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11:07 21 August 2019
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    Der Russland- und Osteuropa-Experte Alexander Rahr

    Im Nahen Osten hat Westen auf falsche Karten gesetzt – Osteuropa-Historiker Rahr

    © Sputnik / Mikhail Voskresensky
    Politik
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    „Wir müssen ehrlich zugeben, dass unsere Träume und Hoffnungen von einem Gelingen des arabischen Frühlings, der arabischen Revolution wie vor 25 Jahren im Mittel- und Osteuropa, als die kommunistischen Regime friedlich fielen, nicht verwirklicht wurden“, so der Russland- und Osteuropa-Experte Alexander Rahr bei einer Diskussionsrunde in Moskau.

    „Jetzt stehen wir vor der ganz neuen Zäsur im Mittleren und Nahen Osten sowie in Nordafrika. Wir wissen, dass die rein amerikanische Sicherheitsordnungspolitik im Irak, Afghanistan und anderswo mehr keinen Erfolg bringt.“ Sie seien dort mit ihrem Latein am Ende, stellt der Experte des Deutsch-Russischen Forums fest. „Wir bräuchten eine internationale Lösung mit Russland und übrigens auch mit China als Vollmitglieder des Sicherheitsrates.“

    Die deutsche Politik verstehe Alexander Rahr nach eigenen Worten so, dass sie nach Gemeinsamkeiten suche und eine Lösung in der Region ohne Russland nicht sehe. „Man braucht Russland mit in dem Boot als einen Verbündeten Assads und des Irans. Russland hat bei den Wiener Gesprächen um den Iran eine positive Rolle gespielt. Das soll sich auch auf Syrien ummünzen.“

    Der Experte meint, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in den anderen europäischen Staaten, die gegen Russland kritisch seien, viel dafür getan habe, dass jetzt man einen anderen Blick auf die mögliche Art von Zusammenarbeit habe.

    „Ansonsten droht uns eine große Migrations- und Flüchtlingswelle. Anfangen muss man mit der Stabilisierung Syriens. Wir brauchen eine Ordnung in diesem Land, an der alle nach dem Krieg mitarbeiten.“

    Russland wolle sich in die Kreierung einer neuen Weltordnung einmischen, äußerte der Experte. Vor wenigen Jahren sei der Übergang von einer unipolaren zu einer multipolaren Weltordnung passiert. „Wir sehen jetzt einen richtigen Drive in diese Richtung. Und Putin will nicht abseits stehen, gerade im Nahen und Mittleren Osten, wo Staaten zerfallen, neue Staaten und neue Trennlinien entstehen, aber auch neue Gemeinsamkeiten vorgefunden werden können. Er will natürlich Syrien, einen Verbündeten Russlands seit der Zeit der Sowjetunion, stärken. Er will auch den Iran indirekt damit stärken, damit der Iran in dieser Region weiter das Sagen hat und nicht isoliert bleibt. Das ist ein neues Spiel im Nahen Osten.“

    Auf dem Valdai-Forum habe Putin offen ausgesprochen, die russische Seite wisse Bescheid, dass zirka 35 Prozent der Führungsämter des IS von den Kämpfern aus dem Nordkaukasus besetzt seien. Diese würden eine Rückkehr nach Russland über Zentralasien planen. Es sei zu befürchten, dass das Wort Kalifat wieder die Runde mache und nicht nur Europa, sondern auch Russland angehe. Und Putin wolle mit diesen Kräften direkt in Syrien fertig werden, so Rahr.     

    Bericht: Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Migrationspolitik, Valdai-Forum 2015, EU, Wladimir Putin, Alexander Rahr, Baschar al-Assad, Naher Osten