07:24 26 September 2017
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    Situation in Libyen. 2011

    Libyen heute: Doppelherrschaft, zerstörte Wirtschaft und IS-Terror

    © REUTERS/ Goran Tomasevic
    Politik
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    Vor genau fünf Jahren begannen in Libyen die Anti-Regierungs-Proteste. Nach der Einmischung der Nato in diesen innenpolitischen Konflikt wurde der libysche Herrscher Muammar al-Gaddafi getötet.

    Heute durchlebt Libyen schwere Zeiten: Im Land gibt es gleich zwei Machtzentren. Vor diesem Hintergrund geht der so genannte „Islamische Staat“ zunehmend aktiver vor, dessen Kämpfer die libyschen Ölfelder und Raffinerien erobern wollen. RT-Korrespondent William Whiteman berichtet über die Situation in dem zerrissenen Land.

    Vor fünf Jahren, am 17. Februar 2011, wurde in Libyen der „Tag des Zornes“ ausgerufen. Das gesamte Land wurde von Protesten erfasst. Dieser Tag gilt als offizieller Beginn der libyschen Revolution. Das Staatsoberhaupt wurde dabei gestürzt und getötet. Danach begann ein langwieriger Bürgerkrieg, und Libyen versank im Chaos.

    Laut einigen Angaben wurden allein im ersten Jahr des Bürgerkriegs nahezu 30.000 Menschen getötet. Die bewaffneten Auseinandersetzungen und die Nato-Bombenangriffe haben Libyens Gesicht entstellt. Aber Häuser waren nicht das einzige, was vom Krieg zerstört wurde.

    Es brach eine große Wirtschaftskrise aus: Die Ölförderung ist um das Sechsfache geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt verlor 50 Prozent. Einst war Libyen eines der reichsten Länder Afrikas, aber jetzt lebt ein Drittel seiner Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Verschiedene politische Gruppierungen zerreißen das Land buchstäblich in Stücke.

    Die von der Weltgemeinschaft anerkannte Regierung sitzt in der Stadt Tobruk, während die Hauptstadt Tripolis von der islamistischen Gruppierung „Libyscher Sonnenaufgang“ kontrolliert wird.

    Im Norden hat der so genannte „Islamische Staat“ (IS) Fuß gefasst, der auf Expansionskurs ist und die wichtigsten Ölfelder erobern will. Das ist besonders beunruhigend.

    IS-Kämpfer veröffentlichten Videos, auf denen sie in den Straßen von Sirte, der Heimatstadt Muammar al-Gaddafis, patrouillieren. Damit geben die Dschihadisten zu verstehen, dass die Stadt von ihnen kontrolliert wird. Sirte wird als „zweite Hauptstadt des IS“ bezeichnet (als erste gilt das syrische Rakka). Die Dschihadisten verbinden mit Sirte große Hoffnungen. Ihr Motto lautet: „Sirte wird hinter Rakka in keiner Hinsicht zurückstehen!“

    Im vorigen Jahr haben die IS-Kämpfer viele schreckliche Verbrechen begangen. Eines der letzten war eine Reihe von Anschlägen in der Stadt Al-Kubba, wo mehrere Fahrzeuge in die Luft gesprengt wurden. Dabei wurden Dutzende Menschen getötet.

    Der IS will darüber hinaus die libyschen Öltransporthäfen und Raffinerien unter seine Kontrolle bringen. Im März 2015 kontrollierten die Kämpfer bereits elf Objekte der Ölinfrastruktur in Libyen. Wenn man sich Satellitenfotos anschaut, sieht man, dass die Angriffe der Dschihadisten auf libysche Öltransporthäfen ein Feuer verursacht haben, das sogar aus dem Weltall zu sehen ist. Die Behörden bemühen sich darum, die Situation in den Griff zu bekommen.

    Vor wenigen Tagen behauptete der IS, einen libyschen Kampfjet abgeschossen zu haben, der die Stellungen der Kämpfer in Bengasi angegriffen hätte. Diese Stadt entwickelte sich zum Zentrum der Kriegshandlungen. Eine mit dem IS verbundene Webseite veröffentlichte ein Video, auf dem offenbar der Absturz der Maschine zu sehen ist. Die libysche Luftwaffe bestätigte, dass der Kampfjet während eines Angriffs auf die Stellungen der Islamisten abgeschossen worden sei. Der IS wehrt sich und verliert allmählich seine Gebiete in Syrien und im Irak. Deshalb könnte Libyen, das sich nach der Nato-Intervention in einer sehr instabilen Lage befindet, zu einem neuen Stützpunkt für den IS werden. Der Krieg gegen diese terroristische Gruppierung ist noch lange nicht beendet.

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    Tags:
    Ölförderung, Terrormiliz Daesh, Muammar al-Gaddafi, Libyen
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