16:38 26 September 2017
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    Ein russischer Su-24-Jet auf Luftwaffenstützpunkt Hmeimim, Latakia, Syrien

    Trümpfe und Schwächen der russischen Luftwaffe: Zwischenbilanz zum Syrien-Einsatz

    © AP Photo/ Vladimir Isachenkov
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    Der Einsatz in Syrien hat nach Ansicht eines Militärexperten sowohl die Trümpfe als auch die Schwächen der russischen Luftwaffe anschaulich ans Tageslicht gebracht. Seine Analyse beschäftigt sich mit den Vor- und Nachteilen des Waffenarsenals sowie den organisatorischen Besonderheiten und Konsequenzen der Operation.

    Der russische Militärexperte Ruslan Puchow schreibt in einem Gastbeitrag für die neue Ausgabe des Magazins „Russia in Global Affairs“: „Der russische Luftwaffeneinsatz in Syrien ist das spektakulärste militärpolitische Ereignis der Gegenwart (…). Besonders erstaunlich – vor allem für die Beobachter im Ausland – wirkt wohl Russlands Fähigkeit, die ziemlich hohe Frequenz seiner Luftangriffe lange aufrechtzuerhalten. Bislang gab es dabei keine Verluste auf der russischen Seite – mit Ausnahme jener von der Türkei abgeschossenen Su-24. Das zeugt von einer sehr hohen organisatorischen Qualität des russischen Kampfeinsatzes auf allen Ebenen und demonstriert anschaulich die gegenwärtige Verfassung der russischen Luftwaffe.“

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    Der Syrien-Einsatz habe den russischen Luft- und Weltraumkräften erstmals ermöglicht, Erfahrungen bei einer groß angelegten Offensive mit Kampfjets verschiedener Klassen zu sammeln, und zwar in Koordination mit Heerestruppen, hieß es.

    Die unmittelbare Einwirkung auf den Gegner sehe allerdings vorerst „ziemlich gemäßigt“ aus. Man scheine den Dschihadisten weniger geschadet zu haben als ursprünglich erwartet. Die syrische Regierungsarmee nutze die Ergebnisse der russischen Luftangriffe nur langsam aus. Die Interaktion der russischen Luftwaffe mit den syrischen Heerestruppen lasse noch zu wünschen übrig. „Generell deckt der russische Einsatz auf, dass die Effizienz von Luftangriffen begrenzt ist. Das haben freilich auch die westlichen Mächte bei ihren Einsätzen erlebt“, so Puchow.

    „Erstmals in ihrer Geschichte setzt die russische Luftwaffe in relativ großen Mengen Präzisionswaffen ein, darunter auch die modernsten Bomben KAB-500S mit satellitengestützter Kurskorrektur. Erstmals kommen auch konventionelle Marschflugkörper zum Einsatz. Dazu zählen insbesondere Luft-Boden-Raketen wie die neue Kh-101 oder die modifizierte Kh-555, aber auch Seezielflugkörper des Typs Kalibr. Für Aufklärung, Kurskorrekturen, Zielzuweisung und Bewertung der absolvierten Angriffe werden ziemlich aktiv Drohnen verwendet“, stellt der Experte fest.

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    Er weist auch auf den Einsatz moderner Kampfjets wie Su-30SM, Su-34 und Su-35S hin. In dieser Hinsicht ist Syrien laut Puchow derzeit eine Art Versuchsgelände, um neue Taktiken und Waffensysteme zu testen.

    Es gebe aber auch technologische Schwächen. Die satellitengestützte Kurskorrektur bei Bombenangriffen habe ihre Nachteile – ihre Präzision sei begrenzt. Die KAB-500S-Bomben und die Marschflugkörper seien manchmal zu stark für Ziele, die für diesen Krieg typisch seien. Die russische Luftwaffe habe zu wenig Präzisionsmunition gegen bewegliche, kleine und gut befestigte Ziele, so die Analyse weiter. 

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    „Die Effizienz des russischen Luftwaffeneinsatz in Syrien ist offenbar nicht etwa durch den Mangel an Flugzeugen oder Waffen beschränkt, sondern hauptsächlich durch das Defizit an Aufklärungsoptionen. Es mangelt der russischen Luftwaffe an spezialisierten Spionageflugzeugen, an Drohnen mit einer breiten Palette von Ausrüstungen und mit großer Reichweite, an modernen effizienten Mitteln der Satellitenaufklärung. Kampfdrohnen gibt es überhaupt keine“, schreibt Puchow. Aus seiner Sicht ist die russische Luftwaffe technisch im Vergleich zur U.S. Air Force nach wie vor unterlegen.

    Angesichts der in Syrien gesammelten Erfahrungen könnte man laut Puchow nun erwarten, dass „manche Entwicklungsrichtungen der russischen Luft- und Weltraumkräfte in den nächsten Jahren intensiviert werden“.

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    Tags:
    Su-35, Su-34, Su-30SM, Kh-555, Kh-101, KAB-500, Ruslan Puchow, USA, Russland, Syrien
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