22:08 18 August 2017
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    Der Wechselkurs des russischen Rubels

    Konfrontation mit Russland und „wirtschaftliche Atomwaffen“ des Westens

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    Politik
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    Während der Westen politisch und ideologisch angeschlagen ist, braucht ein Teil seiner Elite einen Außenfeind. Deshalb lässt sich die Konfrontation zwischen dem Westen und Russland in nächster Zeit kaum überwinden. Zu diesem Schluss gelangt ein russischer Auslandsexperte.

    Sergej Karaganow, Dekan der Fakultät für Weltwirtschaft und —politik an der in Moskau ansässigen Higher School of Economics, schreibt in einem am Dienstag veröffentlichten Gastbeitrag für die „Rossijskaja Gaseta“: „Die OSZE hat ein genetisches Gedächtnis des Kalten Krieges. Sie wurde daran gehindert, zu einem wirksamen und zukunftsorientierten Instrument zu werden, das zu einem neuen Sicherheitssystem an Stelle der bisherigen Blöcke beitragen könnte. In den ersten 20 Jahren nach dem Kalten Krieg spielte die Organisation meistens eine negative Rolle, indem sie die Illusion ermöglichte, dass im europäischen Raum alles in Ordnung sei.“

    Nach Ansicht von Karaganow erwies sich die OSZE ein einziges Mal als nützlich, und zwar in ihrer Rolle als Koordinator der Friedensbemühungen während der Ukraine-Krise: „Vielleicht ist die Organisation noch in der Lage, als Dialogforum und Anti-Krisen-Zentrale eine Zeitlang weiter zu existieren. Doch die westlichen Partner demonstrieren vorerst keine reale Bereitschaft, durch einen kardinalen Umbau der OSZE oder durch die Gründung alternativer Institutionen das klaffende Sicherheits-Vakuum in Europa zu füllen.“

     

    Der Experte postuliert, die Kooperation in Sachen Syrien habe dem Kreml zwar ermöglicht, den Grad der Konfrontation mit dem Westen zu reduzieren: „Diese Konfrontation ist jedoch nicht beseitigt und lässt sich in nächster Zukunft nicht beseitigen. Denn ein Teil der westlichen Eliten (besonders in Europa) hält es für nötig, einen Außenfeind zu haben, um eine innere Konsolidierung zu fördern. Ein weiterer Teil versucht, sich für das Versagen der letzten Jahrzehnte zu revanchieren und die zerfallende alte Weltordnung zu retten, deren Regeln vorwiegend vom Westen diktiert und instrumentalisiert wurden.“  

    Zu diesem Thema hatte Karaganow zuvor in einem anderen Kommentar geschrieben, der Westen erlebe derzeit herbe Rückschläge: „Der langsame Verfall der jahrhundertelangen Hegemonie der Westens im Militär-, Wirtschafts-, Ideologie- und Kulturbereich sowie der Aufstieg der Nicht-Westens scheinen derzeit einen wichtigen Zug der Weltentwicklung auszumachen.“

    Die inzwischen halb oder völlig vergessenen Militärbündnisse wie CENTO, SEATO oder ANZUS seien während des Kalten Krieges eine Art „Treibriemen“ der USA gewesen. Nun setze Amerika eher darauf, seine Konkurrenten wirtschaftlich einzudämmen, hieß es.

    „Als der Westen seine ‚wirtschaftlichen Atomwaffen‘, nämlich die Sanktionen, gegen den international maßgeblich wichtigen Akteur Russland einsetzte, war das ein kräftiger Impuls für die Entglobalisierung. Die Sanktionen zeigten den Zweifelnden, dass es gefährlich ist, sich auf die westlichen Institutionen, Regeln, Zahlungssysteme und Währungen zu verlassen. Der Westen selbst gibt die einst von ihm geschaffene moderne Globalisierung auf, weil er sieht, dass andere Länder von ihr profitieren. Vor diesem Hintergrund begannen neue Länder, ihr eigenes System von Institutionen und ihre eigenen Wirtschaftsblöcke aufzubauen. Einer davon entsteht in Lateinamerika, das sich von der US-Hegemonie befreit. Ein anderer (und potenziell der mächtigste) Block bildet sich im kontinentalen Asien aus – dazu zählen auch Russland und die zu ihm haltenden Länder.“

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    Tags:
    Wirtschaft, OSZE, Sergej Karaganow, Russland
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