18:31 11 August 2020
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    Angst und Frust verursachen den zunehmenden Zuspruch für die Anti-Europa-Partei in Frankreich – so erklärt dfi-Prof. Henrik Uterwedde vom deutsch-französischen Institut den FN-Wahlsieg in Frankreich.

    Für den Experten kam der Erfolg von Marine Le Pen alles Andere als überraschend: „Das hat sich nach den Terroranschlägen schon angezeichnet. Die Rechtsextremen sind schon 30 Jahre auf der französischen Bühne präsent und haben immer an Zulauf gewonnen“, sagt er gegenüber Sputniknews.

    Front National als Tribun der frustrierten Franzosen

    Für den Sieg des Front National seien ihm zufolge vor allem der soziale Frust und die Angst vor Überfremdung verantwortlich: „Der Front National wird vor allem von einfachen Leuten gewählt. Kleinhändler, einfache Arbeiter fühlen sich von den etablierten Parteien, seien es die Konservativen oder die Sozialisten, nicht mehr vertreten.“

    Der zweite große Grund sei die Angst vor Überfremdung, vor zu vielen Ausländern, was sich nach den Terroranschlägen noch einmal aufgeladen habe. Marine Le Pens Partei konnte sich daher als diejenigen hinstellen, die sagen: „Wir sprechen Ihre Sprache, wir verstehen Ihre Sorgen.“ Sie konnten sich als Tribun der frustrierten Franzosen darstellen. Der Front National sei nur so stark, wie die etablierten Parteien schwach und unfähig seien, fügt Uterwedde hinzu.

    Auch in anderen Ländern gebe es nationalpopulistische, teilweise linksextreme Bewegungen mit einem sehr nationalen Kurs. „Sie wollen weniger Europa und sehen in Brüssel die Wurzel des Übels. Das muss man schon mit Sorge sehen: Es kann dazu kommen, dass immer mehr Regierungen weniger von Europa halten und zu sehr auf nationale Karte setzen werden. Das ist schon eine Gefahr für Europa. Das Ergebnis der Wahlen in Frankreich kann nicht nur als nationales Ereignis betrachtet werden“, meint der dfi-Professor.

    „Wir sind in einer Phase der Rechtsradikalisierung Europas“ 

    Auch für Dr. Gilbert Casasus, ordentlichen Professor der Philosophischen Fakultät der Universität Freiburg und Vize-Direktor des "Zentrums für Europastudien", war der Sieg keine Überraschung: „Die Umfragen waren klipp und klar. Die Hauptursache ist sicherlich die Tatsache, dass sich Frankreich in einer schwierigen Lage befindet. Die Wählerinnen und Wähler suchen sich was Anderes aus, nachdem es mit Sarkozy und Hollande nicht geklappt geklappt hat.“

    Das Besorgniserregende an dieser Wahl sei es, dass es nicht um eine einfache Protestwahl gehe — ein Großteil der Wähler stimme dem Programm zu. „Rechtsradikale Themen werden in Frankreich immer salonfähiger“, fügt Dr. Casasus gegenüber Sputniknews hinzu.

    „Die Radikalisierung Richtung Extremismus wird zunehmen, das ist ein europäisches Phänomen. Rechtsradikale Themen sprechen plötzlich 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung an. Das heißt eindeutig – wir sind in einer Phase der Rechtsradikalisierung Europas. Die EU muss aufhören, nur eine wirtschaftsliberale Politik zu führen“, sagt er.

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    Tags:
    Extremismus, Marine Le Pen, Europa, Frankreich