21:52 13 Dezember 2019
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    Türkische Panzer an der Grenze zu Syrien am 16. Februar, 2016

    Syrische Kurden treiben Keil zwischen USA und Türkei

    © AFP 2019 / Bulent Kilic
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    Die Türkei hat sich immer stärker auf eine von den Kurden ausgehende Bedrohung fixiert, so dass selbst die USA nun ein Problem damit haben, Ankara als adäquaten Verbündeten zu betrachten.

    Am Sonntag hat türkische Artillerie erneut Stellungen der kurdischen Volksverteidigungskräfte (YPG) in der Nähe der syrischen Kleinstadt Azaz, knapp acht Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, beschossen, berichtet die Zeitung „Frankfurter Rundschau“.  

    Die US-Regierung forderte einen Stopp der türkischen Angriffe auf die kurdischen Verbündeten. Doch die Türkei drohte den syrischen Kurden mit Luftangriffen wie gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Nordirak. Im eskalierenden Bürgerkrieg in Syrien wächst die Gefahr einer internationalen Konfrontation.

    Die Regierung in Damaskus verurteilte die türkischen Angriffe als „offene Einmischung in syrische Angelegenheiten“. Die Türkei und Saudi-Arabien bekräftigten dagegen erneut ihre Bereitschaft, auch Bodentruppen nach Syrien zu entsenden. Am Wochenende wurden bereits saudische F-15-Kampfjets auf die türkische Luftwaffenbasis Incirlik verlegt, hieß es.

    Die Kämpfe in Nordsyrien konzentrierten sich am Wochenende immer mehr auf Azaz, das an der strategisch wichtigen Fernstraße von der Türkei nach Aleppo liegt. Die Unterbrechung dieser Versorgungsroute durch Regimetruppen vor zwei Wochen eröffnete den kurdischen Milizen die Chance, nun ihrerseits von der Kurdenenklave Afrin aus in Richtung Azaz vorzustoßen. Dort eroberten sie am Donnerstag den Militärflughafen Minnigh, der in der Hand der Al-Nusra-Front gewesen war. Die Kurden würden sich keineswegs wieder zurückziehen.  

    Mehr zum Thema: Mit Fall Aleppos werden schlimmste Alpträume Ankaras wahr

    Der Vormarsch alarmiert die Türkei, die einen zweiten kurdischen Quasistaat wie im Nordirak an ihrer Grenze unbedingt verhindern will. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu forderte die YPG auf, sich aus dem kürzlich eroberten Gebiet zurückziehen. Durch den Beschuss seien zwei kurdische Kämpfer getötet und sieben verletzt worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit.

    Am Sonnabend forderte US-Außenamtssprecher John Kirby, dass Ankara den Beschuss der kurdischen Stellungen beenden müsse, und rief die Kurden auf, sich zurückzuziehen. Alle Seiten sollten sich „auf die gemeinsame Bedrohung durch den Islamischen Staat (IS)“ konzentrieren. 

    Video: Türkei schießt auf kurdische Stellungen in Nordsyrien

    Über die Rolle der Kurden im syrischen Bürgerkrieg hat sich ein offener Streit zwischen Ankara und den USA entzündet. Die türkische Regierung betrachtet die kurdische Partei der Demokratischen Union (PYD) und ihren bewaffneten Arm YPG als Anhängsel der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), gegen die sie in der Südosttürkei Krieg führt. Die USA und die EU haben die PKK als Terrororganisation gelistet, nicht aber die PYD, die Washington als wichtigsten Verbündeten innerhalb Syriens im Kampf gegen den IS ansieht. 

    Deshalb forderte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan die USA in der vergangenen Woche auf, sich zwischen der Türkei und der PYD zu entscheiden: „Seid ihr auf unserer Seite oder der Seite der terroristischen Organisationen PYD und PKK?“ Die Geduld der Türkei sei bald erschöpft, schreibt die Zeitung. 

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    Tags:
    IS, Dschabhat al-Nusra, Recep Tayyip Erdogan, John Kirby, Ahmet Davutoglu, Türkei, Syrien, USA