09:38 21 September 2020
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    Die geplante Nato-Erweiterung auf dem Balkan ist ein rein geopolitisches Projekt, dessen aufgedrängte Agenda nicht den realen Sicherheitsbedürfnissen Europas entspricht, wie der russische NATO-Botschafter Alexander Gruschko bei einer von Ria Novosti organisierten Videobrücke mit Brüssel äußerte.

    Auf Beschluss der Außenminister aller 28 NATO-Mitgliedsländer ist die frühere jugoslawische Republik Montenegro am 2. Dezember offiziell zum Beitritt in die Allianz eingeladen worden.

    Laut Gruschko hat Russland allerdings darauf hingewiesen, dass es für einen Nato-Beitritt in Montenegro an  Unterstützung seitens der Bevölkerung  fehle – der Einspruch Moskaus sei jedoch ignoriert worden. 

    „Das zeugt erneut davon, dass die Nato-Erweiterung ein rein geopolitisches Projekt ist. Das ist ein Versuch uns und Europa im Ganzen eine Agenda aufzudrängen, die im Grunde gar nicht erst existieren sollte“, sagte er.

    Laut Gruschko entspricht diese Agenda nicht den realen Sicherheitsbedürfnissen Europas.

    „Hier spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass in die Nato erstmals ein Staat aufgenommen wird, der einst Teil eines ganzen Landes gewesen ist, welches wiederum bombardiert wurde“, so der Diplomat.

    Somit versuche die Nato zu demonstrieren, dass sie auch im Jahr 1999 im Recht gewesen sei, als weite Teile des Landes von Luftschlägen erschüttert wurden.

    „Dies zeugt auch davon, dass die Ausweitung des Bündnisses ein ideologisches Projekt ist, das nichts mit Sicherheit zu tun hat“, betonte der Botschafter.

    Moskau habe sich seinerseits stets für Frieden und Ruhe auf dem Balkan eingesetzt und dessen Länder als freundschaftlich eingestuft.

    „Russland hat niemals irgendwelche Entscheidungen in diesen Staaten durchgesetzt. Doch wir sind fest davon überzeugt, dass diese Region vom  geopolitischen Wettbewerb, der nun von der Nato geplant wird,  fernbleiben sollte“, äußerte der Nato-Diplomat.

    Am 20. November sprach sich die russische Staatsduma (Parlamentsunterhaus) in einer Erklärung gegen den Beitritt Montenegros aus. Die Abgeordneten warnten, dass diese Entscheidung sowohl den traditionell freundlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern schaden als auch die gemeinsame Entwicklung der europäischen Sicherheitsarchitektur in Frage stellen würde.

    Laut Medienberichten soll Moskau ein Warnschreiben an mehrere NATO-Mitglieder geschickt haben, dass der NATO-Beitritt Montenegros die Beziehungen zwischen Russland und der Allianz belasten könnte.

    Montenegro ist das kleinste Land Ex-Jugoslawiens. Es spaltete sich erst 2006 von Serbien ab. In Montenegro leben etwas mehr als 600.000 Menschen. Von der Einladung bis zum NATO-Beitritt kann es noch dauern. Bei Albanien und Kroatien etwa lag ein Jahr dazwischen.

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    Tags:
    NATO, Alexander Gruschko, Jugoslawien, Russland, Montenegro