07:11 18 August 2017
SNA Radio
    Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Interview gegenüber der „Bild“-Zeitung

    Experte zu Putins „Bild“-Interview: Millionenpublikum in Deutschland angesprochen

    © Sputnik/ Alexei Nikolskiy
    Politik
    Zum Kurzlink
    1091845140511

    Mit seinem Interview für die „Bild-Zeitung“ hat Wladimir Putin die Möglichkeit wahrgenommen, ein Millionen-Publikum in Deutschland anzusprechen, so der Russland-Experte Alexander Rahr. Putin hätte dies auch während der Münchner Sicherheitskonferenz tun können, Jedoch habe Wladimir Putin in dem Interview erklärt, dass er nicht nach München reist.

    Als verwunderlich bewertete Rahr zugleich die Tatsache, dass Putin ausgerechnet dieser Zeitung das Interview gegeben hat, die den russischen Präsidenten in den letzten Monaten am schärfsten in Deutschland angegriffen hatte.

    Alexander Rahr, Autor des Buches „Der ‚Deutsche‘ im Kreml“, betrachtet dieses Interview als einen Versuch, der deutschen Bevölkerung noch einmal zu sagen: „Wir streiten über die große Politik, aber die Russen und die Deutschen haben sich in den letzten 25 Jahren nach dem Fall der Mauer vernünftig ausgesöhnt, und so wird es auch bleiben.“ Wladimir Putin plädiere für einen offenen Dialog, der sowohl im Interesse Deutschlands als auch im Interesse  Russlands liege, so Rahr im Sputniknews-Interview mit Nikolai Jolkin.

    „Das Bild-Interview diente Wladimir Putin auch dazu, diejenigen Teile  der deutschen Öffentlichkeit anzusprechen, die sich in Fragen der Weltpolitik, so z.B. in der Ukraine-Krise oder im  Minsker Abkommen nicht so gut auskennen“, fügte der Experte hinzu. „Wenn man die deutschen Medien verfolgt, entsteht der Eindruck, dass die Ukraine weiterhin ein Opfer der russischen Aggression sei, und dass Russland durch  den Minsk-Prozess vom  Westen in die Ecke gedrängt worden sei und es jetzt erst einmal seine Hausaufgaben machen müsse, um von den Sanktionen loszukommen.“

    Putin habe im Interview den Spieß umgedreht und gesagt: „Wir alle sind für die Verständigung und wollen den Krieg beenden. Aber zunächst muss die ukrainische Regierung ihren Anteil an den Verpflichtungen erfüllen. Und das Minsker Abkommen kann nur dann umgesetzt werden, wenn die beiden nichtanerkannten Republiken der Ost-Ukraine den versprochenen Autonomie-Status bekommen.“

    Alexander Rahr ist sich sicher, dass dies der eigentliche Appell Putins an die deutsche Bevölkerung ist: „Es ist notwendig,  differenzierter zu schauen, um  zu sehen, dass hier von allen Seiten die vereinbarten Kompromisse für den Minsker Prozess erfüllt werden müssen.  Aus diesem Grunde ist Druck auf die Ukraine auszuüben, damit die Autonomie-Lösung für diese Regionen durchgesetzt wird und der Minsker Prozess weiterlaufen kann.“

    Die anerkennenden Worte Wladimir Putins für Angela Merkel bewertet der Russland-Experte als ein Zeichen dafür, dass die deutsche Bundeskanzlerin zu denjenigen Politikern in Europa gehört, die mit Putin trotz der Ukraine-Krise die engsten Beziehungen pflegt. Hinzu komme, dass Angela Merkel aus Putins Sicht ein Land in Europa vertrete, welches eine Schlüssel-Position innehabe. „Es hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine Führungsrolle übernommen. Das wird von der russischen Seite anerkannt. Putin weiß deshalb, dass er sich mit jedem deutschen Staatschef um ein gutes Verhältnis bemühen muss, weil  Deutschland,  hinsichtlich der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Zusammenarbeit, strategisch wichtig ist. So  sieht  Putin diese Perspektive. Ob man will oder nicht, man muss mit Merkel reden. Man muss alles daran setzen, dass  wenigstens das Verhältnis zu ihr intakt bleibt und der Gesprächsfaden über sie mit dem Westen nicht abreißt“, schlussfolgert Alexander Rahr.

    Zum Thema:

    Putin nennt EU-Sanktionen „absurdes Theater“
    Putin: Nato und USA wollten allein auf dem Thron sitzen
    Putin zu Anti-Terror-Kampf: Wir sind manchmal anderer Meinung, aber keine Feinde
    Putin: Russische Wirtschaft trotzt Sanktionen und stabilisiert sich schrittweise
    Tags:
    Alexander Rahr, Wladimir Putin, Deutschland, Russland, Ukraine
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren