird sich die Lage weiter verkomplizieren“, prognostizierte Bruter.

    Nach Ansicht des russischen Orientalisten Eldar Kassajew will die Al-Qaida mit ihrem Appell vor allem die internationale Gemeinschaft einschüchtern: „Wir hätten uns an einen Informationskrieg bereits gewöhnen sollen. Es wäre naiv zu glauben, dass es sich bloß um Halsabschneider ohne Strategie handelt. Diese Gruppen haben sowohl ambitionierte Anführer als auch selbstverständlich Sponsoren, die an einem hohen Spannungsgrad in der Region interessiert sind. Sie wollen, dass der Kessel weiter brodelt. Diese oder jene Erklärungen werden nur abgegeben, um bestimmte Aufgaben zu lösen, die vielleicht erst später bekannt werden. Oder zielt dies darauf ab, Unruhe unter denen zu stiften, die am Militäreinsatz beteiligt sind.“

    Sergej Druschilowski, Professor an der Moskauer Diplomaten-Uni MGIMO, sagte dem Sender: „Die Al-Qaida hat ihre einstige Autorität eingebüßt. Nun versucht sie, eine eigene Nische in den gegenwärtigen Geschehnissen im Nahen Osten zu finden. Der IS hat ein Kalifat ausgerufen und die Al-Qaida dadurch quasi verdrängt. Das ist ein Schwanengesang der Al-Qaida, die im Moment keine ernsthaften Leistungen aufweisen kann … Diese Annäherung mit dem IS wird nicht gelingen: Für die IS-Führung hat sie keinen Sinn.“

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    Terrormiliz Daesh, Al-Qaida, Sergej Druschilowski, Wladimir Bruter, Syrien, Russland