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    Russland lässt Anspruch auf Arktis-Gebiete von UN prüfen

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    Politik
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    Russland erschließt Arktis (171)
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    Seit 2001 will Russland den Anspruch auf die Ausweitung seines Kontinentalschelfs durchsetzen. Heute reicht das Land erneut einen entsprechenden Antrag ein.

    Der Chef des russischen Ministeriums für Naturressourcen und Umwelt, Sergej Donskoj, reicht heute bei der UN einen Antrag auf Ausweitung des russischen Kontinentalschelfs im Arktischen Ozean ein. Als Ausweitung angepeilt ist ein Gebiet auf dem Meeresgrund jenseits der 200-Seemeilen der ausschließlichen Wirtschaftszone des Landes, jedoch innerhalb des russischen arktischen Sektors einschließlich der Nordpol-Zone.

    Die 40. Sitzung der UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels findet vom 1. Februar bis 18. März statt.

    Seit 2001 beansprucht Russland einen an Kohlenwasserstoffen reichen Abschnitt des Schelfs einschließlich des Lomonossow- und des Mendelejew-Rückens. Der Antrag des Landes wurde jedoch aufgrund unzureichender Nachweise bislang abgelehnt. Mehr als zehn Jahre haben weitere Expeditionen zum Nordpol, seismische, geologische und geophysische Untersuchungen in der Arktis zur Erforschung der geologischen Beschaffenheit der beiden Rücken, sowie bathymetrische Vermessungen in Anspruch genommen. Anhand der Ergebnisse brachte Russland im vergangenen August einen überarbeiteten Antrag bei der UN-Kommission ein.

    Im Vorfeld der Präsentation erklärte Donskoj, dass Moskau von einer positiven Kommissionsentscheidung ausgehe: „Etwaige Gründe für eine Ablehnung des russischen Antrags als solchen gibt es zurzeit nicht“, äußerte der Minister in einem Interview mit RIA Nowosti, fügte aber hinzu, dass „der Entwurf der Außengrenzen im russischen Antrag vergrößert oder verkleinert wird.“

    Gemeinsame Regeln

    Laut der UN-Seerechtskonvention von 1982 haben die Anrainerstaaten der Weltmeere das Recht, vor ihrer Küste eine ausschließliche Wirtschaftszone mit einer Ausdehnung von 200-Seemeilen ab der Basis-Küstenlinie einzurichten. Bei einer Ausdehnung des Festlandsockels über diese Grenze hinaus sind die Länder berechtigt, ihre Wirtschaftszone auszuweiten. Damit erhält der Staat auch die Kontrolle über die dort lagernden Ressourcen einschließlich des Erdöls und Erdgases. Im russischen Antrag vom August heißt es, dass die betreffenden Gebiete des Ozeangrunds eine natürliche Fortsetzung der Landmasse seien, auf die „die Begrenzung von 350 Seemeilen ab der Basis-Küstenlinie“ laut Art. 76 Abs. 6 der UN-Konvention keine Anwendung finde.

    Sollten die Gebiete als Fortsetzung der russischen Landmasse anerkannt werden, erhält das Land das Vorrecht auf ihre Erschließung. Das Ministerium schätzt die dortigen Öl- und Gasvorkommen auf 4,9 Milliarden Tonnen Öläquivalent.

    Dänemarks Antrag

    Russlands Antrag ist indes nicht der einzige dieser Art. Über arktische Sektoren verfügen auch Dänemark (aufgrund Grönlands), Norwegen, Kanada und die USA. Im Dezember 2014 haben Dänemark und seine autonome Region Grönland einen Antrag auf die Festlegung der Grenze ihres Kontinentalschelfs im Arktischen Ozean bei den Vereinten Nationen eingereicht. Damit beansprucht Dänemark in der Arktis eine Fläche von rund 900.000 Quadratkilometern.

    Erwartungsgemäß wird die Prüfung dieses Antrags ebenfalls in der angelaufenen 40. UN-Kommissionssitzung erfolgen.

    Sergej Donskoj erinnerte daran, dass Kanada 2014 ebenfalls einen Antrag einreichte, diesen aber später zurückzog. Auch die USA bereiten einen solchen Antrag vor, können ihn bei der UN allerdings nur einreichen, wenn sie sich der UN-Seerechtskonvention von 1982 anschließen. Über einen Antrag Norwegens hinsichtlich des arktischen Beckens hat die Kommission bereits früher positiv entschieden.

    Der Minister betonte, dass dem russischen Antrag das Anrecht auf außerordentliche Prüfung zukomme, weil dieser bereits 2002 von der Kommission geprüft worden sei. Das Verfahren könne jedoch länger dauern: Auf drei bis fünf Jahre schätzt das russische Ministerium in Anbetracht des Umfangs des Antrags die Bearbeitungszeit.

    Die UN-Kommission zur Begrenzung des Festlandsockels wurde 1997 eingerichtet, erhielt 77 Anträge, von denen sie 22 bereits geprüft hat. Die 21-köpfige Kommission setzt sich aus Vertretern Kanadas, Mexikos, Trinidad und Tobagos, Dänemarks, der Niederlande, Polens, Russlands, Kroatiens, Indiens, Südkoreas, Japans, Ghanas, Nigers, Kameruns, Mosambiks, Brasiliens, Argentiniens, Pakistans, Malaysias, Chinas und Kenias zusammen. Während der Sitzung fungieren die Kommissionsmitglieder als unabhängige Experten.

    Den russischen Antrag wird ein siebenköpfiger Unterausschuss prüfen.

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    Tags:
    Gas, Öl, UN, Sergej Donskoj, Kanada, Norwegen, Dänemark, USA, Russland, Arktis