22:33 27 Februar 2020
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    Russischer Kampfjet an türkisch-syrischer Grenze abgeschossen (204)
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    Der russische Staatschef Wladimir Putin hat in seiner Jahrespressekonferenz den Abschuss des russischen Su-24-Kampfjets durch die Türkei als einen feindlichen Akt verurteilt.

    "Und nun zum entstandenen Konflikt. Wir betrachten die Handlungen der türkischen Regierung bezüglich unseres abgeschossenen Flugzeugs nicht als einen freundschaftlichen, sondern feindlichen Akt. Sie haben ein Militärflugzeug abgeschossen, unsere Menschen sind gestorben. Was uns besonders empört hat: Wenn das ein Zufall gewesen wäre, wie wir das später gehört haben – die türkische Regierung habe ja angeblich nicht gewusst, dass es ein russisches Flugzeug war. Aber was macht man dann in solch einem Fall? Menschen sind doch gestorben! Man greift sofort zum Telefonhörer und verhandelt miteinander. Stattdessen ist man gleich nach Brüssel gelaufen: Alarm! Man verleumdet uns! Wer verleumdet euch? Haben wir dort jemanden verletzt? Nein! Sie haben sich hinter der NATO versteckt, aber hat die NATO das nötig? Wahrscheinlich nicht, wie sich herausgestellt hat", sagte Putin.

    Mehr zum Thema: Die große Pressekonferenz von Wladimir Putin (2015)

    Der russische Präsident erklärte, Ankara werde den syrischen Luftraum nach der Stationierung von Flugabwehrsystemen vor Ort nicht mehr verletzen können.

    "Sie (die türkische Regierung — Anm. D. Red.) hat gedacht, dass wir davonrennen! Nein, Russland ist kein Land, das wegrennt. Wir haben unsere Präsenz in Syrien, die Präsenz unserer Lufttruppen erhöht. Zuvor gab es dort keine russischen Flugabwehrsysteme, aber jetzt stehen dort Systeme des Typs S-400. Und wie die Türkei zuvor unbehindert ständig den Luftraum Syriens verletzen konnte, kann sie das ja jetzt einmal versuchen", so Putin.

    Auf die Frage, ob an dem russisch-türkischen Konflikt eine dritte Seite beteiligt sei, antwortete der Staatschef, dass ihm davon nichts bekannt sei:

    "Ich verstehe ihre Andeutung. Wir wissen das nicht. Aber wenn jemand beschlossen hat, den Amerikanern an einer bestimmten Stelle zu schmeicheln, weiß ich nicht, ob das richtig war. Ich weiß nicht, ob die Amerikaner das nötig haben."

    "Man könnte sich vorstellen, dass es auf irgendeinem Niveau Vereinbarungen gegeben haben könnte, dass wir (die Türkei — Anm. D. Red.) ein russisches Flugzeug abschießen und ihr schließt dafür die Augen, wenn wir, angenommen, in den Irak einmarschieren und einen Teil seines Territoriums besetzen würden. Ich weiß nicht, vielleicht gab es solch ein Szenario, aber das ist uns unbekannt", fügte Putin hinzu.

    Auf jeden Fall habe Ankara alle Seiten in "eine sehr komplizierte Lage gebracht", betonte er.

    Bei einem anderen angenommen Szenario könnte die türkische Regierung den Amerikanern und Europäern zeigen wollen, dass "wir unser Land islamisieren, aber wir sind moderne, zivilisierte Islamisten. Wir sind Islamisten, aber wir sind eure Islamisten", sagte der russische Staatschef und erwähnte dabei, dass die Türkei zurzeit für die Islamisierung im Land unter starke Kritik gerät.

    Russland sei bereit gewesen, auch in "den sensibelsten für die Türkei Bereichen zu kooperieren", und Ankara hatte die Möglichkeit, die eigenen Interessen an der syrischen Grenze mit Moskau zu erörtern, betonte Putin.

    "War es so schwierig, den Telefonhörer zu nehmen und existierende Militärkanäle zu nutzen? (…) Niemand hatte etwas gesagt", so kommentierte der russische Präsident erneut die Situation mit dem abgeschossenen Su-24.

    "Dabei haben wir unsere Bereitschaft gezeigt, auch in für die Türkei sensiblen Bereichen zu kooperieren. Warum haben sie das getan (Abschuss des Su-24-Flugzeugs — Anm. d. Red.) – das begreife ich nicht. Warum?", fügte er hinzu.

    Mit der aktuellen türkischen Regierung könne man nicht verhandeln, so Putin. Denn selbst wenn man sich einige, bekomme man "einen Stoß in den Rücken, und das aus unbekannten Gründen". "Auf staatlichem Niveau sehe ich keine Perspektiven", betonte der Präsident.

    Dennoch könne es noch Zusammenarbeit zwischen Russland und der Türkei auf humanitärem Niveau geben, aber "auch hier gibt es natürlich Probleme", so Putin.

    "Ich glaube, auch hier, hat die aktuelle türkische Regierung das erreicht, was sie nicht erwartet hat", betonte der russische Präsident im Zusammenhang mit den gegen Ankara verhängten wirtschaftlichen Sanktionen seitens Moskau.

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    Abschuss, Su-24, Putins Jahrespressekonferenz (2015), Wladimir Putin, Russland