04:08 19 November 2019
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    Charlie Hebdo

    Comiczeichner Seyfried zum Jahrestag von „Charlie Hebdo“: Zensur ist antidemokratisch

    © AFP 2019 / MARTIN BUREAU
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    Karikaturen, wie diese in der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlicht werden, würde der Comiczeichner Gerhard Seyfried zwar nicht machen, per Gesetz lassen sich aber derartige Inhalte kaum regeln.

    "Ich habe im Nachhinein natürlich Karikaturen von ‚Charlie Hebdo‘ gesehen und ich würde sagen, so etwas würde ich nicht machen“, sagte er in einem Sputniknews-Interview mit Bolle Selke zum Jahrestag der Terrorattacke auf die Pariser Redaktion des Magazins. „Aber eine Grenze oder ein Gesetz da festzulegen — das kann man auch nicht machen.“

    „Es wird ja auch immer in allen möglichen Fällen nach Zensur geschrien“, betonte der Zeichner, Autor und Historiker Seyfried. „Ich bekomme mit, dass Religionsvertreter und Politiker hinterher sind und eine Zensur für Karikaturen oder so etwas einführen wollen. Das geht meiner Meinung nach überhaupt nicht. Das ist einfach antidemokratisch."

    Ein Mann hält eine Ausgabe der Charlie Hebdo Zeitschrift in Paris
    © AP Photo / Daniel Ochoa de Olza
    "Ich persönlich achte drauf, dass ich niemanden tödlich beleidige“, führte er weiter aus. „Ich versuche, alles sehr humorvoll und teilweise auch sehr zynisch zu machen. Es gibt wahrscheinlich gewisse Anstandsgrenzen. Ich käme jetzt nie auf die Idee, Unfälle oder Sterbefälle zu verspotten, das hat aber jetzt nichts mit Politik zu tun. Wenn es um Politik geht, finde ich, darf es keine Grenzen geben, weil wir sonst ja keine freie Meinungsäußerung hätten."

    Zugleich richtete Seyfried seine Kritik auf die Politiker, die die Tragödie in Paris „sofort für ihre Zwecke ausnutzten“ – „besonders diese Geschichte mit den europäischen Politikern, die da angeblich Massen auf diesem Foto beim Trauermarsch in Paris angeführt haben", fügt er hinzu.

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    Tags:
    Charlie Hebdo, Paris, Frankreich