05:02 01 Dezember 2020
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    Kampf gegen den IS (813)
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    Nach den jüngsten Anschlägen in Paris scheint Moskaus Vorgehen in Syrien bei den europäischen Politikern mehr Verständnis zu finden. Russische Experten sehen Merkmale einer Annäherung mit dem Westen, deren Wirkung allerdings nicht überschätzt werden sollte.

    Der russische Militärexperte Ruslan Puchow sagte dem TV-Sender Swesda: „Nach dem A321-Anschlag über dem Sinai sowie nach der Terrorserie in Paris hat sich die Situation in der Welt kardinal geändert. Manchen ist es wie Schuppen von den Augen gefallen. Das kann man in Bezug auf jene europäischen Länder sagen, die bisher wie ein Strauß den Kopf in den Sand gesteckt haben, um die Lage um die Aggression des ‚Islamischen Staates‘ in Syrien und im Irak sowie um die Einwanderungspolitik in Europa nicht real zu bewerten.“

    Puchow sagte weiter: „Daraus resultierte die Attacke der Islamisten in Paris. Das war eine sehr harte Lehre, doch ausgerechnet sie ermöglichte den Europäern offenbar, die Gefahr zu begreifen. Nicht zufällig will der französische Präsident mit seinem russischen Amtskollegen zusammentreffen, um gemeinsame Maßnahmen gegen die IS-Terroristen zu besprechen. Es ist auch kein Zufall, dass die bisher abgelehnten russischen Initiativen zur Nahost-Regelung nun bei praktisch allen europäischen Spitzenpolitikern auf Verständnis stoßen. Dass man nach jenen tragischen Ereignissen die gemeinsame Bedrohung für ganz Europa begriffen hat, könnte ermöglichen, Angriffen sowohl auf europäische Staaten als auch auf Russland gemeinsam zu begegnen.“

    Der russische Orientalist Igor Meschtschan kommentierte: „Sowohl China als auch Europa sind derzeit zu einer Koalition mit Russland bereit. Die Position der USA, die jenen islamistischen Terrorismus eigentlich hervorgerufen haben, ist vorerst unklar. Doch wahrscheinlich werden die Amerikaner in dieser Situation gezwungen sein, sich auf die gleiche Seite der Barrikade mit uns zu stellen.“

    Wassilij Kusnezow, Leiter des Zentrums für arabische und islamische Studien am Orientalistik-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte der Onlinezeitung gazeta.ru: „Es sieht danach aus, dass sich eine Annäherung mit dem Westen in Sachen Syrien und Nahost generell abzeichnet. Sie sollte aber nicht überschätzt werden.“

    IS-Kämpfer
    © REUTERS / Social Media Website via Reuters

    Kusnezow erläuterte: „Wir müssen begreifen: Das Syrien-Problem lässt sich nicht so einfach lösen. Schließlich kann das syrische Territorium vom ‚Islamischen Staat‘ befreit werden, doch dann kann dieser in den Irak ausweichen. Es ist auch nicht ganz klar, welcher Teil der syrischen Opposition in den politischen Übergangsprozess involviert werden soll. Auf internationaler Ebene wird es leichter fallen, sich zu verständigen, als unmittelbar vor Ort.“

    Kurz zuvor hatte François Hollande mit Wladimir Putin telefoniert. Der Kreml teilte mit: „Die beiden Staatschefs legten besonderen Wert darauf, die bilaterale und multilaterale Zusammenarbeit im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu intensivieren. Es wurde insbesondere vereinbart, engere Kontakte und eine Koordinierung zwischen den Verteidigungsministerien und den Geheimdiensten der beiden Länder im Laufe jenes Anti-Terror-Einsatzes zu sichern, den Russland und Frankreich in Syrien durchführen.“

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    Terrormiliz Daesh, Wassilij Kusnezow, Ruslan Puchow, François Hollande, Wladimir Putin, Sinai-Halbinsel, Paris, USA, China