02:23 24 Oktober 2017
SNA Radio
    IS-Kämpfer

    Vermutliche IS-Trainingslager in EU: „Völkermigration und sozialer Wandel“

    © AFP 2017/
    Politik
    Zum Kurzlink
    Terrorgefahr in Europa (2016) (232)
    0 128561325

    Während europäische Experten Trainingslager des „Islamischen Staates“ in der EU wittern, machen russische Experten auf Radikale aus der Balkanregion aufmerksam und bezweifeln Europas Fähigkeit, den Terrorismus auszurotten.

    „Die Statistik in Bezug auf die europäischen Länder, aus denen Terroristen kommen, ist nicht präzise. Verschiedene Studien liefern sehr unterschiedliche Zahlen“, sagte die russische Analystin Jewgenia Gwosdewa in einem Gespräch mit der Onlinezeitung gazeta.ru. 

    In der laufenden Woche hatte der Sender CBS die Ergebnisse einer ICSR-Studie veröffentlicht. Demnach kommen rund ein Fünftel aller Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS) aus Westeuropa. Der Zustrom aus Belgien soll besonders aktiv sein. Auf den Plätzen zwei bis fünf rangieren Dänemark, Schweden, Frankreich und Österreich.

    Auf die zunehmende Terrorgefahr in Europa weist auch die europäische Polizeibehörde Europol in ihrem jüngsten Bericht hin. Neben Trainingslagern in Syrien gebe es kleinere Lager in der EU und in Balkanländern. Die IS-Anwerber seien dabei, die Newcomer zu testen, um deren Kampfausbildung und Zielstrebigkeit zu prüfen, zitiert gazeta.ru aus dem Bericht. 

    Gwosdewa kommentierte, der IS brauche zwar Trainingslager, um seine neuen Kämpfer auszubilden, aber nicht unbedingt in Europa: „Für jene Terrorzellen, die in der EU bereits funktionieren, wären die Trainingslager gefährlich, denn sie ließen sich ziemlich leicht orten.“

    Im Jahr 2013 hatten Medienberichte für Aufregung gesorgt, laut denen ein terroristisches Trainingslager in den Ardennen eingerichtet worden sein soll. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben liege jedoch nicht vor, so Gwosdewa. Seit Ende 2014 wurden allerdings mehrere Terrorzellen bei Razzien in Belgien aufgedeckt. Sie hatten Verbindungen zum IS und untereinander. Auch der mittlerweile getötete mutmaßliche Planer der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, war belgischer Staatsbürger.

    Alexej Malaschenko, Experte des Carnegie Moscow Center, sagte, als Quelle der möglichen Terrorgefahr seien vor allem die Balkanländer ins Visier zu nehmen. Wegen zahlreicher Sicherheitsprobleme sei es in diesen Ländern leichter, Trainingslager einzurichten.

    Obwohl Bosnien-Herzegowina, Albanien und das Kosovo in Europa liegen, sind sie keine EU-Mitglieder. „Unmittelbar in der EU richten Radikale vom Balkan keine Lager ein, sondern beschäftigen sich hauptsächlich mit der Anwerbung. Es gibt Hinweise auf aktive Zellen albanischer Anwerber in Italien“, sagte Gwosdewa.

    Generell ist Malaschenko der Meinung, die EU sei beim besten Willen nicht in der Lage, die zunehmende Terrorgefahr zu stoppen: „Wir sprechen ja von einem geschichtlichen Vorgang, der mit einer Völkermigration und mit einem sozialen Wandel zusammenhängt. Europa hat schon vieles versucht: Assimilation, Anpassung, Multikulturalismus. Letztendlich müssen wir uns jedoch mit dem Gedanken abfinden, dass wir leider mit dem Terrorismus häufiger zu tun haben werden.“ Zwar lasse sich der Terrorismus durch gewisse politische Methoden dämpfen, doch seine vollständige Ausrottung erscheine heute kaum möglich, hieß es.

    Themen:
    Terrorgefahr in Europa (2016) (232)

    Zum Thema:

    Merkel holt den Terror nach Deutschland
    Wegen Terrorgefahr: Europäer wollen Bürgerrechte einschränken
    Nach Pariser Anschlägen: Der Westen konnte Putins Worte nicht einfach abtun - Medien
    Selbstmordattentäter von Paris lernte bei französischer Polizei das Schießen – Medien
    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Jewgenia Gwosdewa, Europa