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13:30 14 Oktober 2019
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    Frontbomber Su-24 (Hmeimim bei Latakia)

    Zeitung: Abschuss von russischem Kampfjet „politisch kontraproduktiv“

    © Sputnik / Dmitriy Vinogradov
    Politik
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    Russischer Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen (204)
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    Die türkische Attacke auf einen russischen Kampfjet hat die ohnehin schon komplizierte Lage um Syrien noch weiter erschwert. Nach Darstellung der Türken habe der Su-24-Bomber ihren Luftraum verletzt. Wenn das stimme – was Russland wiederum bestreite – , habe sich das NATO-Land korrekt verhalten, schreibt das „Hamburger Abendblatt“ am Mittwoch.

    „Vielleicht nach Vorschrift. Bloß: Klug war es nicht. Klar war, dass die russische Maschine keine Bedrohung für die Türkei ist, schlimmstenfalls ein paar wenige Kilometer in den Luftraum eingedrungen war. Sie abzuschießen, war militärisch unverhältnismäßig und politisch äußerst kontraproduktiv“ heißt es in dem mit „Abgeschossener Jet: Spiel mit dem Feuer“ überschriebenen Beitrag.

    Ohne Russland gebe es keinen Frieden in Syrien. Gerade Moskau kenne Mittel und Wege, um Präsident Assad zum Rücktritt zu bewegen; ihm Asyl zu gewähren. Die Russen seien ein Ordnungsfaktor im Konflikt, die Türkei ein zusätzlicher Unruheherd.

    Dem Blatt zufolge hatten die Russen dem Westen angeboten, sich über Angriffsziele auszutauschen. „Präsident Putin hatte gerade damit begonnen zu differenzieren, der Vielfalt der arabischen Welt gerecht zu werden, Sunniten wie Schiiten. Er traf den jordanischen König, streckte seine Fühler bis Saudi-Arabien aus. Weil sich eine konstruktivere Rolle abzeichnete, hatte Außenminister Steinmeier eine Rückkehr Russlands zu den G8-Gipfeln in Aussicht gestellt.

    All diese Bemühungen hat die Türkei mit dem Abschuss gefährdet, zumindest aber erschwert. Ganz bitter erwischte es den französischen Präsidenten Hollande, der im politischen Affekt nach den Anschlägen von Paris auf dem Flug nach Washington war, um die Amerikaner für neue Prioritäten zu gewinnen. Wer ist für den Westen die größte Bedrohung, der syrische Machthaber Assad oder die IS-Terroristen?“, fragt der Autor.

    „Es ist die pragmatische Frage nach der Reihenfolge – wen man zuallererst erledigen will. Im Falle des französischen Präsidenten ist es keine Frage. Hollande hat den Krieg gegen den IS ausgerufen. Für ihn hat er Priorität. Er sollte es für den ganzen Westen haben.

    Aber die Türkei verfolgt eine andere Agenda: Assads Sturz. Auch gab es lange Zeit Sorgen, dass sie den IS für das kleinere Übel hält und auch, dass ein Teil der Ölgeschäfte der Terroristen über die Türkei abgewickelt wird.

    Natürlich wird die NATO zur Türkei stehen – dafür ist man verbündet. Sobald der Zwischenfall halbwegs auf¬gearbeitet ist, wird der Westen – allen voran die USA – sich aber klarmachen müssen, dass die Russen nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sind. Gerade die Bundesregierung sollte auf den Prozess dringen. Solange in Syrien keine neue Ordnung hergestellt ist, so lange dürfen wir uns über den Flüchtlingsstrom nicht wundern; er ist eine Folge des Konflikts.“

    Der Autor schreibt weiter, dass die USA bisher im Syrien-Krieg keine überzeugende Rolle gespielt haben. „Erinnert sei nur daran, wie Präsident Obama den Einsatz von Chemiewaffen eine ‚rote Linie‘ nannte, aber nichts unternahm, als sie überschritten wurde. Wenn es eine Lehre aus Paris gibt, ist es, dass der Kampf gegen den IS Vorrang hat. Wenn es eine Lehre aus dem gestrigen Zwischenfall gibt, dann die, dass eine Verständigung mit Russland nottut. Wenn Staaten wie die USA, Frankreich, die Türkei und Russland sich nicht abstimmen, wird ein Zwischenfall wie gestern nicht der letzte bleiben. Das Spiel mit dem Feuer muss beendet werden. Wir brauchen keinen zusätzlichen politischen Kriegsschauplatz mit Russland. Was wir brauchen, sind klare Prioritäten: der IS zuerst. Um Assad kümmern wir uns später“, schreibt das Blatt.

     

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    Russischer Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen (204)
    Tags:
    Flugzeugabsturz, NATO, Türkei, Syrien, Russland