15:03 28 September 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    17638913
    Abonnieren

    Russland hat sich inzwischen als entscheidender Spieler bei der Bewältigung der Syrien-Krise etabliert. Für Europa wäre der richtige Ansprechpartner daher Moskau und nicht Ankara, schreibt der Tagesspiegel am Montag.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel ist zu einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem Premierminister Ahmet Davutoglu gereist, um erneut über die türkische Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu sprechen. Da falle einem der Prunkwagen bei dem abgesagten Rosenmontagszug in Mainz ein, der die „Dame Europa“ zeigt, die vor Erdogan hinkniet, um ihm die Füße zu küssen.

    Das Treffen zwischen Merkel und Davutoglu ist bereits das dritte seit Jahresbeginn. Mit keinem anderen Regierungschef außerhalb der EU pflege die Kanzlerin eine dermaßen enge und intensive Zusammenarbeit. Diese Geschäftigkeit deutet laut dem Tagesspiegel auf Verzweiflung hin. Nach Merkels Plan sollte die Türkei, nachdem sie Geld von der EU bekommen würde, die Abwanderung der Flüchtlinge aus Syrien deutlich drosseln. Das Projekt habe jedoch nicht funktioniert. Die Türkei erwartet von Europa, dass es ihre Bedingungen erfüllt, wie etwa eine milliardenhohe Finanzhilfe oder die Reisefreiheit für ihre Bürger. Das werde die EU wahrscheinlich nicht zulassen.

    Der türkische Präsident Tayyip Erdogan
    © AP Photo / Burhan Ozbilici
    Die bittere Wahrheit bestehe darin, dass weder Merkel noch Erdogan oder Davutoglu eine Migrationskrise von solchem Ausmaß lösen können.  Der Westen habe zu lange bei den Ereignissen in Syrien zugeschaut und sich dabei eingeredet, die Krise berühre ihn nicht. Jetzt habe die Syrien-Krise in eine riesige Flüchtlingswelle hervorgerufen. Politiker wie Merkel kommen mit Katastrophen von solchem Ausmaß nicht klar. Dabei wäre Europa gut beraten, mit Russland zusammenzuarbeiten, das sich inzwischen als entscheidender Akteur etabliert habe und eine Lösung des Konflikts anstrebe. Vielleicht sollte sich Europa eher Moskau zuwenden, als vor Ankara auf die Knie zu fallen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Cameron und Obama für „konstruktive Rolle“ Russlands in Syrien
    Moskau zu russisch-türkischem Verhältnis: Ankara weiß, was zu tun ist
    Politico: Europa erwartet Merkels „schockierende Kehrtwende“
    Syrien-Konflikt: Assads Armee dank russischer Militärberater so erfolgreich
    Tags:
    Flüchtlingskrise, Finanzhilfe, Recep Tayyip Erdogan, Ahmet Davutoglu, Angela Merkel, Europa, Ankara, Türkei, Syrien, Deutschland, Moskau, Russland