17:47 22 Januar 2020
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    Nach Interview mit RT: Türkischer Abgeordneter des Landesverrats beschuldigt

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    Die Generalstaatsanwaltschaft der Türkei hat eine Untersuchung gegen den Parlamentsabgeordneten Eren Erdem eingeleitet, der in einem Interview für die TV-Anstalt RT darüber berichtete, dass die Extremisten des „Islamischen Staates“ im Jahr 2013 große Mengen von Giftgas Sarin aus der Türkei bekommen hatten.

    Das Parlament wird voraussichtlich schon am Donnerstag über den Immunitätsentzug für den Abgeordneten abstimmen. Sollte eine dahingehende Entscheidung getroffen werden, wird die türkische Anklagebehörde dazu bereit sein, gegen den Politiker ein Strafverfahren wegen „Staatsverrat“ einzuleiten, so RT.

    Am 14. Dezember hatten zwei Abgeordnete des türkischen Parlaments mitgeteilt, dass 2013 von türkischem Territorium das Giftgas Sarin an Kämpfer des “Islamischen Staates“ in Syrien geliefert worden war. Ihnen zufolge wussten die Behörden von den Lieferungen, unternahmen jedoch nichts.

    “Der Stoff für chemische Waffen wurde in die Türkei gebracht, dann wurde er in Lager der IS-Terrorgruppe in Syrien gebracht – damals waren das Mitglieder von al-Qaida im Irak“, sagte der Abgeordnete von der Republikanischen Volkspartei Eren Erdem. „Wir haben als Beweise Mitschnitte von Telefongesprächen. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren ein, später wurden die daran beteiligten Personen verhaftet. Jedoch wurde der Fall nach einer Woche einem anderen Staatsanwalt übergeben, und alle Verhafteten wurden auf freien Fuß gesetzt. Sie überquerten die türkisch-syrische Grenze und flohen“, so Erdem.

    Dem türkischen Parlamentarier zufolge enthalten die Tonaufzeichnungen Einzelheiten darüber, wie die Lieferungen durchgeführt werden sollten: In den Aufnahmen wird von der Vorbereitung, vom Inhalt der Labore sowie der Quelle der Materialien und davon gesprochen, welche Autos die Kämpfer nutzen wollten, an welchen Tagen usw. Alle Verhandlungen wurden vollständig aufgenommen“, unterstrich Erdem. „Trotzdem wurden alle Verdächtigten auf freien Fuß gesetzt“.

    Das gefährliche Giftgas wurde im August 2013 aus der Türkei nach Syrien geliefert — damals wurde ein Vorort von Damaskus mit Raketen mit Sarin angegriffen. Laut dem Abgeordneten sind diese Ereignisse miteinander verbunden. „Es gibt die große Wahrscheinlichkeit, dass bei dem Angriff die Materialien verwendet wurden, die aus der Türkei geliefert worden waren. Die syrischen Regierungstruppen wurden damals des Einsatzes von Giftgas beschuldigt. Doch die syrische Regierung verfügte zum damaligen Zeitpunkt laut Angaben nicht über Sarin – nur die Aufständischen besaßen den tödlichen Kampfstoff. Soweit ich verstehe, wurde die Akte geschlossen, um den syrischen Behörden die Schuld zuzuschreiben“, erklärte der türkische Politiker.

    „Die Lieferungen erfolgten durch die Türkei, jedoch wurden alle wichtigen Materialien in Europa eingekauft. Die westlichen Quellen wissen sehr gut, wer in Wahrheit hinter dem Chemiewaffen-Angriff in Syrien steht. Ihnen ist bekannt, dass diese Menschen für al-Qaida arbeiten. Der Westen geht in dieser Situation heuchlerisch vor“, so Erdem.

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    Giftgas, Russia Today, Eren Erdem, Syrien, Irak, Türkei