09:56 05 August 2020
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    Der ehemalige israelische Außenminister Avigor Lieberman, Parlamentsmitglied und Chef der Oppositionspartei „Unser Haus Israel“, hat die Idee, die Krise in den russisch-türkischen Beziehungen für die Normalisierung der Beziehungen Tel Avivs mit Ankara zu nutzen, als „politische Dummheit“ bezeichnet.

    „(…) Die Idee, die Krise in den russisch-türkischen Beziehungen für die Anbahnung der Beziehungen zwischen Israel und der Türkei zu nutzen, die laut Medienberichten israelische Offizielle vorantreiben, ist politische Dummheit (…). Eine derartige Herangehensweise ist kurzsichtig und völlig aussichtslos. Das ist ein klassisches Beispiel für das fehlende Verständnis der in der Weltpolitik laufenden Prozesse“, schrieb Lieberman im sozialen Netzwerk Facebook.

    Die israelischen Medien haben die Möglichkeit eines solchen „Tauwetters“ in den jüngsten Erklärungen etlicher Politiker, darunter auch von Premier Benjamin Netanjahu, erblickt, der von möglichen Export- und Transitlieferungen israelischen Gases in die Türkei sprach und dies als einen Faktor bezeichnete, der „die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern ändern“ könnte. Die Türkei bezieht zurzeit Gas aus Russland.

    Mehr zum Thema: Russische Einschränkungen für die Türkei

    Israel und die Türkei, frühere strategische Partner, haben sich vor dem Hintergrund der Umorientierung der türkischen Außenpolitik von der europäischen Integration auf die Stärkung ihrer Position in der arabisch-muslimischen Welt voneinander distanziert. Die gegenseitige Abkühlung erreichte 2010 ihren Höhepunkt, als der Hilfskonvoi „Freiheitsflottille“, der die Blockade des Gaza-Streifens durchbrechen wollte, von israelischen „Kommandos“ aufgebracht und geentert worden war. Damals wurden neun türkische Teilnehmer der Hilfsaktion getötet.

    „Die Türkei unter Führung von (Präsident Tayyip) Erdogan benimmt sich nicht nur offenbar feindselig gegenüber Israel, sondern hat sich in eine Zufluchtsstätte für Anführer der (palästinensischen Bewegung – Anm. d. Red.) Hamas verwandelt. Gerade in der Türkei befindet sich der Operativstab dieser Terrororganisation, die die Verantwortung für zahlreiche Anschläge auf israelischem Staatsgebiet trägt. Die Geheimdienste der Türkei erweisen den Hamas-Terroristen allseitige Unterstützung und ‚decken‘ sie“, schrieb Lieberman.

    Der Ex-Minister bezeichnete die Türkei als „Hauptvermittler“ im Ölhandel der Terrorgruppierung „Islamsicher Staat“ (IS, auch als Daesh bekannt) und als Sponsor für ihre Aktivitäten.

    „Die Türkei unterstützt den radikalen Islam in aller Welt und tötet Kurden unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Islamischen Staat“, so Lieberman.

    Der Politiker warnte außerdem vor negativen Folgen einer Annäherung mit der Türkei für die Beziehungen Israels mit Russland. „(…) Eine solche Wendung würde beim Kreml zwangsläufig eine äußerst scharfe Reaktion gegenüber Israel auslösen. Ich halte diese Idee für unvernünftig und sogar gefährlich, denn sie würde nur den Interessen Israels schaden“, so Lieberman.

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    Tags:
    Öl, Terrormiliz Daesh, Recep Tayyip Erdogan, Avigdor Lieberman, Russland, Türkei, Israel