09:37 16 Dezember 2019
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    Italienischer Experte zu NATO-Beitritt Montenegros: Allianz will Russland umstellen

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    Politik
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    Mit der Aufnahme von Montenegro in die NATO versucht die Allianz „den Ring um Russland weiter zusammenzuziehen“. Diese Meinung äußerte der bekannte italienische Journalist und Publizist Giulietto Chiesa.

    „Wozu muss man ein solches Land wie Montenegro, wo die  Bevölkerungszahl fast dieselbe wie im italienischen Genua ist und dessen Unabhängigkeit erst 2006 nach einem Referendum proklamiert wurde, in die NATO einladen, zumal die Rechtmäßigkeit der damaligen Volksbefragung noch in Frage gestellt wird. Außerdem, von welcher Armee ist hier die Rede?“ schreibt Chiesa in seinem Blog, der mehr als 500 0000 Follower in Italien zählt. 

    Ihm zufolge reicht es aus, die Landkarte von Montenegro anzusehen: „Montenegro grenzt an Serbien, das mit allen Kräften, sogar gegen den Willen seines Volkes, nach Europa genötigt wird, sowie an das erfundene Land Kosovo, an Albanien, das nicht auf die Idee zur Gründung eines Großen Albanien auf dem Balkan verzichtet“. 

    „Dann Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Mazedonien, das durch einen sanktionierten Flüchtlingsstrom destabilisiert ist. Alle diese Länder, die nach einem verbrecherischen Krieg, der Jugoslawien zerstört hat, entstanden sind, ‚brodeln‘ noch immer“, betonte der Experte.

    „Man darf auch Moldawien, Rumänien und endlich Georgien nicht vergessen. Wenn Sie die Landkarte ansehen, so können Sie verstehen, wie der Ring um Russland weiter zusammengezogen wird. Die Offensive gegen Russland wird in ganz Europa erweitert. Nach ihrer militärischen und politischen Niederlage in Syrien signalisieren die USA eine Fortsetzung ihrer expansiven Politik“, meint Chiesa.        

    Ihm zufolge stimmten nur Deutschland und Frankreich dieser Politik zurzeit nicht zu.

    „Es ist offensichtlich, dass Deutschland mit diesen Handlungen nicht einverstanden ist. Niemand macht sich aber darüber Sorgen. Die Europäische Bastionen befinden sich in einer schwierigen Lage. Italien schweigt wie immer“, sagte der Experte anschließend.    

     

    Am 20. November sprach sich die russische Staatsduma (Parlamentsunterhaus) in einer Erklärung gegen den Beitritt Montenegros aus. Die Abgeordneten warnten, dass diese Entscheidung sowohl den traditionell freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern schaden, als auch die gemeinsame Entwicklung der europäischen Sicherheitsarchitektur in Frage stellen würde.

    Laut Medienberichten soll Moskau ein Warnschreiben an mehrere NATO-Mitglieder geschickt haben, dass der NATO-Beitritt Montenegros die Beziehungen zwischen Russland und der Allianz belasten könnte.

    Im Laufe von 20 Jahren hatte Chiesa für die Zeitungen „L’Unita“ und „La Stampa“ aus Russland berichtet. Er war Abgeordneter des Europaparlaments der "Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa" (ALDE). 2009 kandidierte der Journalist von der Partei "Für Menschenrechte im vereinten Lettland" (PCTVL) wieder für das Europaparlament, scheiterte aber bei der Abstimmung.

    Seine neue Arbeit „Russophobie 2.0“ steht in Italien, Russland und Frankreich zur Herausgabe bereit. 

    Chiesa ist Co-Gründer der in Italien immer mehr an Popularität gewinnenden Bewegung  „Nein zur NATO, nein zum Krieg“, die für den Ausstieg Italiens aus der Nordatlantischen Allianz eintritt. Sein Blog ist einer der populärsten auf den Apenninen.

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    Tags:
    Nato-Erweiterung, Zeitung La Stampa, Zetiung L’Unita, Staatsduma, NATO, Giulietto Chiesa, Montenegro, Albanien, Rumänien, Kosovo, Mazedonien, Moldawien, Georgien, Deutschland, Serbien, Russland