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    „Wall Street Journal“ über Türkei: Der einst zuverlässige Partner wird gefährlich

    © AFP 2019 / Ahmad Al-Ruabaye
    Politik
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    Die Türkei führt in Syrien ein äußerst gefährliches Spiel und verliert ihren Status eines zuverlässigen Partners unter ihren westlichen Verbündeten, schreibt der Analytiker des „The Wall Street Journal“ und Forschungsassistent an der Universität Sydney, Stuart Rollo.

    „Als er auf den Vorfall mit dem abgeschossenen Su-24-Bomber reagierte, bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin die Regierung Erdogans als ‚Helfershelfer der Terroristen‘. Damit hat er den Vorwurf offen formuliert, der oft im Westen diplomatischer ausgedrückt wird. Die Türkei lässt an ihrer Grenze Ströme von Öl und von IS-Kämpfern zusammengeraubten Artefakten durch, in der Gegenrichtung bewegen sich ausländische Dschihaddisten, Bargeld und Waffen“, betont der Analytiker.

    Die Türkei sei, so Rollo weiter, eines der ersten Länder gewesen, die sich in den Syrien-Konflikt einmischten. Seit Beginn des Bürgerkrieges habe Ankara auf die Absetzung von Syriens Präsident Baschar al-Assad gesetzt, um den Status einer dominierenden Kraft in der Region zu erlangen.

    Die Lage in Syrien hat sich geändert, aber Erdogans Strategie blieb dieselbe. Als Folge sei die Türkei eine Hürde auf dem Weg zur Deeskalation des Konfliktes geworden, fügt Rollo hinzu. Einerseits führe Ankara einen Krieg gegen die syrischen Kurden, die effizient gegen den IS kämpfen, und andererseits sei die Türkei Teil eines organisierten Terrornetzwerkes, zu dem auch der IS gehöre. Außerdem sei die Türkei für den Machtantritt einer sunnitischen Regierung unter der Kontrolle des lokalen Ablegers der Muslimbrüder aufgetreten, was die Interessen Russlands und des Iran untergraben hätte.

    Rollo betont, dass die Regierung Erdogan im Sommer mit den USA die Nutzung von zwei türkischen Flugplätzen für Luftschläge gegen den IS vereinbart habe. Zur gleichen Zeit seien die beiden Stützpunkte weiterhin von Ankara genutzt worden, um kurdische Kampfverbände im Irak und in Syrien anzugreifen.

    „Die Regierung Erdogan kümmert sich nach wie vor vielmehr um die Eindämmung der Kurden in Syrien als um den Anti-IS-Kampf“, so der Analytiker.

    Ursprünglich haben westliche Beamte und Medien die Türkei als einflussreichen Moderator für Stabilität und Wirtschaftswachstum in der Region betrachtet, allerdings sei Ankara mit der Zeit zunehmend als Sponsor des internationalen Terrorismus wahrgenommen worden.

    US-Vizepräsident Joe Biden hat in einer öffentlichen Rede das Thema der syrisch-türkischen Grenze angeschnitten und betont, dass das größte Problem im Anti-IS-Kampf der USA die Tätigkeit ihrer Verbündeten sei. Auch ein Beamter aus dem Weißen Haus sprach in einem Interview für „The Wall Street Journal“ von einer „internationalen Bedrohung“, die von Syrien aus über den türkischen Boden ausgehe. Mehr noch: Die Türkei sei für die Nato ein „gefährlicher Partner“ geworden, der die Allianz in einen unerwünschten Konflikt mit Russland hineinziehe, schließt der Beobachter.

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    Tags:
    Terrorismus, Su-24-Abschuss, Terrormiliz Daesh, Recep Tayyip Erdogan, Baschar al-Assad, Wladimir Putin, Türkei, Syrien