16:46 05 August 2020
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    „Helmut Schmidt lagen die Beziehungen zu Russland sehr am Herzen, dafür können wir ihm nur dankbar sein“, sagt Berthold Hans-Friedrich von Ploetz, der ehemalige Botschafter in Moskau. Allein historisch und geografisch seien Russland und Deutschland sehr aneinander gebunden und müssen den Dialog weiterpflegen.

    „Ich habe Helmut Schmidt in seiner Amtszeit recht gut kennengelernt“, erinnert sich Botschafter von Ploetz im Gespräch mit Sputniknews. „Als ich in Moskau war, kam er jedes Jahr zu Besuch nach Moskau. Er sagte jeweils, dies sei sein letzter Besuch, aber Gott sei Dank machte er dann im nächsten Jahr wieder einen. Wir haben dann bei diesen Gelegenheiten immer mehrere Stunden über unsere Beziehungen zu Russland gesprochen, die ihm sehr am Herzen lagen.“

    Schmidt habe große Beiträge geleistet, um die Verkrustungen, die mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg zusammenhingen, aufzubrechen und zu einer zukunftsweisenden Zusammenarbeit zu kommen.

    „Man muss sich gegenseitig verstehen“

    Auch gegenwärtig sei es in den  internationalen Beziehungen das Wichtigste, zu verstehen, warum das jeweilige Partnerland das tue, was es tue. „Die internationale Lage heute ist ungleich komplizierter als sie z. B. in Zeiten des Kalten Krieges war. Die internationale Ordnung ist alles Andere als klar oder stabil. Deshalb müssen wir uns bemühen, uns gegenseitig zu verstehen. Das ist der Ausgangspunkt für alles Weitere“, meint von Ploetz weiter.

    Ein wichtiger Faktor in den deutsch-russischen Beziehungen sei gerade die Wirtschaft: „Die Wirtschaftsbeziehungen waren, bleiben und werden auch in Zukunft eine ganz wichtiger Faktor in unseren Beziehungen sein. Und weil sie so substanziell und umfangreich sind, tragen sie natürlich gerade in schwierigen Zeiten zur Stabilisierung unserer Beziehungen bei.“

    „Nur 24 Prozent der Deutschen meinten bei einer Umfrage im Oktober, dass die Wirtschaftssanktionen zur Lösung der Ukraine-Krise beitragen, 70 Prozent antworteten mit Nein“, fügt er hinzu.

    Die Grundhaltung zum russischen Volk sei in Deutschland erfreulich positiv. „Viele, die Verschlechterung der Beziehungen bedauern, sind sich bewusst, dass hier Handlungsbedarf besteht, um wieder voranzukommen. Die Geografie hat uns in enge Nachbarschaft gesetzt und die Geschichte hat eine unglaublich intensive Zusammenarbeit hervorgebracht. Das sollen wir im gemeinsamen Interesse nutzen, um die europäische und die internationale Ordnung zu stärken und uns der Lösung globaler Probleme zu wenden. Wir empfinden z. B. beide den islamischen Extremismus als eine sehr große und gefährliche Bedrohung“, erklärt der deutsche Diplomat.

    Es gebe ganz starke Kräfte auf beiden Seiten, die den Gesprächsfaden dort, wo er abgebrochen sei,  wieder aufnehmen wollen. Die bilateralen Veranstaltungen, wie der Petersburger Dialog u.a., haben schon einen Wert an sich und gewinnen in Krisenzeiten umso mehr an Bedeutung,  so von Ploetz abschließend.

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    Tags:
    Kalter Krieg, Berthold Hans-Friedrich von Ploetz, Helmut Schmidt, Deutschland, Russland