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    Türkische Grenzsoldaten an der syrisch-türkischen Grenze

    Türkei: Schließung der Schmuggel-Grenzen zu teuer – soll EU doch mitzahlen! - Medien

    © AFP 2019 / OZAN KOSE
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    Laut US-Außenminister John Kerry haben die USA und die Türkei sich auf eine komplette Schließung der von IS kontrollierten syrisch-türkischen Grenze geeinigt. Nun scheint Ankara aber den Rückwärtsgang einzulegen – angeblich wegen der Kostspieligkeit und auch noch den Flüchtlingen zuliebe.

    „Es muss noch ein 98 Kilometer langer Abschnitt gesperrt werden. Wir sind uns völlig einig, ohne bestimmte Folgen besprechen zu müssen, wie die Sperrung dieses Grenzabschnitts erfolgen soll. Präsident Erdogan hat die Absicht, dies zu tun.“, sagte Kerry vor einigen Tagen in Brüssel.

    Zuvor schätzten Experten aus dem Pentagon ein, dass ungefähr 30.000 Soldaten an diesen  98 Kilometer langen syrisch-türkischen Grenzstreifen verlegt werden müssten, damit er komplett gegen Öl- und Waffenschmuggel abgeriegelt wird. 

    „Präsident Erdogan ist absolut engagiert und bereit, mit türkischen Streitkräften und in Kooperation mit anderen zu garantieren, dass dieser verbliebene Teil der Grenze abgesperrt wird.“, betonte Kerry damals.

    Vernichtung von IS-Tankwagen durch russische Luftwaffe
    © Foto : Ministry of defence of the Russian Federation
    Es scheint aber, dass Ankara wohl doch nicht bereit ist, den Forderungen der USA  nachzukommen: Erstens sei dies zu kostspielig – um dem US-Vorschlag nachzukommen, müsste man dann angeblich alle drei Meter  einen Wachtturm bzw. Soldaten und ein kombiniertes System aufstellen, zweitens könnte die „Gegenseite“ die Aufstellung von Truppen als Rechtfertigung für Kampfhandlungen wahrnehmen, schreibt The Hurriyet Daily News unter Berufung auf türkische Regierungsangehörige.

    Zudem sei  die türkisch-syrische Grenze auch eine Nato-Grenze, deshalb müssten die EU und die USA dafür zahlen.

    „Lasst uns die Kosten teilen, dann können wir es schnell einrichten.“, hat ein Vertreter der Regierung in Ankara gegenüber der Zeitung gesagt. 

    „Die gesamte Grenze zu Syrien geschlossen halten kann natürlich als Projekt auf der Agenda stehen, aber was macht ihr dann mit den Flüchtlingen, die diese Grenze passieren? Wir haben eine moralische Verantwortung an der 911 km langen Grenze, und die besteht in der Aufnahme von Flüchtlingen“, sagte der türkische Premier Ahmet Davutoglu am Vorabend in Baku.

    Es sei zudem schwierig, eine Grenze zu sichern, wenn  es auf der anderen Seite keinen funktionierenden Staat gebe, beschwerte er sich. Außerdem werde die syrisch-türkische Grenze überwiegend von der Terrormiliz Daesh (IS) kontrolliert.

    „Die Charakteristik der russischen Operationen, die nicht gegen Daesh gerichtet sind, ist einer der Faktoren, der die Beseitigung der Daesh von unseren Grenzen hemmt“, fügte er hinzu.

    Russlands Außenminister Sergej Lawrow
    © Sputnik / Ministry of Foreign Affairs of Russia
    Vor einigen Tagen hatte der russische Vize-Verteidigungsminister  Anatoli Antonow  bei einer Pressekonferenz des Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass Erdogan und seine Familie eng in ein System von illegalen Lieferungen von syrischen Ölfeldern eingebunden sei, die zurzeit von der Terrormiliz Daesh kontrolliert werden. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf seien eine der Hauptquellen für die Aktivitäten der Terroristen in Syrien.

    „Uns ist der Wert von Erdogans Worten bekannt. Einmal haben ihn türkische Journalisten schon beim Lügen ertappt, als türkische Waffenlieferungen unter dem Deckmantel von humanitärer Hilfe aufgedeckt wurden. Diese Journalisten kamen dafür hinter Gitter. Die Chefs werden nicht zurücktreten, auch Herr Erdogan nicht, und niemand wird etwas zugeben, auch wenn Flecke des gestohlenen Öls auf ihren Gesichtern zu sehen sein würden“, sagte Antonow.

    Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekundet, zurückzutreten, sollten Ankaras Ölgeschäfte mit der Terrormiliz Daesh nachgewiesen werden.
    Die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei haben sich nach dem Abschuss eines russischen Frontbombers vom Typ Su-24 am 24. November in Syrien drastisch verschlechtert. Die Maschine wurde von einem türkischen F-16-Kampfjet mit einer Luft-Luft-Rakete über syrischem Gebiet abgeschossen und explodierte vier Kilometer von der türkischen Grenze am Boden.

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    Tags:
    Ölschmuggel, Öl, Terrormiliz Daesh, EU, Recep Tayyip Erdogan, Ahmet Davutoglu, Europa, Türkei, Syrien, USA, Russland