16:11 21 August 2017
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    Protesten gegen Hinrichtung in Saudi-Arabien

    LA Times: Saudis sehen sich von Feinden umgeben – USA keine Stütze mehr

    © AP Photo/ Ebrahim Noroozi
    Politik
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    Die saudische Königsfamilie steht unter Druck, was für die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen Er-Riad und Washington schlecht ist, schreibt der Kolumnist der „Los Angeles Times“ Doyle McManus.

    „Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und den USA sind instabil wie nie zuvor“, schreibt der Kolumnist.

    Laut McManus hängen die Ängste Saudi-Arabiens sowohl mit äußeren als auch mit inneren Faktoren zusammen. Das Land ist von Feinden umgeben. Im Norden ist es der Anführer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ Abu Bakr al-Bagdadi, der versprochen hat, die Königsdynastie zu stürzen. Im Süden sind es die Huthi-Rebellen im Jemen. Im Osten – der schiitische Iran. Vor diesem Gegner fürchtet sich die Dynastie der Saudis am meisten.

    Zudem hat Saudi-Arabien Probleme im eigenen Land. Aus Angst vor Diversionen seitens des IS und des Irans ergreift die saudische Regierung Maßnahmen gegen Schiiten und Sunniten. Der massive Verfall der Ölpreise reißt Löcher in den Staatshaushalt, während die Bevölkerung, die sich an kostenlose  Dienstleistungen und Wohnzuschüsse gewöhnt hatte, weiter zunimmt.

    Die Dynastie der Saudis steckt derzeit auch in einer Thronfolger-Krise. Der 80-jährige König Salman, der im vergangenen Jahr den Thron übernahm, wird von Diplomaten hinter vorgehaltener Hand als altersschwach bezeichnet.

    „Einst war dieses Regime die Stütze der konservativen Stabilität, jetzt ist es wegen der Ängste unberechenbar geworden“, so McManus.

    Saudi-Arabien meldete Anfang Januar 47 Hinrichtungen, vor allem von sunnitischen Extremisten, die mit der Al-Qaida im Zusammenhang standen.

    Darüber hinaus wurden jedoch auch einige schiitische Aktivisten hingerichtet, darunter der Kleriker Nimr al-Nimr. 

    Diese Hinrichtung löste eine Kette von  Ereignissen aus, die im Ergebnis zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Teheran führten. Saudische Prinzen konnten früher mit der Unterstützung der USA bei jeglichen Auseinandersetzungen mit dem Iran rechnen. Doch jetzt sieht die Situation anders aus.

    Statt Er-Riad zu unterstützen, verkündete Washington, es sei mit beiden Seiten unzufrieden – mit Saudi-Arabien wegen der Hinrichtung von Nimr al-Nimr, mit dem Iran wegen der Angriffe auf die saudische Botschaft in Teheran.

    Dabei verheimlichen US-Vertreter bei privaten Gesprächen ihre Unzufriedenheit wegen des Vorgehens des Königreichs  nicht. Die Vertreter Er-Riads verheimlichen ihrerseits ihre Unzufriedenheit mit den Amerikanern  nicht.

    „Wir beobachten seit langem eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien, das begann lange vor der Obama-Administration“, sagte der ehemalige US-Botschafter in Er-Riad Charles W. Freeman Jr. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien auf gemeinsamen Interessen und nicht auf gemeinsamen Werten aufgebaut worden. In der letzten Zeit gehen diese Interessen weit auseinander, darunter in Bezug auf den Iran, die Ölfrage und in anderen Bereichen, so der ehemalige Botschafter.

    Beide Seiten brauchen zwar einander, doch weniger als früher. Die Kontroversen bei den Beziehungen nehmen weiter zu, so der Kolumnist  McManus.

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    Eiszeit zwischen Saudi-Arabien und Iran (28)

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    Tags:
    Doyle McManus, Nimr al-Nimr, Saudi-Arabien, USA
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