11:53 26 April 2017
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    US-Außenminister John Kerry bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2016

    Experte: „Wichtiges kam in München zustande“ US-Einfluss auf Berlin „zu bedauern“

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    Münchner Sicherheitskonferenz 2016 (15)
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    Die Münchner Sicherheitskonferenz ist zwar eher eine Diskussionsrunde, in dem Sinne werden dort keine Beschlüsse gefasst, diesmal ist aber etwas Greifbares zustande gekommen, was sehr wichtig ist, so Dr. Hubert Thielicke, Experte für Sicherheitspolitik sowie Redakteur und Pressesprecher des außenpolitischen Journals WeltTrends.

    „Der Konferenzvorsitzende Botschafter Wolfgang Ischinger hat dann auch am letzten Tag noch einmal betont: Es gab in Folge dieses Abkommens über Syrien auch einen telefonischen Austausch zwischen den beiden Präsidenten Barack Obama und Wladimir Putin, wo man sich nochmal unterhalten hat, was getan werden muss, um dieses Abkommen umzusetzen“, stellte Thielicke in einem Sputniknews-Gespräch mit Bolle Selke fest.

    „Ich meine, das zeugt ja alleine schon davon, dass die beiden, die ja nun weit weg von München sitzen — im Osten wie auch im Westen — dann auch über diese Dinge gesprochen haben. Das, denke ich, unterstreicht noch einmal, dass hier etwas zustande gekommen ist."

    Dennoch sei das Ost-West-Verhältnis äußerst angespannt, führte der Experte weiter aus. Ich verweise nur auf den Bericht der Münchner Sicherheitskonferenz, Munich Security Report, der immer vor der Konferenz herausgegeben wird. Da zwar nicht von einem Kalten Krieg in dem Sinne gesprochen, aber es wird ganz klar unterstrichen, dass die Gefahr bestehe, dass die Großmächte aneinander geraten könnten und das Spannungen zwischen den Großmächten bestehen, die auch die Gefahr, dass Kernwaffen benutzt werden, in sich bergen. Also die Lage ist sehr ernst und ich denke mal, das hat auch Ministerpräsident Medwedew gemeint, wenn er sagt, wir gleiten in den Kalten Krieg herab."

    Die Rolle Deutschlands gewinne dabei an Bedeutung, meinte er, nicht zuletzt, weil Deutschland nun den Vorsitz der OSZE habe. In der Konferenz hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier „nochmal sein Motto für seine Präsidentschaft ausdrücklich hervorgehoben, nämlich den Dialog zu fördern, die Sicherheit in Europa zu fördern und Meinungsverschiedenheiten auszubügeln“.

    „Andererseits hat sich aber auch immer wieder gezeigt, dass Deutschland immer noch ganz stark unter amerikanischen Einfluss steht, dass man hier doch, sei es in der NATO, sei es in anderen Gremien, doch beflissen ist, den USA zu folgen, ohne jetzt, wie das mal bei Kanzler Schröder der Fall war, stärker eigene Interessen herauszubringen“, räumte Thielicke ein. „Das ist zu bedauern, da sollte sich doch was ändern. Hier sollte Deutschland doch stärker auf Frankreich schauen."

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    Münchner Sicherheitskonferenz 2016 (15)

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    Münchner Sicherheitskonferenz 2016, NATO, Bolle Selke, Gerhard Schröder, Wolfgang Ischinger, Frank-Walter Steinmeier, Barack Obama, Wladimir Putin, Deutschland, USA
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