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00:14 17 Oktober 2019
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    Nach Blutbad in Paris: Europa muss sich von Illusionen trennen

    © AP Photo / Yorgos Karahalis
    Politik
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    Nach den schockierenden Ereignissen in Paris muss sich der Westen von der Illusion der offenen Grenzen und dem Glauben verabschieden, dass das Chaos in den Nachbarländern und im Nahen Osten ignoriert werden kann, schreiben deutsche Kolumnisten.

    „Wir erleben derzeit den Anfang vom Ende des europäischen Traums. Das Blutbad, das islamistische Terroristen in Paris angerichtet haben, wird diesen Prozess nur noch beschleunigen“, schreibt der Publizist Jürgen Krönig vom Deutschlandfunk.

    Die unbequeme Wahrheit sei, dass niemand in Europa wisse, wie viele Flüchtlinge in den vergangenen Monaten angekommen sind und dass sich unter ihnen erklärte Todfeinde der europäischen Gesellschaft befinden, die Lebensart, Demokratie, Meinungsfreiheit, Säkularismus und Gleichheit von Mann und Frau verachten.

    Es sei zu befürchten, dass Paris nicht das letzte „düstere Kapitel“ des Terrors in Europa bleiben wird, wobei diejenigen, die immer noch an die Überlebensfähigkeit des Schengen-Abkommens glauben, sich einer Illusion hingeben.

    „Klar ist, dass der Zusammenhalt in der EU, der zuletzt bereits spürbar gebröckelt hatte, noch fragiler geworden ist. Die Neigung wird wachsen, sich angesichts der Bedrohung in die Geborgenheit des Nationalstaates zurückzuziehen“, erklärt Krönig, wobei er jedoch eine Chance für Europa sieht, seine „Neigung zu wolkigen Illusionen“ zu reduzieren und realistischer zu werden, worauf auch das Ende von Schengen hindeute und die Einsicht, den Kampf gegen seine Todfeinde nicht allein Amerika oder Russland zu überlassen.

    In seinem Gastbeitrag für „Die Welt“ schreibt der US-Korrespondent Clemens Wergin, dass die Attacken ein Europa treffen würden, das sich derzeit in einer sehr instabilen und volatilen Lage befindet.

    Man habe es hier mit einer neuen Qualität des Terrors zu tun: In den vergangenen Jahren sei es meist zu Anschlägen von „einsamen Wölfen" gekommen, wobei die Terroristen heute organisiert und in eine hierarchische Führungsstruktur eingebettet sind.

    „Handelt es sich tatsächlich um Anhänger des IS, dann wäre nun zum ersten Mal der jüngste Albtraum der europäischen Sicherheitsdienste wahr geworden“, so Wergin. Bislang hätte der IS nur Einzelaktionen durchgeführt, wobei es ihnen nun offensichtlich gelungen sei, den Massenterror aus Syrien und Irak nach Europa zu exportieren.

    „Damit hat sich die stille Hoffnung, Europa könnte sich heraushalten, wenn in seiner Nachbarschaft Krieg und Anarchie herrschen, endgültig als Illusion erwiesen“, schreibt hinsichtlich der Pariser Attentate Ulrich Speck in seinem Kommentar für „Die Zeit“.

    Europa könne den Krieg in Syrien nicht länger ignorieren und müsse sich weit mehr an den Bemühungen beteiligen, ihn zu beenden, betonte er.

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    Tags:
    Schengen-Abkommen, EU, Europa, Frankreich