07:58 20 Oktober 2018
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    US-Medien: Liberaldemokratische Weltordnung geht aus den Fugen

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    Das scheidende Jahr 2015 hat Klarheit darüber gebracht, dass im Westen radikalere Ideologien gefragt sind. Das belegen die Wahlergebnisse in vielen Ländern.

    Die „New York Times“ beruhigt: Der liberaldemokratische Kapitalismus wird in der Welt zwar noch weiter bestehen, aber die nationalistischen Tendenzen sollten ein ernstes Zeichen für die Regierungen sein.

    In den letzten 20 Jahren habe, so die Zeitung, der liberaldemokratische Kapitalismus die Welt dominiert. Und auch wenn nicht alles ideal gelaufen und so mancher damit nicht einverstanden gewesen sei, schienen seine Positionen eher stabil. Man hätte sich kaum vorstellen können, dass diese Weltordnung aus den Fugen geraten würde. Umso schwerer sei es heute zu prognostizieren, was sie ablösen wird, so der Autor.

    9/11-Anschläge
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    Als die „Dotcom-Blase“ platzte, als die Terroranschläge vom 11. September geschahen, als der Irak-Krieg begann und eine Finanzkrise ausbrach, sorgten die Konsolidierung und der Konsens in der westlichen Gesellschaft bei vielen für Verwunderung. In der Welt entstand damals keine neue Ideologie, die eine Alternative für den Liberalismus hätte bieten können, so wie es seinerzeit Marxismus oder Nationalsozialismus in Europa getan hatten.

    Allerdings, so der Autor, habe sich die Lage bis Ende 2015 geändert, und erstmals habe „das Thema Angreifbarkeit der liberalen Weltordnung und nicht deren Stabilität“ das Jahr geprägt. Besonders sei dies in Europa spürbar gewesen, wo die politische Mitte traditionell gegen die Bewegungen gewonnen hatten, die der Vereinigung des Kontinentes im Wege standen. Dieses Kräfteverhältnis habe sich nun am Rande der EU – in Griechenland, Ungarn und Polen – verändert. Außerdem hätten die traditionellen Parteien in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Schweden deutlich schlechter gegen die Nationalisten abgeschnitten.

    Die „extremen“ Parteien in Europa hätten ihren zunehmenden Erfolg unter anderem der Schwäche des Zentrums zu verdanken, so der Autor. Als Beispiel führt er etwa den Beschluss von Angela Merkel an, die Grenzen für die Flüchtlinge aus dem Nahen Osten zu öffnen. Das habe der Bundeskanzlerin zwar reichlich Lob seitens der Globalisten beschert, jedoch gleichzeitig die den europäischen Liberalismus bedrohenden Tendenzen gestärkt.

    „Der Islamische Staat wird wahrscheinlich doch fallen, aber indem es Kämpfer aus westlichen Ländern anwarb, wurde ein neuer Widerstandsmechanismus gegen die Gegenwart geschaffen. Und mit seiner Politik im näheren Ausland und im Nahen Osten hat Putin das Image der westlichen Welt nur geschwächt“, führt der Beobachter aus.

    Was die USA angehe, so sieht die „ New York Times“ die Erscheinung der „neuen Linken“ als das markanteste Ereignis des Jahres. Auch der Präsidentschaftskandidat Donald Trump zeige mit seiner ganzen Art, seinem europäisch geprägten Nationalismus und ehrgeizigen Autoritarismus, dass, wenn schon so viele Wähler bereit sind, ihm ihre Stimmen zu geben, die Gesellschaft immer weniger Vertrauen in die Demokratie hat, was aber auch durch zahlreiche Umfragen belegt werde.

    Und trotzdem ist der Autor überzeugt: Trump wird nicht republikanischer Präsidentschaftskandidat, Jeremy Corbyn und Marine Le Pen werden ihre jeweiligen Staaten nicht regieren, Schweden wird nicht zu einem faschistischen Land und die EU wird nicht zerfallen. Versionen, laut denen Europa ein islamistisches Imperium oder ein stalinistischer Staat werden könnte, stuft der Journalist als unrealistisch und realitätsfremd ein.

    Zwar werde der Liberalismus noch eine Zeitlang bestehen, jedoch sollte sich der Westen erstmals seit vielen Jahren ernsthaft gegen die aktuellen Tendenzen schützen, schließt er.

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    Terrormiliz Daesh, EU, Donald Trump, Jeremy Corbyn, Marine Le Pen, Wladimir Putin, Angela Merkel