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    IS unterhält Verbindungen zur Türkei – Interview mit gefangenem Kommandeur

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    Ein von kurdischen Soldaten gefangen genommener Kämpfer von Daesh („Islamischer Staat“, IS) hat in einem Interview für Sputnik über Verbindungen der berüchtigten Terrormiliz zur Türkei berichtet. Nach seinen Worten erleichtert die Türkei dem IS die Anwerbung neuer Mitglieder und versorgt die Dschihadisten mit Nahrungsmitteln.

    Der 31-jährige Bürger Tunesiens Kerim Amara hatte sich den Dschihadisten 2013 angeschlossen. Nach der Revolution in Tunesien absolvierte er, wie viele junge Leute auch, einen Lehrgang in den Grundlagen des radikalen Islams und in der Führung des Dschihads. Später knüpfte er auf Anraten eines Freundes Kontakte zum IS.

    „Aus Tunesien kam ich nach Libyen, von dort — mit einem Flugzeug in die Türkei. Dann überquerte ich im Raum des Grenzkontrollpunktes Reyhanlı in Hatay illegal die türkische Grenze und gelangte auf das Territorium Syriens“, sagt der Kämpfer.

    Dort absolvierte er eine 15-tägige Gefechtsausbildung in einem Dorf bei Aleppo. Danach wurde er Kommandeur einer Gruppe und ehelichte eine Syrierin. Ein Jahr lang kämpfte Amara gegen die irakische Armee in Ramadi, kehrte  dann nach Syrien zurück, wo er an Kämpfen gegen die Freie Syrische Armee teilnahm, danach wurde er zu Kampfhandlungen gegen kurdische Milizen nach Kobani verlegt und geriet 2015 in Gefangenschaft.

    Amara erzählte, dass er eine 20 Mann starke Gruppe befehligte und dass insgesamt 400 IS-Kämpfer nach Kobani geschickt worden waren. Bald nach seinem Eintreffen organisierten die kurdischen Milizen eine massierte Nachtattacke.

    „Mir gelang die Flucht, aber dann verirrte ich mich. Als ich mich der türkischen Grenze näherte, sprach mich ein Einheimischer an. Ich sagte ihm, ich sei aus der YPG (kurdisch – Yekîneyên Parastina Gel – Volksverteidigungseinheiten – Anm. d. Red.). Ich trug weder eine Waffe noch Sprengstoff bei mir. Dieser Mann nahm mich mit nach Hause und gab mir zu essen. Dann kamen kurdische Soldaten der YPG zu ihm. Ihnen wurde klar, dass ich keiner der ihren bin, und sie verhafteten mich. In Kobani war ich nur eine Woche. Dort, wo ich mich befand, gab es acht IS-Mitglieder, darunter sechs türkischer Herkunft. Sie waren für die Verteidigung unserer Höhe verantwortlich. Zwei Türken in unserer Gruppe besaßen gute Beziehungen zu IS-Kommandeuren in Dscharabulus“, erzählte der Kämpfer.

    Wie er sagte, habe die Türkei dem IS geholfen und die Arbeit zur Suche neuer IS-Kämpfer erleichtert. „In der ganzen Zeit, wo ich mich in den Reihen des IS befand, habe ich kein einziges Mal gehört, dass das türkische Militär den Beitritt neuer Mitglieder zur Gruppierung behindert hätte. Im Gegenteil, bei uns sagte man, die Türkei schätze den IS und helfe ihm aktiv“, behauptet der IS-Kommandeur.

    Er erzählte, dass er persönlich am Austausch der gefangen genommenen Mitarbeiter des türkischen Konsulats im irakischen Mosul gegen IS-Mitglieder teilgenommen habe. „Wir haben der türkischen Seite Mitarbeiter des Konsulats in Mosul übergeben, und die Türkei übergab uns ihrerseits unsere Leute. Die Operation wurde von den Geheimdiensten organisiert“, sagt Amara.

    Laut den Meldungen türkischer Medien wurden im September 2014 49 Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung, die sich 101 Tage lang in Gefangenschaft beim IS befunden hatten, im Tausch gegen 180 Terroristen, die in türkischen Gefängnissen inhaftiert waren, der Terrormiliz übergeben. Die Führung der Türkei hat diese Meldung damals nicht offiziell dementiert.

    Der IS liefere der Türkei  und dem Irak Masut, aus der Türkei und aus Saudi-Arabien erhalte er Nahrungsmittel, erzählt Amara. „Während der Auseinandersetzungen in Kobani weilte unser Kommandeur oft in der Türkei. Von dort brachte er Essen und andere notwendige Dinge mit. Im IS gab es Kommandeure türkischer Herkunft“, so der Gesprächspartner der Agentur.

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