19:30 19 November 2019
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    Horst Teltschik

    Ex-Kanzlerberater Teltschik: „Kritik an Seehofers Moskau-Reise überflüssig“

    © AFP 2019 / Mandel Ngan
    Politik
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    Die meisten Deutschen wollen nach Eindruck von Ex-Kanzlerberater Horst Teltschik eine Verständigung und freundschaftliche Beziehzungen mit Russland. Die Kritik an Horst Seehofers Moskau-Reise findet er daher fehl am Platz.

    „Ich halte diese Kritik für überflüssig“, sagt Horst Teltschik, früherer Vizechef des Bundeskanzleramtes unter Helmut Kohl, im Interview für Sputniknews. Es gebe eine gute Tradition in Deutschland, dass Ministerpräsidenten der Bundesländer ins Ausland reisen, in die Länder, mit denen sie besonders enge und gute Beziehungen haben.

    „Seehofers Reise völlig normal“

    „Bayern hat besonders viele Interessen in Russland. Traditionell sind die größten deutschen Unternehmen in Bayern, und die alle haben gute Beziehungen nach Russland: Siemens, BMW usw. Dass der Ministerpräsident Gespräche und Kontakte pflegen will, ist völlig normal und selbstverständlich. Ich selbst war mal in der Delegation eines bayerischen Ministerpräsidenten als Vorstand von BMW und habe in Moskau Gespräche geführt“, so Teltschik.

    Die Sanktionen führen Teltschik zufolge zu Schäden auf beiden Seiten: „Der Wirtschaftsaustausch der deutschen Wirtschaft ist durch die Sanktionen um 50 Prozent zurückgegangen, das ist außerordentlich bedauerlich. Das ist sicher eines der wichtigsten Interessen des bayerischen Ministerpräsidenten, mit Präsident Putin darüber zu sprechen, welche Chancen es gibt, dass wir in der Ukraine zu positiven Entwicklungen kommen und die Sanktionen abbauen.“

    „EU und USA haben Gespräch mit Putin versäumt“

    Laut Teltschik haben es die Europäer und die Amerikaner „viel zu lange versäumt“, mit Präsident Putin über Syrien zu sprechen. Hier gebe es unterschiedliche Positionen, aber man hätte mit Präsident Putin darüber sprechen müssen, wie eine Friedensregelung möglich sein könne.  „Die unmittelbaren Auswirkungen, die wir in Europa haben, sind diese zahllosen Flüchtlinge. Das heißt, wir haben maximales Interesse, diesen Konflikt zu beenden, damit die Menschen nicht flüchten. Da spielt Russland eine Schlüsselrolle“, so Teltschik.

    „Mein Eindruck ist, dass die meisten Deutschen eine Verständigung mit Russland und traditionell freundschaftliche Beziehungen wollen. Besser miteinander reden, als übereinander“, schlussfolgert er.

    Der russische Präsident Wladimir Putin empfängt am Mittwoch den bayerischen Ministerpräsidenten. Seehofers Moskau-Besuch stößt in Deutschland auf Kritik: „Die Außenpolitik wird in Berlin gemacht, nicht in München“, sagte etwa Niels Annen, der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion. Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sprach von "Nebenaußenpolitik".

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    Sanktionen, Horst Teltschik, Wladimir Putin, Horst Seehofer, Deutschland, Russland, Bayern