19:54 22 September 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    7825316
    Abonnieren

    Ankara steht vor ernsten äußeren und inneren Problemen. Die türkische Führung ist offensichtlich nicht in der Lage, diese Schwierigkeiten schnell in den Griff zu bekommen. Durch das militärische Vorgehen in Syrien ist die Regierung schlicht überfordert, schreibt das „Time“-Magazin.

    Die Türkei sei längst keine Regionalmacht mehr, wie sie es noch vor fünf Jahren gewesen sei. Die Hauptursache dafür sei Ankaras Einmischung in den syrischen Konflikt, schreibt das US-Magazin.

    Gegenwärtig sei die Türkei ernsthaft herausgefordert. Durch das militärische Engagement in Syrien riskiere Ankara, von der Staatengemeinschaft verurteilt zu werden. Zudem drohten dem Land innere Spannungen, schreibt „Time“.

    Zum einen stecke das Land mitten in der Flüchtlingskrise: 2,6 Millionen Syrer von 4,7 Millionen, die ihre Heimat verlassen hätten, hielten sich momentan in der Türkei auf. Die für die Lösung dieses Problems aufgebrachten 8,5 Milliarden US-Dollar seien ein harter Schlag für den Wohlstand des Landes, so das Journal. Selbstverständlich habe Ankara die drei Milliarden Dollar von Europa angenommen, um im Gegenzug die Flüchtlingsströme zurückzuhalten. Doch dies sei nur eine vorübergehende Lösung.

    Zum anderen beteilige sich die Türkei – so das US-Magazin – an dem Krieg in Syrien. Eines der Kernziele Ankaras in Syrien sei – neben dem Sturz des syrischen Präsidenten Baschar Assad – der Kampf gegen die Kurden. Die Erfolge der Kurden im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ seien dem türkischen Präsidenten ein Dorn im Auge. Vor allem fürchte Erdoğan, dass seine langjährigen Gegner eine Autonomie an der türkisch-syrischen Grenze errichten könnten, heißt es in dem Artikel.

    Zudem bekämpfe die Türkei die Kurden im Inland. Nach den neuesten Anschlägen in Ankara und der Provinz Diyarbakir habe der türkische Präsident „die Schuldigen“ schnell gefunden: Syrische Kurden, die sich auf türkischem Territorium aufgehalten hätten. Noch liefen die Ermittlungen, dennoch sei jetzt bereits klar, dass sich in der Türkei im vergangenen Jahr immer häufiger Anschläge ereignet hätten. In den letzten sieben Monaten seien 150 Menschen ums Leben gekommen, betont „Time“.

    Die Terroranschläge könnten auf die Machtstellung Erdoğans und seiner islamisch-konservativen Partei direkten Einfluss nehmen: Im vergangenen Juni habe die Präsidenten-Partei im Parlament erstmals seit 13 Jahren eine Niederlage einstecken müssen. Nach dem Suruc-Anschlag des IS habe der türkische Staatschef erklärt, in den Kampf gegen die Terroristen in Syrien zu ziehen. „Entweder ich oder Chaos“ sei auch das Motto seiner Wahlkampagne im November gewesen. Die verlorene Mehrheit habe die Partei wiedererrungen.

    Doch: Die inneren Spannungen und die Ereignisse in Syrien könnten der AKP wieder den Boden unter den Füßen wegziehen, schreibt das Journal.

    Nicht zuletzt habe der syrische Konflikt die außenpolitischen Schwierigkeiten Ankaras verschärft. Die Beziehungen zu Moskau seien nach dem Abschuss der russischen Su-24 durch die türkische Luftwaffe bis zum Zerreißen angespannt. Die Nato-Mitglieder befürchteten, die Türkei ziehe sie in einen direkten Konflikt mit Russland hinein. Seine Beziehungen mit den USA habe Ankara durch das Bombardement kurdischer Stellungen ohnehin zerschossen – die Vereinigten Staaten unterstützten bekanntlich die Kurden im Kampf gegen den IS, unterstreicht das US-Blatt.

    Wenn Ankara sich weiterhin unvorsichtig verhalte, werde die Türkei in den syrischen Konflikt hineinschlittern und seine Probleme auf diese Weise vertiefen, resümiert das „Time“-Magazin.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Russische Experten: Einmarsch in Syrien würde Erdogans Regime ein Ende bereiten
    Erdogan umstellt von zwei Kurdistans
    Das Volk ist der Verlierer: Erdogan riskiert Zerfall der Türkei – Medien
    Russischer Außenpolitiker: Erdogan ist unberechenbar - Invasion in Syrien möglich
    Tags:
    Recep Tayyip Erdogan, Türkei