12:08 24 Oktober 2020
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    Rettungsanker in der Ölkrise (90)
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    Die US-amerikanische Zeitschrift „National Interest“ hat eine Art Ranking der fünf größten Ölkriege mit verheerenden Folgen erstellt.

    Im 20. Jahrhundert erklärten viele Länder sich gegenseitig den Krieg, weil sie Öl besitzen wollten – eine strategisch wichtige Energieressource, die lebenswichtig für die Entwicklung der Industrie und der Streitkräfte ist. Aber oft sei die Entschlossenheit, Öl zu besitzen, mit dem Risiko verbunden gewesen, das eigene Land zu zerstören, schreibt die Zeitschrift. „Manche Länder mussten bittere Erfahrungen sammeln und sich überzeugen, dass der Preis, den sie für den Gewinn von Ölfeldern zahlen mussten, viel höher als der Ölpreis auf dem Markt sein kann.“

    Auf den beiden ersten Plätzen im Ranking stehen die „Öl-Schlachten“ während des Zweiten Weltkriegs. Im August 1941 verhängten die USA und Europa ein Ölembargo gegen Japan wegen dessen aggressiver Politik gegenüber China und der Okkupation des französischen Indochinas. Dieses Vorgehen provozierte aber Japans Aggression am Stillen Ozean, im Fernen Osten und in Südostasien, auch wenn es offenbar viele andere Gründe gab, die Japan dazu bewegten, sich in den Zweiten Weltkrieg einzumischen. Die Zerstörung der US-Marine in Pearl Harbor löste Japans Ölproblem nicht, und auch die Eroberung von asiatischen Ölfeldern brachte seiner Wirtschaft keine Erleichterung, denn die Brennstofflieferungen aus dieser Region waren sehr problematisch.

    Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mussten die Japaner Wälder roden, um Brennstoff für ihre Flugzeuge zu produzieren“, so „National Interest“. Der Krieg und die Bestrebung nach unbegrenzten Ölvorräten haben das Japanische Reich letztendlich „zum Scheitern gebracht“, so die Zeitschrift.

    Auf dem zweiten Platz stehen die Schlacht um Stalingrad und der ganze Krieg Hitler-Deutschlands gegen die Sowjetunion. Die Idee des „Blitzkriegs“ scheiterte bereits im Sommer 1941. 

    „Wenn jemand auf der Welt wirklich von der Idee besessen war, Öl zu besitzen, dann war das Hitler, der sich beklagte, seine Generäle wüssten nichts über die wirtschaftlichen Aspekte des Krieges“, so „National Interest“. „Aber diese hätten, anders als ihr Führer, wohl nicht ihre Panzer sinnlos vorgeschickt, um das Öl zu erobern.“ Gegen Juni 1942 schickte die Wehrmacht ihre erschöpften Truppen zu den großen Ölfeldern im Kaukasus. Im August standen die Deutschen aber vor dem Dilemma, ob sie Stalingrad oder das Öl im Kaukasus mehr brauchten. Dann beschlossen sie, ihre Kräfte zu spalten, und scheiterten am Ende in beiden Fällen. „Sechs Monate lang zogen sich die deutschen Truppen an der gesamten Frontlinie zurück, und mehr als 100 000 Soldaten und Offiziere mussten in Stalingrad aufgeben, und das war der Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg“, so die Zeitschrift. Damit seien Hitlers „Ölträume“ gescheitert.

    Erwähnenswert ist auch der iranisch-irakische Krieg von 1980 bis 1988. Der Konflikt führte zur Demütigung und Erschöpfung beider Seiten. Der Irak hatte den Krieg entfesselt, als er iranische Ölförderanlagen und Frachtschiffe angriff. Der Iran attackierte im Gegenzug irakische Schiffe und Ölfelder und verminte den Persischen Golf. Während dieses Konflikts wurden insgesamt mehr als 450 Schiffe vernichtet bzw. beschädigt, und keine der Konfliktseiten konnte die andere bezwingen. Am Ende liefen etliche US-Schiffe auf iranische Minen, woraufhin Washington Aktionen gegen den Iran führte.

    Auf Platz vier steht die irakische Invasion in Kuwait im Jahr 1991. Einer der Gründe dafür war „Nationale Interest“ zufolge Bagdads Absicht zur Eroberung der kuwaitischen Ölvorkommen. Aber wegen dieser Aggression gegen seinen Nachbarn verdarb der Irak seine Beziehungen mit den USA, deren Unterstützung er faktisch während des Krieges gegen den Iran genossen hatte. Bagdad weigerte sich, das UN-Ultimatum zu erfüllen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen, und die USA verlegten danach 500 000 Soldaten nach Saudi-Arabien und begannen den „Desert Storm“, in dessen Zuge die irakische Armee vernichtet wurde. Bagdad verlor seine Einflusskraft in der arabischen Welt und geriet in internationale Isolation.

    Aber auch die US-Kriegskampagnen im Irak ließen sich auf das Öl zurückführen, auch wenn sich Experten darüber streiten, inwieweit wichtig dieser Aspekt gewesen sei, so „National Interest“ weiter. „Selbst angesichts der anderen Gründe für die umfassende militärische Invasion in die Golfregion ist es kaum zu glauben, dass die USA ein dermaßen großes Kontingent entsenden würden nicht, wenn  beispielsweise Nigeria Kamerun überfallen würde.“ Während der Konflikte zwischen Washington und Bagdad haben Osama bin Laden und die al-Qaida an Einflusskraft gewonnen, und das habe zur 9/11-Tragödie geführt.

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    Tags:
    Öl, Pearl Harbor, Al-Qaida, Iran, USA, Japan, Irak