19:25 25 Januar 2020
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    Kiew setzt EU-Assoziierungsverhandlungen aus (285)
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    Für ukrainische Bürger ist es zunehmend schwieriger, ein EU-Visum zu bekommen. Und das, obwohl die Europäische Union die Visafreiheit versprach. Das berichtet die ukrainische Zeitung „Vesti“.

    Ein Visum für die EU zu bekommen sei für die Bürger der Ukraine in der Praxis weitaus schwieriger geworden. Das polnische Außenministerium rühme ein erleichtertes Visaverfahren. Doch zahlreiche Konsulate verlangten mehr Bescheinigungen und lehnten Visaanträge sogar häufiger ab als früher. Als Ablehnungsgrund werde dann ein angeblich unzureichender Reisezweck vorgebracht. Wenn aber Visa genehmigt würden, dann nur für kürzeste Zeit, zitiert die Zeitung einen ukrainischen Reiseveranstalter. Selbst für das polnische Einkaufsvisum, wofür früher lediglich ein Reisepass notwendig gewesen sei, werde heute ein ganzes Dokumentenpaket verlangt. Offiziell widerpreche das polnische Generalkonsulat im ukrainischen Lwiw den Vorwürfen, das Verfahren zu erschweren. Nach Informationen der ukrainischen Zeitung existiere jedoch eine Anweisung, so wenige Visa wie nur möglich zu erteilen.

    Der Europa-Experte Oleg Krawtschenko erklärt: „Die ukrainischen Bürger bekommen ihre Pässe immer häufiger ohne Visum und ohne Erklärung zurück. Spitzenreiter sind hierbei südeuropäische Länder mit hoher Arbeitslosigkeit. Auf diese Weise wollen sie sich vor potenziellen Schmarotzern, wie die Länder meinen, schützen.“

    Statistischen Angaben zufolge hat sich die Zahl der Ablehnungen in den Visazentren Spaniens, Portugals und Griechenlands nahezu verdoppelt, so der Experte. Schwieriger sei es inzwischen auch, ein Visum in solche wohlhabenden EU-Länder zu bekommen wie Belgien, Finnland oder Schweden.

    Es werde ein besonderer Andrang auf die Konsulate im Westen der Ukraine verzeichnet, so „Vesti“. Schon früh morgens würden sich vor den Visazentren große Schlangen bilden. Die Menschen hofften in Europa auf bessere Jobs. „In Iwano-Frankiwsk versammeln sich jeden Tag tausend Menschen vor dem Konsulat“, zitiert die Zeitung Nasar Gryniw, ein Einwohner der Stadt. „So was hat es schon lange nicht gegeben“, so der Mann, der ebenfalls auf ein polnisches Schengen-Visum wartet. „Ein Freund von mir zum Beispiel ist pleite. Vorher hatte er ein paar Kleidungsstände auf dem Markt. So eine Hoffnungslosigkeit gab es nicht mal in den Neunzigern. Jetzt will er nach Polen, um Geld zu verdienen. Viele machen das Visum einfach so, für den Fall der Fälle. Gibt es Krieg oder Zerstörung können sie gleich los.“

    In der vergangenen Woche hatte das EU-Parlament eine Resolution verabschiedet: Führende EU-Institutionen sollen das Gesetzgebungsverfahren fortsetzen, um ukrainischen Bürgern die Visafreiheit zu ermöglichen.

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