10:52 09 Dezember 2019
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    Hoffentlich kein Pyrrhussieg für Moskau: Experte zum Stopp der Iran-Sanktionen

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    Politik
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    Die Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran bringt Russland Experten zufolge wirtschaftliche Vor- und Nachteile – je nachdem, ob es um Ölpreise oder um Waffendeals geht. Diplomatisch kann Moskau einen Erfolg für sich verbuchen. Der Iran selbst erzielte eine „innere Mobilisierung“.

    Der russische Politik- und Religionsexperte Alexander Ignatenko sagte gegenüber dem Radiosender Kommersant FM, der sich infolge der Aufhebung der Iran-Sanktionen verstärkende Ölpreisverfall werde die russische Wirtschaft einerseits negativ beeinflussen. Andererseits bekomme Russland nun neue Chancen auf günstige Kooperationsprojekte im Rüstungs- und Energiebereich. Insbesondere gehe es laut Ignatenko dabei um mögliche Waffendeals: „Das ist ein großer Vorteil für Russland. Ich schließe allerdings nicht aus, dass der Iran auch bei anderen Mitgliedern der 5+1-Gruppe Waffen kaufen wird.“

    „Was die im Moment erzielten Ergebnisse im Zuge der Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran betrifft, haben Russlands Rolle und Einfluss in der Nahost-Region aus meiner Sicht zugenommen, denn ausgerechnet Russland hat für diese Aufhebung plädiert. In gewisser Hinsicht dürften die Ergebnisse dieses Vorgangs als eine Art diplomatischer Sieg Russlands betrachtet werden“, so Ignatenko. Hoffentlich werde es sich nicht um einen Pyrrhussieg handeln, hieß es mit Blick auf mögliche negative Wirtschaftsfolgen und Moskaus weitere Rolle im Nahen Osten.

    Seinen Einfluss im Nahen Osten stärke Russland aber nicht nur dank der Iran-Frage, sondern vor allem dank seiner Bemühungen um eine Syrien-Regelung: sowohl der russische Luftwaffeneinsatz als auch diplomatische Maßnahmen.

    Die Syrien-Krise geht laut Ignatenko insbesondere auf die absichtlich verstärkten Widersprüche zwischen Sunniten und Schiiten zurück: „Neben den arabischen Monarchien gab es auch weitere Interessierte, die diesen Konflikt schüren wollten. Ich würde auch die Iraner dazu rechnen, die bestrebt waren, ihre Expansion auf syrischem Territorium zu verwirklichen — und zwar unter dem Vorwand, die dortigen schiitischen Heiligtümer zu schützen. (…) Andererseits haben auch die arabischen Monarchien die konfessionelle Spaltung im Islam instrumentalisiert, um ihre geopolitischen und andere Ziele zu erreichen.“

    „Der Iran ist von Staaten umgeben, deren Haltung ihm gegenüber unfreundlich ist, vor allem die der arabischen Monarchien. Unter ihnen ist Saudi-Arabien am einflussreichen. Ich würde aber sagen, die Unfreundlichkeit beruht auf Gegenseitigkeit", meint der Experte Ignatenko. Die arabischen Monarchien fühlten sich durch den Iran bedroht, erklärte Ignatenko weiter, "nicht unbedingt rein militärisch oder militärpolitisch, sondern eher in dem Sinne, dass es in arabischen Staaten proiranische oder vom Iran unmittelbar unterstützte Gruppen, Bewegungen und Fraktionen gibt, die die Integrität und die Stabilität dieser Staaten gefährden. Ein konkretes Beispiel ist die Hisbollah, die im Libanon de facto eine iranische Exklave eingerichtet hat".

    „Arabische Staaten – vor allem die Monarchien – verdächtigen den Iran der Entwicklung von Atomwaffen. Selbst wenn wir dies ausklammern, tüftelt der Iran doch an seinen Raketenwaffen weiter und will darauf nicht verzichten. Nach Ansicht dieser arabischen Monarchien unterstützt der Iran außerdem Terrorgruppen. Die Monarchien befürchten darum eine Destabilisierung der Region und sind der Meinung, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen Teheran ihm mehr Möglichkeiten böten, diese Politik zu betreiben“, erläuterte Ignatenko.

    Zum Schluss sagte Ignatenko ferner: „Ich bin davon überzeugt, dass die Sanktionen den Iran und seinen Kurs auf gewisse Weise beeinflusst haben. Der Iran hat doch dem Druck nachgegeben. Andererseits kam es zu einer inneren Mobilisierung des Iran. Nun ist er besser aufgestellt als vor der Einführung der Sanktionen – und betritt erneut die Weltbühne.“

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    Tags:
    Sanktionen, Alexander Ignatenko, Naher Osten, Russland, Syrien, Iran