10:40 27 März 2017
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    US-Präsident Barack Obama und Ukrainischer Präsident, Pjotr Poroschenko

    Reuters-Kolumnist: Poroschenko schadet Obamas Ruf

    © REUTERS/ Kevin Lamarque
    Politik
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    Die politischen Auseinandersetzungen in der Ukraine bedrohen nicht nur die Zukunft des Landes, sondern auch den Ruf von US-Präsident Barack Obama, dessen Administration die ukrainischen Behörden unterstützt, schreibt ein Reuters-Kolumnist.

    US-Vizepräsident Joe Biden sagte während seines letzten Kiew-Besuchs, dass er mit den ukrainischen Regierungsmitgliedern öfter als mit seiner Ehefrau spreche. Seit 2014 hat er 40 Mal mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und 16 Mal mit Regierungschef Arseni Jazenjuk telefoniert. Zudem reiste Biden vier Mal nach Kiew und traf sich einige Male in Washington und Europa mit Poroschenko und Jazenjuk.

    „Doch die Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungskoalition nehmen zu, viele Reformen werden nicht umgesetzt. Falls die ukrainische Führung zusammenbricht, werden sich Washington, die EU und der IWF, die die Beziehungen zu Russland wegen der Ukraine geopfert haben, in einer peinlichen Situation wiederfinden,. Die Obama-Administration hatte zusammen mit der EU viele Anstrengungen unternommen, um in der Ukraine im Februar 2014 einen erfolgreichen revolutionären Umsturz zu sichern“, heißt es in dem Artikel.

    Dem Kolumnisten zufolge droht das Projekt jetzt zu scheitern, obwohl US-Beamten und Kongress-Mitglieder 2014 mehr als 100 Mal die Ukraine besucht hatten. „Falls dies geschieht, wird die Ukraine die Möglichkeit verlieren, das Chaos und die Korruption zu bekämpfen, und sie wird der Obama-Administration die ohnehin seltenen Erfolge in der Außenpolitik zunichtemachen“, so der Kolumnist.

    Nach dem Machtwechsel in der Ukraine seien die Nachrichten aus Kiew durchweg positiv gewesen; die stellvertretende Außenministerin Victoria Nuland hatte eine Liste von Reformen genannt, die von der ukrainischen Regierung initiiert wurden. Sie hatte betont, dass die Ukraine mit der Schaffung einer neuen Koalition begonnen hat, so der Kolumnist von Reuters.

    „Das war ein lang ersehntes positives Ereignis für die Obama-Administration, die außenpolitische Misserfolge in Libyen, im Irak, Syrien und Afghanistan verbucht hatte. Doch in den vergangenen Monaten kam der Verlauf der Reformen in der Ukraine fast zum Erliegen, viele von ihnen blieben nur auf dem Papier“, so der Kolumnist. Zudem sei es zu Konflikten zwischen den Verbündeten von Präsident Poroschenko und den Anhängern von Jazenjuk gekommen, einige Treffen endeten mit öffentlichen Skandalen. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow warf bei einer Sitzung ein Glas Wasser auf den Gouverneur des Gebiets Odessa, Michail Saakaschwili.

    Laut Reuters-Informationen sagte ein hochgestellter ukrainischer Beamte, dass Biden bei dem Treffen mit Poroschenko in Kiew davor warnte, dass die jetzige ukrainische Führung eine letzte Chance habe, etwas zu ändern, und dass die Ergebnisse für die USA sehr wichtig seien.

    Biden erklärte außerdem, dass die Geduld der US-Behörden fast am Ende sei. Der Kolumnist betont, dass der Rücktritt des ukrainischen Premiers Arseni Jazenjuk jetzt als eine mögliche Variante erörtert werde, was ein massiver Schlag gegen den US-Einfluss in der Region wäre.

    „Washington betrachtet Jazenjuk, der fließend Englisch spricht, als größte Hoffnung für die Umsetzung der ukrainischen Reformen. Doch laut einer anderen Quelle aus dem Umfeld von Poroschenko ist Washington bereit, mit jedem anderen Regierungschef zu arbeiten, solange die jetzige Koalition an der Macht bleibt“, so der Kolumnist.

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    Tags:
    Korruption, Arsen Awakow, Michail Saakaschwili, Arsseni Jazenjuk, Joe Biden, Petro Poroschenko, USA, Ukraine
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    Alle Kommentare

    • Germane
      Aber alle hier erwähnten schaden der Welt!
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      werner 945
      Obama selbst ist doch NICHT besser!
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      info
      US sollte den Joe Biden -Clan nach Kiew ins Exil entsenden und sich dann zurückziehen bevor noch mehr rauskommt ………. - war halt doch nix mit Brzezinskis Machtphantasien .
      deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2015/12/28/ukraine-politik-der-eu-ist-eine-gefahr-fuer-den-weltf
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      info
      Wieso, weil er nicht persönlich, tausende wie sein Chef, der Kriegsnobelpreisträger und Drohnen-Killer Obama ERMORDET ?????
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      Thomas
      Das was dort abgeht, ist bei Schauspielern in das Drehbuch geschrieben.
      Schädigung des Rufes?
      Geht bei denen nun wirklich nicht mehr.
      Popularität für die Hirne zählt, dass die Schauspielhäuser funktionieren.
      Steuern?
      Da sitzen ganz Andere am Hebel, die nicht gewählt oder abgewählt werden.
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      Antwort aninfo(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      info,
      Brzezinski hat die "Anleitung" geschrieben und Obama hat auch nicht persönlich Hand angelegt, sondern nur die "Ideen umgesetzt". beides sind allerdings Verbrechen, die gleich zu bewerten sind.
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      mhbh
      Lüge haben eben kurze Beine, ob in Washington, der Ukraine, Berlin oder sonstwo. Die Lügengebäude werden über kurz oder lang wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen und die Lügner selbst entlarven. Wer es sehen will, der kann es sehen.
    • Welchen Ruf kann er denn verlieren ?
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      infoAntwort an (Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      redstar59, den Ruf, als Eiskalter Massenmörder
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      billyvor
      Das wird die Obama-Administration genau so wenig kratzen, wie die Regierung Merkel.

      Mag sein, dass in beiden Regierungen der eine oder andere über Kiew inzwischen zumindest ins grübeln gekommen ist. Aber man hat sich zu weit aus dem Fenster gehängt, sich zu sehr gegen Russland positioniert. Beide werden lieber alles den Bach runtergehen lassen, vor lauter Angst, ihr - ohnehin nicht mehr vorhandenes - Gesicht zu verlieren. Genau so, wie es auch das Szenario Syrien/Assad zeigt.
      Fehler einzugestehen würde bedeuten zuzugeben, dass die ganze westliche Politik auf tönernen Füßen steht die auf nichts anderes abzielt, als zu aller erst einmal Russland zu schaden. Die Rechnung ist nicht aufgegangen; aber wie man da wieder auskommt, weiß man weder in Washington noch in Berlin. Also Augen zu, und durch.
    • altes.fachbuch
      tolles bild;)
      der abstand wäre wohl noch größer, wären die arme länger?
    • Ambuya
      Welchen "Ruf" den man beschäden könnte, hätte denn der Kriegsnobelpreisträger?
      Na, egal. Ich würde es ihm jedenfalls gönnen, sich auf diese Art in die Nesseln gesetzt zu haben. Recht geschähe ihm.
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