07:34 26 September 2017
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    Der britische Premier David Cameron und Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel

    Bittsteller Berlin: Niemals so viele Merkel-Feinde in Brüssel wie heute

    © AP Photo/ Francois Walschaerts
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    Migrationsproblem in Europa (1281)
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    Auf dem heutigen EU-Gipfel in Brüssel erwartet Angela Merkel wohl eher die kalte Schulter ihrer Amtskollegen, als ein warmer Empfang. Die Haltung der EU gegenüber der Bundeskanzlerin ist so abweisend wie schon lange nicht, schreibt Stefan Wagstyl vom US-Magazin „The Financial Times“.

    Noch vor einem Jahr sei die deutsche Kanzlerin die unangefochtene Anführerin in Brüssel gewesen. Heute stoße sie dort auf die schwersten Anfeindungen seit elf Jahren, schreibt der Journalist.

    Mit ihrer Politik der offenen Tür habe Merkel sich selbst isoliert. Infolge dieser Politik seien im vergangenen Jahr über eine Million Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Viele Stimmen meinen, die Bundeskanzlerin verschärfe nur die Flüchtlingskrise und bedrohe nicht nur das Schengener Abkommen, sondern auch die Europäische Union als solche.

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    „Nach vielen Jahren der Unterstützung der schwächsten EU-Mitglieder findet sich Berlin in der ungewohnten Position des Bittstellers wieder. Deutschland will Hilfe von der EU für sich und andere Länder, die den Löwenanteil der Flüchtlingslast übernehmen“, heißt es in dem US-Journal.

    Doch den Großteil der EU habe Berlin gegen sich. Die Staaten Südeuropas – seit langem schon über die scharfe deutsche Wirtschaftspolitik empört – müssten nun auch die Flüchtlingswelle bewältigen, die vom anderen Ende des Mittelmeeres über sie hereinbricht. Der Ausbruch nationalistischer Stimmungen in Osteuropa habe diejenigen in „vorsichtige Verbündete“ verwandelt, die den EU-Beitritt noch vor kurzem bejubelt hätten, heißt es in „The Financial Times“.

    Selbst Frankreich, Berlins Seniorpartner, zweifele, ob es Deutschland unterstützen solle oder nicht.

    Überhaupt habe Angela Merkel immer mehr Feinde und immer weniger Freunde: „Deutschland steht zusehends alleine da. Wir sind Zeugen einer Neuausrichtung der Macht“, zitiert das US-Magazin einen ranghohen EU-Beamten.

    Auch in deutschen Diplomatenkreisen schlägt sich diese Einschätzung nieder: „Dass wir uns in der Flüchtlingsfrage an hohe moralische Standards halten, garantiert uns nicht die Unterstützung unserer Partner“, zitiert der Autor einen deutschen Vertreter. 

    Infografik: Flüchtlinge in Europa: Woher sie kommen und wohin sie gehen

    „Merkel ist nach wie vor die stärkste Anführerin der EU. Aufgrund der Flüchtlingskrise ist es für sie jedoch schwieriger geworden, ihre Kraft einzusetzen“, konstatiert der US-Journalist.

    Mit anderen Worten: „Bleibt Berlin hartnäckig, ist der Zerfall der EU vorprogrammiert“, resümiert er.

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    Tags:
    Migranten, EU, Angela Merkel, Deutschland
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