20:53 24 Juni 2017
Radio
    US-Präsident Barack Obama und Ukrainischer Präsident, Pjotr Poroschenko

    Reuters-Kolumnist: Poroschenko schadet Obamas Ruf

    © REUTERS/ Kevin Lamarque
    Politik
    Zum Kurzlink
    122915855

    Die politischen Auseinandersetzungen in der Ukraine bedrohen nicht nur die Zukunft des Landes, sondern auch den Ruf von US-Präsident Barack Obama, dessen Administration die ukrainischen Behörden unterstützt, schreibt ein Reuters-Kolumnist.

    US-Vizepräsident Joe Biden sagte während seines letzten Kiew-Besuchs, dass er mit den ukrainischen Regierungsmitgliedern öfter als mit seiner Ehefrau spreche. Seit 2014 hat er 40 Mal mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und 16 Mal mit Regierungschef Arseni Jazenjuk telefoniert. Zudem reiste Biden vier Mal nach Kiew und traf sich einige Male in Washington und Europa mit Poroschenko und Jazenjuk.

    „Doch die Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungskoalition nehmen zu, viele Reformen werden nicht umgesetzt. Falls die ukrainische Führung zusammenbricht, werden sich Washington, die EU und der IWF, die die Beziehungen zu Russland wegen der Ukraine geopfert haben, in einer peinlichen Situation wiederfinden,. Die Obama-Administration hatte zusammen mit der EU viele Anstrengungen unternommen, um in der Ukraine im Februar 2014 einen erfolgreichen revolutionären Umsturz zu sichern“, heißt es in dem Artikel.

    Dem Kolumnisten zufolge droht das Projekt jetzt zu scheitern, obwohl US-Beamten und Kongress-Mitglieder 2014 mehr als 100 Mal die Ukraine besucht hatten. „Falls dies geschieht, wird die Ukraine die Möglichkeit verlieren, das Chaos und die Korruption zu bekämpfen, und sie wird der Obama-Administration die ohnehin seltenen Erfolge in der Außenpolitik zunichtemachen“, so der Kolumnist.

    Nach dem Machtwechsel in der Ukraine seien die Nachrichten aus Kiew durchweg positiv gewesen; die stellvertretende Außenministerin Victoria Nuland hatte eine Liste von Reformen genannt, die von der ukrainischen Regierung initiiert wurden. Sie hatte betont, dass die Ukraine mit der Schaffung einer neuen Koalition begonnen hat, so der Kolumnist von Reuters.

    „Das war ein lang ersehntes positives Ereignis für die Obama-Administration, die außenpolitische Misserfolge in Libyen, im Irak, Syrien und Afghanistan verbucht hatte. Doch in den vergangenen Monaten kam der Verlauf der Reformen in der Ukraine fast zum Erliegen, viele von ihnen blieben nur auf dem Papier“, so der Kolumnist. Zudem sei es zu Konflikten zwischen den Verbündeten von Präsident Poroschenko und den Anhängern von Jazenjuk gekommen, einige Treffen endeten mit öffentlichen Skandalen. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow warf bei einer Sitzung ein Glas Wasser auf den Gouverneur des Gebiets Odessa, Michail Saakaschwili.

    Laut Reuters-Informationen sagte ein hochgestellter ukrainischer Beamte, dass Biden bei dem Treffen mit Poroschenko in Kiew davor warnte, dass die jetzige ukrainische Führung eine letzte Chance habe, etwas zu ändern, und dass die Ergebnisse für die USA sehr wichtig seien.

    Biden erklärte außerdem, dass die Geduld der US-Behörden fast am Ende sei. Der Kolumnist betont, dass der Rücktritt des ukrainischen Premiers Arseni Jazenjuk jetzt als eine mögliche Variante erörtert werde, was ein massiver Schlag gegen den US-Einfluss in der Region wäre.

    „Washington betrachtet Jazenjuk, der fließend Englisch spricht, als größte Hoffnung für die Umsetzung der ukrainischen Reformen. Doch laut einer anderen Quelle aus dem Umfeld von Poroschenko ist Washington bereit, mit jedem anderen Regierungschef zu arbeiten, solange die jetzige Koalition an der Macht bleibt“, so der Kolumnist.

    Zum Thema:

    Socken für die ukrainischen Soldaten: US-Kirche sammelt Spenden für Kiews Armee
    Ukraine verliert die letzten Illusionen - US-Zeitung
    Trotz peinlichen Vorfalls: Poroscheneko muss Saakaschwili dulden - Medien
    Millionen-Militärhilfe für Kiew: Poroschenko bedankt sich bei Obama
    Tags:
    Korruption, Arsen Awakow, Michail Saakaschwili, Arsseni Jazenjuk, Joe Biden, Petro Poroschenko, USA, Ukraine
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren