23:36 18 September 2020
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    Angela Merkel hat trotz aller Gerüchte, sie hätte das Kabinett nicht mehr im Griff, nichts zu befürchten, solange die CDU in den Umfragen über 30 Prozent bleibt. Danach würde es eng werden für die Kanzlerin, so Politikwissenschaftler Prof. Tilman Mayer von der Uni Bonn.

    „Wir könnten das in der Tat so annehmen, dass sie auch durch ihre Minister mehr und mehr gezwungen ist, Farbe zu bekennen“, sagte er in einem Sputniknews-Interview mit Daniela Hannemann. Die frühere optimistische Einstellung – „Wir schaffen das!“ – müsse sie jetzt allerdings eher relativieren, etwa in der Formulierung „Wir müssen das schaffen!“

    „Wenn nicht gehandelt wird und die Bevölkerung den Eindruck hat, der Staat ist handlungsunfähig,  wird das Ansehen der Kanzlerin weiter Schaden nehmen und damit auch ihrer Partei“, so der Experte. „Denn bisher war es so, dass die Kanzlerin ein sehr starker Motor, eine Lokomotive ihrer Partei war und das Ansehen nach oben geführt hat. Das hat sich nun umgekehrt.“

    Umfrage

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    • CDU/СSU
      1.1% (153)
    • SPD
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      0.3% (45)
    • Linke
      16.3% (2350)
    • AfD
      67.0% (9676)
    • FDP
      1.9% (269)
    • andere
      12.3% (1767)
    abgestimmt: 13

    Auf das für den Freitagabend angekündigte Interview angesprochen, sagte Prof. Mayer:  „Das ist eine ganz wichtige Sendung, man hätte erwartet, dass sie auch schon früher angesetzt wird… Die Kanzlerin muss heute Abend ein klärendes Wort sprechen. Es muss zur Geschlossenheit ihrer Partei wieder kommen. Dann kann sie weiter wirken.“

    Dies sei umso wichtiger, weil in den letzten Tagen und Wochen von verschiedenen Kabinettsvertretern unterschiedliche Standpunkte hinsichtlich der Flüchtlingskrise geäußert wurden, betonte er. Darin bestehe ein Risiko für Merkels Partei. „Die Bevölkerung findet es zwar interessant, wenn die Politik sich streitet. Aber wenn es innerhalb einer Partei ist, dann ist es schädlich. Bei allem Respekt vor dieser Debatte — noch wichtiger für den politischen Fortschritt ist es, dass man die Reihen geschlossen hält.“

    Die Kanzlerin „wird ihre Richtung etwas korrigieren“, äußerte Prof. Mayer. „Aber das hat man ja auch schon in den letzten Wochen prognostiziert, und sie hat es nicht getan, sodass man es schlecht vorhersagen kann. Aber die Kanzlerin ist immer für Überraschungen gut, wenn man Fukushima und ähnliche Momente mit ins Spiel nimmt.“

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    Tags:
    CDU, ZDF, Tilman Mayer, Angela Merkel, Deutschland